Ein Bluttest schlägt Alarm, noch bevor die Krankheit zurückkehrt. Hinter diesem Prinzip stecken rund 20 Jahre Forschungsarbeit an der Dresdner Hochschulmedizin. Die Ergebnisse könnten die Behandlung bestimmter Formen von Blutkrebs künftig entscheidend beeinflussen.
Leukämie ist eine Krebserkrankung des Blutes. Zwei Formen stehen im Mittelpunkt der Dresdner Studie RELAZA2. Die erste ist das myelodysplastische Syndrom (MDS), eine Erkrankung des Knochenmarks, bei der gesunde Blutzellen nicht mehr richtig gebildet werden. Die zweite ist die akute myeloische Leukämie (AML), eine besonders aggressive Form von Blutkrebs. Beide Erkrankungen können lebensbedrohlich werden, wenn sie nicht früh behandelt werden.
Bislang konnten Ärzte nichts tun, bis ein Rückfall klinisch sichtbar wurde. Die Dresdner Forschenden stellten schon vor zwei Jahrzehnten eine andere Frage: Was wäre, wenn man deutlich früher eingreifen könnte?
Zwei Jahrzehnte Forschung
Der Weg begann bereits 2005 mit einer kleinen Pilotstudie. Damals testeten Mediziner am Universitätsklinikum Dresden erstmals, ob sich Rückfälle mithilfe molekularer Blutmarker frühzeitig erkennen und behandeln lassen. Daraus entstand später die RELAZA2-Studie, an der Kliniken aus ganz Deutschland beteiligt waren.
"Als wir vor zwanzig Jahren mit den ersten MRD-gesteuerten Ansätzen begonnen haben, war noch unklar, ob sich daraus tatsächlich ein neuer therapeutischer Weg entwickeln würde“, sagt Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. "Die RELAZA2-Langzeitdaten zeigen nun, dass eine frühzeitige Intervention auf Basis molekularer Marker das Potenzial hat, den Krankheitsverlauf entscheidend zu beeinflussen.“
Möglich wurde die Forschung durch das Netzwerk der Study Alliance Leukemia (SAL), zu dem mehr als 50 Kliniken in Deutschland und Österreich gehören. Koordiniert wurde die Arbeit aus Dresden heraus. "Diese Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie klinische Forschung durch Kooperation über viele Jahre hinweg neue Behandlungsstrategien hervorbringen kann“, betont Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I und einer der geschäftsführenden Direktoren des Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Dresden. Er nennt die Studie eine wichtige Grundlage für personalisierte Therapieansätze. Die Studie lief unter der Trägerschaft der TU Dresden.
Originalpublikation:
Publikation: “Azacitidine to treat measurable residual disease in patients with MDS/AML: final long-term results of the RELAZA2 trial”
Editorial