Ihr altes Auto landet irgendwann auf dem Schrottplatz. Dort wird es zerhäckselt und sortiert. Große Teile werden zwar recycelt, tauchen aber nicht wieder in einem neuen Fahrzeug auf. Dabei stecken in jedem Pkw wertvolle Materialien. Forschende der TU Bergakademie Freiberg haben im Projekt „Car2Car" untersucht, wie sich das ändern lässt.
Das Projekt lief unter Federführung der BMW Group. Mit dabei waren Prof. Sindy Fuhrmann vom Institut für Glas und Glastechnologie, Dr. Thilo Kreschel vom Institut für Eisen- und Stahltechnologie sowie Prof. Urs Peuker vom Institut für Mechanische Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik. Sie alle wollten Materialien aus Altautos so aufbereiten, dass sie wieder für neue Fahrzeuge geeignet sind.
Stahl funktioniert – Glas und Kunststoff noch nicht
Das Problem beim Recycling ist die Reinheit. Hochwertige Autos brauchen hochwertige Rohstoffe mit ganz bestimmten Eigenschaften. "Wir bauen in Deutschland hochwertige Autos und nutzen dafür sehr hochwertige Werkstoffe, deren Anforderungsprofil genau vorgegeben ist. Beim Recycling muss es möglich werden, wieder genau diese hochwertigen Werkstoffe herzustellen."
Beim Stahl ist das schon weit gelungen. Thilo Kreschel berichtet, dass das Team im Projekt 80 Prozent der Stahlmasse aus Altfahrzeugen zur Herstellung von neuem Flachstahl für Autos nutzen konnte. Das alles ohne Qualitätsverlust. Im BMW-Werk Leipzig entstanden daraus über 100.000 Serienteile.
Bei Glas ist die Lage schwieriger. Autoscheiben sind beschichtet, eingefärbt und fest mit anderen Bauteilen verbunden. Das macht das Trennen aufwendig. Oft klappt das nur per Hand. Sindy Fuhrmann sagt, das sogenannte Kreislaufrecycling, also der direkte Weg von der alten zur neuen Scheibe, sei nach aktuellem Stand der Technik noch nicht möglich. Und Kunststoffe? Die werden durch Hitze und Sonnenlicht während der Nutzung geschädigt. Selbst perfekt sortierter Kunststoff ergibt oft nicht dieselbe Qualität wie ein neues Material.
Welches Potenzial steckt im Recycling?
Trotz aller Hürden lohnt sich der Blick nach vorn. Beim Glas etwa rechnet Sindy Fuhrmann vor: Würde die Branche nur 10 Prozent mehr Altglas einsetzen, ließen sich rund drei Prozent Energie und damit CO₂ gegenüber der heutigen Neuproduktion einsparen. "Die Branche könnte über das Glasrecycling einen erheblichen Schritt zum Erreichen der Klimaziele machen", sagt sie.
Für Kunststoffe sind weitere Forschungsanstrengungen nötig. Sensorbasierte Sortierverfahren, also Maschinen, die Materialien automatisch erkennen und trennen, zeigten im Projekt erste Ergebnisse, reichen aber noch nicht aus.
„Mit der offenen Diskussion zwischen Wissenschaft und Industrie ist es möglich, lösungsorientiert zu forschen und neue Technologien zu entwickeln, die auch skaliert werden können", fasst Urs Peuker zusammen, was das Projekt Car2Car gezeigt hat. Was im Labor funktioniert, kann so später auch industriell umgesetzt werden. Das nächste Auto könnte also durchaus ein Stück aus Ihrem alten enthalten.