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Multiple Sklerose: Der Neurologe kommt per Bildschirm

Neurologie per Bildschirm: Prof. Tjalf Ziemssen vom MS-Zentrum Dresden beim telemedizinischen Beratungstermin.
Prof. Tjalf Ziemssen bereitet sich auf eine Videoberatung vor – so kommen MS-Patienten auf dem Land zum Spezialisten. © UKDD
Von: Wissensland
Für MS-Kranke auf dem Land ist eine gute medizinische Versorgung oft schwer zu erreichen. Das Universitätsklinikum Dresden startet jetzt ein Pilotprojekt, das Expertenwissen per Videoberatung direkt zu den Betroffenen bringt.

Lange Wege zum nächsten Neurologen, monatelange Wartezeiten auf Termine und eine chronische Erkrankung, die kontinuierliche Betreuung braucht: Für viele Menschen mit Multipler Sklerose gehört das in ländlichen Regionen Sachsens zum Alltag. Ein neues Projekt am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden will das ändern.

Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Die Krankheit kann unter anderem Lähmungen, Sehstörungen und starke Erschöpfung verursachen. Heilbar ist MS bislang nicht. Moderne Therapien können den Verlauf jedoch verlangsamen – vorausgesetzt, Betroffene haben regelmäßigen Zugang zu spezialisierter medizinischer Betreuung.

Das Pilotprojekt "Expertenwissen für Menschen mit MS im ländlichen Raum“ setzt auf Telemedizin. Dahinter steckt ein einfacher Gedanke. Wenn Patienten nicht regelmäßig in ein Spezialzentrum kommen können, soll die Expertise digital zu ihnen gelangen. Ärzte des Multiple-Sklerose-Zentrums Dresden beraten Betroffene aus medizinisch unterversorgten Regionen künftig per Video.

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Drei Beratungen im Jahr

Gerade in ländlichen Regionen wird die neurologische Versorgung zunehmend schwieriger. Viele Facharztpraxen sind überlastet oder schwer erreichbar. Für Menschen mit Multipler Sklerose ist das besonders problematisch, weil die chronische Erkrankung eine regelmäßige Betreuung und schnelle Anpassung der Therapie erfordert. Das Angebot ist klar strukturiert. Innerhalb eines Jahres sind drei Online-Beratungen vorgesehen. Dabei geht es um Krankheitsverlauf, Behandlungsmöglichkeiten und den Umgang mit Symptomen. Die digitale Beratung ersetzt keine neurologische Untersuchung vor Ort, soll Betroffenen aber mehr Orientierung und Sicherheit im Alltag geben.

"Ziel ist es, digitale Versorgung auch in der Fläche praktisch erlebbar zu machen und zu zeigen, dass Spezialzentren gerade auch Patientinnen und Patienten im ländlichen Raum erreichen und unterstützen können“, sagt Tjalf Ziemssen, Leiter des Zentrums für klinische Neurowissenschaften und des MS-Zentrums Dresden. Erste Patienten wurden bereits aufgenommen und digital beraten. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt wird von der Gemeinnützige Hertie-Stiftung im Rahmen der Initiative „mitMiSsion“ finanziert.

Unterstützung aus ganz Sachsen

Beteiligt sind außerdem das Sächsisches Krankenhaus Arnsdorf, die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband Sachsen sowie die Carus Consilium Sachsen GmbH, die den Kontakt zu Hausärzten organisiert. Denn Telemedizin funktioniert besonders gut, wenn Spezialzentren und lokale Praxen eng zusammenarbeiten. "Wir möchten, dass unsere finanzielle Unterstützung am Ende einen echten Mehrwert schafft und direkt bei den Patientinnen und Patienten ankommt“, sagt Eva Koch von der Hertie-Stiftung. Das Modell könne künftig auch auf andere chronische Erkrankungen übertragen werden.

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