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Prostatakrebs: Neuer Blutmarker ebnet Weg für Bluttest

Gemeinsam auf der Suche nach dem entscheidenden Hinweis im Blut: Dr. Ielizaveta Gorodetska (links) und Prof. Anna Dubrovska (rechts) vom OncoRay Dresden.
Dr. Ielizaveta Gorodetska (links) und Prof. Anna Dubrovska (rechts) forschen am OncoRay in Dresden daran, Prostatakrebs per Bluttest besser einschätzen zu können. © Soňa Michlíková
Von: Wissensland
Dresdner Forschende haben ein Protein im Blut entdeckt, das verrät, wie aggressiv ein Prostatatumor ist. MMP11 könnte nach weiteren Tests in Zukunft als einfacher Bluttest eingesetzt werden und die Krebstherapie gezielter machen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland zehntausende Männer neu an Prostatakrebs. Laut Daten des Robert Koch Instituts waren es im Jahr 2023 rund 80.000. Wird die Krankheit früh entdeckt, stehen die Chancen auf Heilung gut. Doch im fortgeschrittenen Stadium ist Prostatakrebs schwer zu behandeln. Ein großes Problem dabei ist, dass Ärzte oft nicht genau wissen, wie aggressiv ein Tumor wirklich ist. Dresdner Forschende haben jetzt einen möglichen neuen Hinweis im Blut gefunden.

Ein Team um Prof. Anna Dubrovska und Dr. Ielizaveta Gorodetska vom OncoRay – Nationales Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie hat ein Protein identifiziert, das im Blut messbar ist und mit besonders aggressiven Krankheitsverläufen in Verbindung stehen könnte. Das OncoRay wird gemeinsam vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und der Medizinischen Fakultät der TU Dresden getragen.

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Ein Protein als Frühwarnsystem

Das entdeckte Protein heißt MMP11, kurz für Matrix-Metalloproteinase 11. Es gehört zu einer Gruppe von Enzymen, die unter anderem Gewebe umbauen können. Die Forschenden konnten zeigen: Ist viel MMP11 im Blutplasma eines Patienten nachweisbar, ist das in den untersuchten Patientendaten häufiger mit fortgeschrittenem und besonders riskantem Prostatakrebs verbunden, also mit schlechteren Heilungsaussichten.

Wie aber kommt MMP11 ins Blut? Die Wissenschaftler fanden Hinweise auf eine molekulare Kettenreaktion im Körper. Bestimmte Enzyme aktivieren einen Botenstoff, der wiederum die Produktion von MMP11 ankurbelt. Diese Signalkette könnte dazu beitragen, dass Tumorzellen aggressiver werden und sich leichter im Körper ausbreiten. Dabei können Metastasen entstehen, also Tochtergeschwülste der Krebserkrankung in anderen Organen.

Wenig Blut, große Wirkung

Besonders spannend ist, dass MMP11 grundsätzlich über einen einfachen Bluttest nachweisbar sein könnte. Fachleute nennen das eine "Flüssigbiopsie", eine Untersuchung von Blut statt von Gewebeproben. Das ist für Patienten deutlich schonender als ein operativer Eingriff. "Unsere Daten zeigen, dass MMP11 nicht nur ein biologisch relevanter Treiber der Tumoraggressivität ist, sondern auch ein klinisch nutzbarer Marker sein könnte", erklärt Dubrovska. Langfristig, so die Forscherin, könnte ein solcher Bluttest dazu beitragen, Patienten individueller zu behandeln und Über- oder Untertherapien zu vermeiden.

Bis Ärzte den Test tatsächlich einsetzen können, werden noch einige Jahre vergehen. Zunächst muss MMP11 in größeren und unabhängigen Patientengruppen weiter untersucht werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert dafür ein eigenes Projekt von Gorodetska, in Zusammenarbeit mit dem Maria-Skłodowska-Curie-Nationalen Forschungsinstitut für Onkologie in Polen.

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