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Vom Labor auf die Baustelle: Leipzig bekommt erstes Carbonbetonwerk der Welt

Startschuss: Alexander Kahnt, Staatsminister Dirk Panter und Matthias Tietze (v.l.) eröffnen offiziell das C-Factory-Projekt. In Leipzig soll nun das weltweit erste Carbonbetonwerk entstehen.
Ein Knopfdruck für klimafreundliches Bauen: Die Kahnt & Tietze-Gründer und Sachsens Wirtschaftsminister Panter (v.l.) geben den Startschuss für die C-Factory. Das Werk in Leipzig soll ab 2029 Bauteile produzieren, die CO₂ speichern statt ausstoßen. © Klaus Gigga/HTWK Leipzig
Von: Wissensland
Wände aus Kohlenstofffasern statt Stahl: In Leipzig entsteht das weltweit erste Werk für Carbonbetonbauteile. Das Material spart bis zu 80 Prozent Ressourcen. Künftige Gebäude könnten damit sogar CO₂ speichern, statt es auszustoßen.

Jedes zweite neue Gebäude in Deutschland ist aus Stahlbeton. Der Baustoff ist billig und stabil. Aber er ist auch ein Klimaproblem. Allein Wohn- und Nichtwohngebäude verursachen in Deutschland 40 Prozent aller Treibhausgase. Forschende in Sachsen arbeiten seit Jahren an einem Ausweg. Nun machen sie Ernst.

Jetzt fiel der offizielle Startschuss für die sogenannte C-Factory. Das Ziel des Projekts ist ehrgeizig. In Leipzig soll das weltweit erste Carbonbetonwerk entstehen. Es soll Bauteile vollautomatisch herstellen. Und diese Bauteile sollen nicht nur weniger CO₂ verbrauchen als herkömmlicher Beton. Sie sollen Kohlendioxid sogar aktiv speichern.

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Ein Material, das nicht rostet

Carbonbeton funktioniert ähnlich wie Stahlbeton. Nur dass die Stahlstäbe durch Matten und Stäbe aus Kohlenstofffasern ersetzt werden. Der entscheidende Unterschied: Carbon rostet nicht. Das klingt nach einem Detail, ist aber grundlegend. Weil bei Stahlbeton immer Korrosionsschutz nötig ist, muss die Betonschicht ringsherum mindestens vier bis fünf Zentimeter dick sein. Bei Carbonbeton entfällt das. Die Bauteile werden schlanker, leichter, langlebiger.

Laut Informationen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) lassen sich bis zu 80 Prozent an Ressourcen einsparen: Zement, Sand, Kies –  alles deutlich weniger. Die Technische Universität Dresden hat diesen Baustoff maßgeblich mitentwickelt. 2022 weihte die TU Dresden den CUBE ein. Das ist das weltweit erste Gebäude, das komplett aus carbonbewehrtem Beton besteht. Es steht auf dem Dresdner Universitätscampus. Der globale Markt für Carbonbeton wächst indessen.

Von der Forschung in die Fabrik

Genau hier setzt die C-Factory an. Was im Forschungslabor funktioniert, soll nun in industriellen Mengen produziert werden. Die automatisierten Fertigungsprozesse dafür wurden im Carbonbetontechnikum Deutschland an der HTWK Leipzig entwickelt. Jetzt übernimmt die Kahnt & Tietze GmbH, eine Ausgründung der HTWK, die Konsortialführung. Beide Geschäftsführer haben in Leipzig studiert und in Dresden promoviert.

"Wir bringen eine Technologie, die bisher vor allem in Forschung und Pilotprojekten existiert hat, in die industrielle Realität", erklärt Dr.-Ing. Matthias Tietze. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Vorhaben bis Ende 2029 mit rund 14 Millionen Euro. Partner sind neben der TU Dresden unter anderem die Betonwerk Oschatz GmbH und SCHWENK Zement. "Wir verfügen über langjährige Erfahrung in der Automatisierung von Fertigungsprozessen für die Industrie", sagt Prof. Tilo Heimbold, Projektleiter der C-Factory und wissenschaftlicher Direktor des Forschungs- und Transferzentrums der HTWK Leipzig. "Diese Erfahrung übertragen wir in diesem Projekt gezielt auf das Bauwesen, um die Produktivität und die Qualität zu steigern, zugleich die Emissionen zu senken." Wann die ersten Häuser aus Carbonbeton in Serie gebaut werden, ist noch offen. Aber ein Anfang ist gemacht.

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