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Was auf dem Bautzener Kornmarkt geschah

Was auf dem Bautzener Kornmarkt geschah
Symbolbild Stolpersteine / pixabay 652234
Am 9. November wird auf dem Bautzener Kornmarkt an die Novemberpogrome und das jüdische Leben in der Stadt erinnert. Lesungen, eine Installation und weitere Beiträge machen sichtbar, wie Verfolgung mitten in der Öffentlichkeit stattfand.

Erinnern am Ort der Gewalt

Am 9. November 2026 wird der Bautzener Kornmarkt zum Ort des öffentlichen Gedenkens. Ein breites Bündnis aus Kultur- und Bildungseinrichtungen, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Initiativen erinnert dort an die jüdischen Menschen, die während des Nationalsozialismus aus der Stadtgesellschaft ausgegrenzt, gedemütigt und verfolgt wurden. Im Mittelpunkt stehen ihre Geschichten und die Frage, was auf dem Platz im November 1938 geschah.

Der Augenzeugenbericht von Max Jakob Nussenbaum

Besonders eindrücklich ist der Bericht von Max Jakob Nussenbaum. Er stand am 10. November 1938 auf dem Kornmarkt und sah, wie jüdische Menschen geschlagen und öffentlich erniedrigt wurden. Als ihn jemand erkannte und auf ihn zeigte, wurde auch er zur Zielscheibe der Gewalt. Nussenbaum konnte fliehen; sein später aufgezeichneter Bericht wird am 9. November am selben Ort zu hören sein.

Jüdisches Leben in Bautzen sichtbar machen

Die Veranstaltung richtet den Blick nicht nur auf die Pogromnacht selbst, sondern auch auf das jüdische Leben in Bautzen vor der Verfolgung. Viele Spuren lagen mitten in der Stadt: in der Reichenstraße, am Wendischen Graben oder in den Schulen, die jüdische Kinder besuchten. Christian Schäfer vom tvBUNT betont, dass sich die Geschichte an vielen Orten erzählen lasse und die damalige Ausgrenzung für Nachbarn sichtbar gewesen sei.

Sieben Lebenswege und eine Installation aus Stühlen

Im Zentrum des Gedenkens stehen sieben Menschen und ihre Lebenswege, die eng mit der Geschichte Bautzens verbunden sind. Eine Installation aus 113 Stühlen symbolisiert die jüdischen Menschen, die einst Teil der Stadtgesellschaft waren. Jeder Stuhl trägt einen Bilderrahmen mit einem Namen – als Zeichen für die Menschen, die heute fehlen.

Das Programm beginnt um 15:15 Uhr mit dem Aufbau des Gedenkortes. Später lesen Jugendliche Biografien vor, begleitet von Musiker Max Loeb. Um 17 Uhr ist eine ökumenische Andacht vorgesehen. Ergänzt wird das Gedenken durch eine Ausstellung des Museum Bautzen, einen Tanzbeitrag, das Reinigen der Stolpersteine sowie das Puppentheaterstück „Einer von euch sein“ für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.

Ein öffentlicher Ort gegen das Vergessen

Der Kornmarkt war während der Novemberpogrome Schauplatz öffentlicher Gewalt – mitten im Alltag, vor den Augen vieler Menschen. Mit der Gedenkveranstaltung wird dieser Ort am 9. November bewusst in einen Raum des Erinnerns verwandelt. Das Programm läuft bis etwa 19 Uhr; ein Dazukommen ist jederzeit möglich.