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Pflanzen kommen dem Klimawandel nicht hinterher

Stille Veränderung in der Höhe: In Berglagen reagieren Pflanzengemeinschaften fünfmal schneller auf die Klimaerwärmung als in Wäldern und Wiesen.
Auf Berggipfeln verschwinden kälteliebende Pflanzen schneller als irgendwo sonst – der Klimawandel trifft Höhenlagen am härtesten. © Gernot Kunz
Von: Wissensland
Auf Europas Berggipfeln vollzieht sich ein stiller Wandel. Kälteliebende Pflanzen verschwinden und das fünfmal schneller als in Wiesen oder Wäldern. Forscher des iDiv Leipzig sowie der Universitäten Jena und Leipzig haben in einer internationalen Studie herausgefunden, warum Pflanzengemeinschaften der Klimaerwärmung hinterherhinken. Ihre Warnung ist eindeutig.

Wer in den Bergen unterwegs ist, sieht noch üppige Wiesen und bunte Blüten. Doch im Hintergrund verändert sich Europas Pflanzenwelt bereits. Leise, aber tiefgreifend. Kälteangepasste Arten verschwinden. Auf Berggipfeln geschieht das besonders schnell.

Eine neue Studie, die im Fachjournal Nature erschienen ist, zeigt, wie unterschiedlich Europas Ökosysteme auf die Klimaerwärmung reagieren. Initiiert wurde sie am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig (iDiv). Beteiligt waren auch Wissenschaftler der Universität Leipzig, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Senckenberg Instituts für Pflanzenvielfalt Jena. Die Arbeit zeigt dabei nicht nur Momentaufnahmen, sondern stützt sich auf Langzeitbeobachtungen aus ganz Europa.

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Pflanzen hinken der Wärme hinterher

Die Forschenden werteten Daten von mehr als 6.000 Beobachtungsflächen aus, von Irland bis zur Ukraine, von Norwegen bis Spanien. Sie verglichen, welche Pflanzenarten früher an einem Ort wuchsen und welche heute dort wachsen. Dabei stießen sie auf eine sogenannte "Klimaschuld". Gemeint ist die Lücke zwischen dem Klima, das eine Pflanze bevorzugt, und dem Klima, das tatsächlich an ihrem Wuchsort herrscht. Pflanzen reagieren träge: Sie passen sich langsamer an, als die Temperaturen steigen.

"Daher könnte es in den kommenden Jahren zu schnelleren Veränderungen in der Vegetationszusammensetzung kommen", sagt Prof. Markus Bernhardt-Römermann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Mitglied des iDiv ist. Das passiere dann, wenn die Bedingungen für einzelne Arten so ungünstig werden, dass sie lokal aussterben. Die Studie beschreibt damit keinen plötzlichen Umbruch, sondern einen Wandel, der vielerorts bereits begonnen hat und sich weiter beschleunigen könnte.

Berggipfel verändern sich am schnellsten

Besonders stark verändert sich die Pflanzenwelt in den Bergen. Auf Berggipfeln geschieht dieser Wandel etwa fünfmal so schnell wie in Wiesen und Wäldern. Kälteliebende Arten verschwinden dort besonders rasch, wärmeliebende kommen kaum nach. Generell reagieren Pflanzengemeinschaften in allen untersuchten Lebensräumen langsamer auf die Erwärmung, als die Temperaturen steigen. Am deutlichsten war das bei Pflanzen im Wald unter dem Kronendach zu sehen.

Warum die einzelnen Ökosysteme so unterschiedlich reagieren, beantwortet die Studie nicht im Detail. Sie zeigt aber klar, dass sich die Folgen der Erwärmung nicht überall gleich abspielen. Die Studie macht deutlich, dass es keine einfache Antwort auf die Frage gibt, wie die Natur auf die Erderwärmung reagiert. Je nach Ökosystem verläuft der Wandel unterschiedlich schnell. Für die Forschung ist das ein wichtiger Hinweis darauf, dass sich die Folgen des Klimawandels nicht überall nach demselben Muster zeigen.


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