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Dresdner Forscher untersucht den Einfluss von Darmbakterien auf Krebstherapien

Forscher mit globalem Netzwerk: Dr. Mohamed Elgendy koordiniert Partner auf drei Kontinenten – von Dresden aus.
Dr. Mohamed Elgendy koordiniert das internationale Forschungsprojekt METRICs an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. © MSNZ
Von: Wissensland
Darmbakterien könnten helfen, Krebstherapien wirksamer zu machen. Das untersucht das internationale Forschungsprojekt METRICs unter Leitung der TU Dresden – mit zwei Millionen Euro Förderung und Partnern auf drei Kontinenten.

Milliarden Bakterien leben in unserem Darm. Sie helfen bei der Verdauung, beeinflussen das Immunsystem und könnten künftig sogar dabei helfen, Krebs besser zu behandeln. Genau das untersucht ein internationales Forschungsteam unter Dresdner Leitung.

Das Projekt heißt METRICs und wird von Dr. Mohamed Elgendy koordiniert, der am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden forscht. Das europäische Förderprogramm ERA-NET Transcan stellt dafür rund zwei Millionen Euro bereit. METRICs ist damit das bislang größte geförderte Vorhaben in dieser Förderlinie seit ihrer Gründung im Jahr 2011. Sieben Partnerinstitutionen auf drei Kontinenten arbeiten gemeinsam an neuen Behandlungsstrategien gegen Krebs.

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Warum der Darm bei Krebs eine Rolle spielt

Im Mittelpunkt steht eine Frage, die Forschende weltweit beschäftigt: Warum sprechen manche Krebspatienten gut auf bestimmte Therapien an und andere nicht? Forschende vermuten eine Antwort im Darm und im Stoffwechsel. Der Darm ist von Mikroorganismen besiedelt. Sie bilden zusammen die sogenannte Darmmikrobiota. Sie sowie der Stoffwechsel von Tumoren und des gesamten Körpers scheinen zu beeinflussen, wie wirksam kombinierte Immun- und Strahlentherapien bei einer Krebserkrankung sind.

Erste Vorstudien deuten darauf hin, dass eine bestimmte Zusammensetzung der Darmbakterien und eine geringere Bildung von Indol, einem Stoffwechselprodukt von Darmbakterien, mit einem besseren Ansprechen auf die Therapie zusammenhängen. In präklinischen Modellen führte die Kombination aus CAR-T-Zelltherapie und gezielter Veränderung des Darmmikrobioms zu besserer Tumorkontrolle und längerem Überleben. CART-T-Zelltherapien sind eine moderne Form der Immuntherapie, bei der körpereigene Abwehrzellen gezielt gegen Tumorzellen eingesetzt werden.

Daten von Hunderten Patienten 

Im Rahmen von METRICs werden Proben von insgesamt 400 Krebspatienten an drei Studienzentren untersucht. Mit modernen Analyseverfahren lassen sich gleichzeitig Tausende von Stoffwechselprodukten und Genen messen. So wollen die Forschenden herausfinden, welche Veränderungen im Körper darüber entscheiden, ob eine Therapie wirkt. Daraus sollen konkrete, neue Behandlungsstrategien entstehen, die in klinischen Studien getestet werden können. Langfristiges Ziel ist eine personalisiertere Krebsmedizin, also Therapien, die besser auf den einzelnen Menschen abgestimmt sind.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt untersuchen derzeit intensiv, wie das Mikrobiom den Verlauf von Krebserkrankungen beeinflusst. Erste Studien zeigen, dass Darmbakterien eine wichtige Rolle für den Erfolg von Immuntherapien spielen können. Das METRICs-Projekt geht einen Schritt weiter, indem es Mikrobiom, Stoffwechsel und Therapieansprechen gemeinsam betrachtet. Gleichzeitig steht die Forschung noch am Anfang. Ob sich daraus tatsächlich neue Therapien für Patienten entwickeln lassen, müssen erst klinische Studien zeigen.

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