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Rapper Paul von 01099: «Ich gebe Sachsen nicht auf»

Rapper Paul von 01099: «Ich gebe Sachsen nicht auf»
Paul von 01099 hat ein Soloalbum gemacht. / Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Von: DieSachsen News
Paul hat mit «Panzerglas Pop» sein erstes Soloalbum gemacht und bleibt trotzdem 01099 treu. Warum ihm der Osten und Sachsen besonders am Herzen liegen.

Die Postleitzahl von Dresden-Neustadt ist in der Musikwelt seit Längerem besonders bekannt: 01099. Jetzt will Band-Mitglied Paul seinen eigenen Namen in den Playlists unterbringen. Am 4. September erscheint sein erstes Soloalbum «Panzerglas Pop». Warum wagt er den Schritt jetzt allein? Wie weit kommt man im Osten der Republik mit Musik? Und wie geht es mit 01099 weiter?

Dass es das erste Soloprojekt wird, hat nach Angaben des 26-Jährigen vor allem mit Zeit zu tun. Es sei zum ersten Mal Luft dafür gewesen: «Wir haben bei 01099 die letzten Jahre eigentlich jedes Jahr ein Album gemacht, und eine große Tour und so weiter. Da war nicht an so was zu denken.» Danach habe die Band kollektiv das Gefühl gehabt, erst einmal das Tempo rauszunehmen. «Und da tat sich vor mir eine große Leere auf und ich dachte so: Nee, ich kann jetzt nicht hier so rumsitzen.»

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Ähnlichkeit zu 01099 «ganz normal»

Die erste Single «Prima» des neuen Albums setzt auf fluffige Beats und einen leicht melancholischen Text. Eine gewisse Ähnlichkeit zu 01099 ist dabei nicht zu übersehen. «Ich bin ja auch ein Teil von 01099», sagt Paul. «Für ein großes ernstes Konzeptalbum fehlt mir die Lebenserfahrung und auch die Zeit. Ich glaube, es ist ganz normal, dass man da eine Ähnlichkeit erkennt. Ich fände es auch seltsam, wenn nicht. Dann würde ich die Authentizität von 01099 ein bisschen hinterfragen.»

Paul und auch seine beiden Band-Mitgründer Gustav und Zachi sind aus der Dresdner Neustadt weg. Paul lebt seit längerer Zeit in Leipzig und will dort auch bleiben. «Ich mag Ostdeutschland, ich mag Sachsen gerne, ich find's toll hier», sagt er. Wegziehen kommt für ihn nicht infrage. «Ich gebe Sachsen nicht auf. Dafür liegt es mir zu sehr am Herzen.»

«Natürlich gibt's Downsides. Aber es gibt auch einen sehr herzlichen Teil, einen sehr zugewandten Teil, einen sehr aufmerksamen Teil. Einen Teil von Sachsen und Ostdeutschland, wo eben nach dem ersten Meckern dann doch alles geht. Und irgendwie das ist auch eine Qualität, die ich sehr genieße und die es eigentlich auch irgendwie zu embracen gilt.»

Musik aus dem Osten erfolgreich

Paul und 01099 gehören zu einer ganzen Reihe von Künstlern aus dem Osten, die ziemlich erfolgreich sind. Aus Sachsen werden Kraftklub genannt, außerdem Trettmann und Blond, oder auch der junge Yung Pepp. Man kennt sich und schätzt sich, das wird im Gespräch mit Paul schnell klar.

«Es ist auf jeden Fall ein Umstand, den ich sehr genieße, weil ich mit all diesen Leuten spürbar eine schöne Basis habe. Es gibt da eine andere Freude, wenn man sich sieht, und es gibt einen anderen Dialekt, auf dem sich dann unterhalten wird», sagt Paul. Gleichzeitig will er das Ost-Thema nicht überbewerten. «Wir haben auch mit vielen Künstlern, die nicht aus dem Osten sind, zu tun und unterstützen uns sehr gut.»

Vor der Veröffentlichung seines Soloalbums hat Paul ordentlich Betrieb auf Social Media gemacht, vor allem auf Twitch, der Live-Streaming-Plattform. «Es ist ein Kanal, der mir sehr viel Output ermöglicht. Ich habe irgendwann mal festgestellt, dass ich das relativ gut kann», sagt der 26-Jährige. «Einfach reden, irgendwie Quatsch machen» - das mache ihm Spaß.

Ohne Social Media geht es nicht

Der Musiker ist überzeugt, dass Selbstvermarktung über Social Media heute einfach dazugehört. Gleichzeitig sei das für viele Kunstschaffende etwas, das sie verzweifeln lassen kann. «Viele Künstler*innen, die ich so kenne, die leiden darunter sehr, weil man natürlich nicht automatisch auch noch gut in Social Media ist, nur weil man schöne Lieder schreibt oder schöne Bilder malt.»

In einem Instagram-Video melden sich seine Band-Kollegen zum Soloprojekt zu Wort. Zachi und Gustav sitzen da wie zwei Gefangene, die Hände im Schoß, und lesen abgelesene Sätze vor: «Wir supporten Pauls Soloprojekt zu 100 Prozent.» und «Streamt alle Pauls Album. Es ist das Beste, was wir je gehört haben.» Danach kommt Pauls Stimme aus dem Hintergrund und gibt den Jungs Anweisung: «Lächeln!». Quatsch mit Social Media machen - können sie offenbar.

Bald wieder volle Konzentration auf 01099

Eine Tour zum Soloalbum wird es nicht geben. «Dafür habe ich keine Kraft», sagt Paul. Stattdessen plant er einen Konzertabend, vielleicht auch zwei. «Im September werde ich ein paar alte Musikerkollegen noch aus meiner Jazzzeit zusammentrommeln und mit einer kleinen Combo ein Akustikkonzert machen.»

Danach, so Paul, geht es wieder weiter mit: Volle Konzentration auf 01099. «Wir sind auf jeden Fall nicht fertig. Das ist so ein großes Grundgefühl. Wir haben ein neues Team. Ich spüre, dass da sehr viel Aktionspotenzial drinsteckt.» Ein Highlight für das nächste Jahr ist außerdem schon klar: Am 17.07.2027 werden 01099 ihr einziges Konzert des Jahres spielen. Es ist als «Heimspiel» im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion angekündigt.

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