Demokratiebildung am Limit: Hohe Erwartungen, wenig Unterstützung
Demokratie schützen, gesellschaftliche Konflikte lösen, Menschen zur Teilhabe ermutigen: All das sollen sie leisten. Doch wer kümmert sich eigentlich um jene, die uns Demokratie beibringen? Eine neue Studie der Technischen Universität Dresden liefert dazu Antworten.
David Jugel und Stefan Breuer von der John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie (JoDDiD) an der TU Dresden haben untersucht, wie Menschen in der politischen Bildungsarbeit ihren Beruf verstehen und was sie brauchen, um ihn gut ausüben zu können. Ihr Fazit fällt eindeutig aus. Die Erwartungen an diese Menschen sind riesig. Die Unterstützung ist es nicht.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Wer außerhalb von Schulen politische Bildung betreibt, arbeitet oft in Vereinen, Jugendverbänden oder gemeinnützigen Organisationen. Diese Menschen moderieren Workshops, begleiten Diskussionen und stärken das Demokratiebewusstsein in der Gesellschaft. "Die Studie macht deutlich, dass zum Teil völlig unrealistische gesellschaftliche und politische Erwartungen an die demokratische Bildung gestellt werden", bringt Studien-Autor Stefan Breuer das Problem auf den Punkt. "Dies gilt insbesondere für jene Räume, die durch rechtsextreme Dominanz geprägt sind."
Gemeint sind Stadtteile oder Regionen, in denen demokratiefeindliche Haltungen verbreitet sind. Genau dort sollen Fachkräfte für politische Bildung wirken und ausgleichen. Oft unter schwierigen Bedingungen, mit begrenzten finanziellen Mitteln, unsicheren Förderstrukturen und zusätzlichen bürokratischen Anforderungen.
Kaum Angebote für Aus- und Weiterbildung
Wer Ärztin werden will, studiert Medizin. Wer Lehrkraft wird, durchläuft ein geregeltes Studium. Doch für außerschulische politische Bildung gibt es bisher nur wenige klar strukturierte Angebote zur Qualifizierung und Weiterbildung. "Professionalität in der außerschulischen politischen Bildung wird vor allem als reflexiver, kontinuierlicher Prozess verstanden", fasst David Jugel zusammen. "Gleichzeitig stoßen individuelle Professionalitätsansprüche immer wieder an strukturelle Grenzen."
Auf Basis von 16 Interviews und einem gemeinsamen Werkstattgespräch mit Menschen aus der Praxis leiten die Autoren klare Handlungsempfehlungen ab: mehr Weiterbildungsangebote schaffen, die Förderung verlässlicher machen und bessere Aus- und Weiterbildungswege für die politische Bildungsarbeit entwickeln. Prof. Anja Besand, Direktorin der JoDDiD, formuliert es klar: „Wer sich um gute demokratische Bildung bemüht, muss sich auch mit der Frage beschäftigen, wie die Aktiven in diesem Feld in ihrer Qualifikation unterstützt werden können."
Originalpublikation:
Die Empfehlungen und die komplette Studie sind hier zu finden.