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Technikum für nachhaltige Textilien in Zwickau eröffnet

Sebastian Gemkow (l.) und Philipp Thiem an der Mehrkopfstickmaschine im neuen Technikum. Dort werden Ideen für nachhaltige Textilien entwickelt.
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (l.) lässt sich von Philipp Thiem die Mehrkopfstickmaschine erklären. © WHZ/S. Fankhänel
Von: Wissensland
In Zwickau hat die Westsächsische Hochschule ihr neues Technikum eröffnet. Nachhaltige Textilien sollen Im größten Forschungsgebäude der Hochschule künftig unter anderem entwickelt werden. Welche Materialien dafür zum Einsatz kommen sollen.

Jeans, T-Shirt, Sportjacke – Textilien begleiten uns durch jeden Tag. Doch was, wenn der Stoff unserer Kleidung eines Tages aus Kiefernnadeln gesponnen oder aus Pilzen hergestellt wird? An solchen Materialien für nachhaltige Textilien arbeiten Forschende der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Jetzt steht ihnen dafür ein neues Technikum zur Verfügung. Es ist das größte Forschungs- und Lehrgebäude in der Geschichte der Hochschule.

Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) übergab das 27 Meter hohe Gebäude nun offiziell an Rektor Prof. Stephan Kassel. Der markante Bau am Dr.-Friedrichs-Ring gehört zu den höchsten Gebäuden der Zwickauer Innenstadt. Auf 4.000 Quadratmetern Nutzfläche, verteilt auf fünf Etagen, stehen ab sofort Labore, Praktikumsräume und Forschungsflächen zur Verfügung. Für Textiltechnik, Maschinenbau, Chemie sowie Umwelt- und Verfahrenstechnik.

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Eine Maschinenhalle als Herzstück

Das Institut für Textil- und Ledertechnik der WHZ, das bislang in Reichenbach untergebracht war, ist vollständig ins neue Gebäude umgezogen. Im Mittelpunkt steht eine große Maschinenhalle mit modernen Textilanlagen. Dazu gehört auch eine neue Greiferwebmaschine mit rund 6.000 Kettfäden und einem Gewicht von fünf Tonnen. Sie zählt zu den größten Anlagen ihrer Art an der Hochschule und soll neue Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

Auch die Fassade greift das Thema Textil auf. Rund 300.000 Klinker wurden so angeordnet, dass ein gewebtes Relief entsteht, eine Anspielung auf die Struktur eines Stoffes.

Zum Start laufen im neuen Technikum 18 Forschungsvorhaben mit einem Gesamtvolumen von 10,6 Millionen Euro. Viele davon beschäftigen sich mit der Frage, aus welchen Materialien nachhaltige Textilien künftig hergestellt werden können. Das ist ein Thema mit wachsender Bedeutung. Die Textilindustrie zählt weltweit zu den ressourcenintensivsten Branchen. Forschende suchen deshalb nach Alternativen zu erdölbasierten Kunstfasern und nach Wegen, Rohstoffe effizienter zu nutzen.

Pilze, Kiefernnadeln und der Wald als Rohstoffquelle

Besonders ungewöhnlich sind zwei Projekte, die zeigen, woran künftig im Technikum geforscht wird. Im Projekt Confitex untersuchen Forschende, ob sich aus Kiefernnadeln textile Fasern für nachhaltige Textilien gewinnen lassen. Der Rohstoff fällt in großen Mengen in der Forstwirtschaft an und wird bislang kaum genutzt. Langfristig könnte daraus Garn für technische Textilien oder andere Anwendungen entstehen.

Im Projekt FungiMat geht es um Materialien auf Basis von Pilzen. Die Forschenden nutzen dafür Pilzmyzel, ein feines Geflecht aus Pilzfäden, das normalerweise im Boden wächst. Zusammen mit Biopolymeren, also biologisch abbaubaren Kunststoffen, sollen daraus neue Verbundwerkstoffe entstehen. Sie könnten künftig beispielsweise Verpackungen, Dämmstoffe oder bestimmte Kunststoffprodukte ersetzen.

Mit dem neuen Technikum bündelt die Hochschule ihre Kompetenzen in der Textilforschung erstmals an einem Standort. Die Forschenden hoffen, dass dadurch neue Kooperationen zwischen Materialwissenschaft, Maschinenbau, Chemie und Textiltechnik entstehen. Das Gesamtprojekt kostete 46,2 Millionen Euro. Rund die Hälfte der Mittel stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

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