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Studie zeigt: Auch bei 2 Grad Erwärmung drohen Klimarisiken

Ernteausfall durch Trockenheit: Sächsische Klimaforscher warnen, dass solche Szenen schon bei moderater Erwärmung häufiger werden könnten.
Trockenheit auf dem Feld: Bei zwei Grad Erderwärmung könnte die Dürrehäufigkeit in wichtigen Anbaugebieten um mehr als 50 Prozent steigen. © André Künzelmann/UFZ
Von: Wissensland
Das Zwei-Grad-Ziel gilt vielen als Schutzwall gegen den schlimmsten Klimawandel. Doch Forscher aus Leipzig und Dresden warnen: Dieses Sicherheitsgefühl kann trügen. Ihre Studie zeigt, dass extreme Klimafolgen – Dürren auf Feldern, Feuer in Wäldern, Fluten in Städten – schon bei moderater Erwärmung möglich sind.

Wer glaubt, 2 Grad globale Erwärmung seien noch zu verkraften, könnte sich täuschen. Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig haben gemeinsam mit der TU Dresden herausgefunden: Auch bei diesem moderaten Temperaturanstieg können extreme Klimafolgen auftreten. Die Studie erschien im Fachjournal Nature.

Bisher wurden besonders schwere Klimafolgen vor allem für eine Erwärmung von 3 oder 4 Grad erwartet. Grundlage dafür waren meist Durchschnittswerte aus vielen Klimamodellen. Doch genau hier liegt ein Problem. Die einzelnen Berechnungen unterscheiden sich stark. Manche zeigen schon bei 2 Grad deutlich stärkere Veränderungen als andere bei 4 Grad. "Im Sinne einer verantwortungsvollen Risikobewertung sollten wir deshalb über die wahrscheinlichsten Entwicklungen hinausblicken und auch extreme Szenarien berücksichtigen, die schwerwiegende gesellschaftliche oder ökologische Folgen haben könnten“, erklärt Erstautor Dr. Emanuele Bevacqua.

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Dürren, Feuer, Fluten schon bei zwei Grad möglich

Die Forschenden haben deshalb gezielt untersucht, wo Klimaveränderungen besonders große Auswirkungen haben können, etwa in der Landwirtschaft, in Wäldern oder in dicht besiedelten Regionen.

Das zentrale Ergebnis: In wichtigen Anbaugebieten für Mais, Weizen, Soja und Reis kann die Häufigkeit von Dürren bei 2 Grad Erwärmung je nach Modell gleich bleiben oder um mehr als 50 Prozent steigen. Diese Unterschiede sind enorm und haben direkte Folgen für die weltweite Lebensmittelversorgung. "10 der 42 untersuchten Modelle liefern bei 2 Grad Ergebnisse, die deutlich über dem Durchschnitt bei 4 Grad Erwärmung liegen“, ergänzt Bevacqua. Ähnliches gilt für Starkregen in Städten und die Gefahr von Waldbränden. Auch hier zeigen einzelne Modelle bei 2 Grad Entwicklungen, die im Durchschnitt erst bei 3 Grad zu erwarten wären.

Die Grenzen der Modelle

Die Studie passt zu einer Entwicklung in der Klimaforschung. Lange lag der Fokus auf Durchschnittswerten. Inzwischen zeigt sich, dass vor allem extreme Ereignisse entscheidend sind. Für Gesellschaft und Wirtschaft sind nicht Durchschnittswerte wichtig, sondern konkrete Ereignisse wie Dürren, Starkregen oder Waldbrände. Der neue Ansatz macht solche Risiken sichtbarer, weil er gezielt besonders empfindliche Bereiche betrachtet. Gleichzeitig zeigt er auch die Grenzen heutiger Klimamodelle. Sie liefern keine exakten Vorhersagen, sondern mögliche Entwicklungen – und die können im ungünstigen Fall deutlich gravierender sein als gedacht.

"Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass eine 2-Grad-Erwärmung insgesamt so gravierend wäre wie eine deutlich stärkere Erwärmung“, stellt Co-Autor Prof. Dr. Jakob Zscheischler klar. "Vielmehr zeigen sie, dass extreme Auswirkungen in besonders verwundbaren oder gesellschaftlich wichtigen Bereichen auch bei einer Erwärmung von 2 Grad auftreten können.“ Eine Erwärmung von 2 Grad ist damit keine Garantie für moderate Folgen.


Originalpublikation:

Emanuele Bevacqua, Erich Fischer, Jana Sillmann and Jakob Zscheischler. Moderate global warming does not rule out extreme global climate outcomes, Nature

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