Lange Wege zum nächsten Neurologen, monatelange Wartezeiten auf Termine und eine chronische Erkrankung, die kontinuierliche Betreuung braucht: Für viele Menschen mit Multipler Sklerose gehört das in ländlichen Regionen Sachsens zum Alltag. Ein neues Projekt am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden will das ändern.
Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Die Krankheit kann unter anderem Lähmungen, Sehstörungen und starke Erschöpfung verursachen. Heilbar ist MS bislang nicht. Moderne Therapien können den Verlauf jedoch verlangsamen – vorausgesetzt, Betroffene haben regelmäßigen Zugang zu spezialisierter medizinischer Betreuung.
Das Pilotprojekt "Expertenwissen für Menschen mit MS im ländlichen Raum“ setzt auf Telemedizin. Dahinter steckt ein einfacher Gedanke. Wenn Patienten nicht regelmäßig in ein Spezialzentrum kommen können, soll die Expertise digital zu ihnen gelangen. Ärzte des Multiple-Sklerose-Zentrums Dresden beraten Betroffene aus medizinisch unterversorgten Regionen künftig per Video.
Unterstützung aus ganz Sachsen
Beteiligt sind außerdem das Sächsisches Krankenhaus Arnsdorf, die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband Sachsen sowie die Carus Consilium Sachsen GmbH, die den Kontakt zu Hausärzten organisiert. Denn Telemedizin funktioniert besonders gut, wenn Spezialzentren und lokale Praxen eng zusammenarbeiten. "Wir möchten, dass unsere finanzielle Unterstützung am Ende einen echten Mehrwert schafft und direkt bei den Patientinnen und Patienten ankommt“, sagt Eva Koch von der Hertie-Stiftung. Das Modell könne künftig auch auf andere chronische Erkrankungen übertragen werden.