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Besser leben nach Krebs: Projekt untersucht Spätfolgen der Strahlentherapie

Forschung für ein besseres Leben nach dem Krebs: Am Universitätsklinikum Dresden untersuchen Wissenschaftler die Ursachen von Strahlenschäden im Gehirn.
Was passiert im Gehirn nach einer Strahlentherapie? Dresdner Forscher suchen im Labor nach Antworten – und nach Wegen, Nebenwirkungen künftig zu verhindern. © UKD/André Wirsig
Von: Wissensland
Krebs besiegt und trotzdem nicht gesund: Viele Hirntumorüberlebende leiden noch Jahre nach ihrer Behandlung an den Folgen der Strahlentherapie. Ein Forschungsteam der TU Dresden nimmt jetzt genau diese Spätfolgen unter die Lupe – mit Millionenförderung und echten Betroffenen als Forschungspartner.

Der Krebs ist besiegt, aber das ist Leben trotzdem nicht mehr wie früher. Viele Menschen, die einen Hirntumor überlebt haben, kämpfen noch Jahre nach ihrer Behandlung mit Gedächtnisproblemen, Erschöpfung oder anderen Beschwerden. Der Grund liegt oft in der Strahlentherapie, die zwar den Tumor zerstört, aber dabei auch gesundes Gehirngewebe schädigen kann. Ein Forschungsteam an der Technischen Universität Dresden (TUD) will das ändern.

Unter der Leitung von Professorin Mechthild Krause, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, hat sich ein bundesweites Forschungsnetzwerk namens UncovRT zusammengetan. Die Beteiligten möchten verstehen, was im Gehirn nach einer Strahlentherapie passiert und wie sich mögliche Spätfolgen künftig vermeiden lassen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Projekt mit mehr als zwei Millionen Euro.

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Jeder Fünfte trägt Spuren im Gehirn

Hirntumore gehören zu den Krebserkrankungen, bei denen Strahlentherapie besonders häufig eingesetzt wird, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Die Behandlung wirkt, aber sie hat einen Preis. Bei etwa jedem fünften Behandelten sind bei einem Scan im MRT-Gerät später Veränderungen im gesunden Hirngewebe sichtbar. Bei einem Teil der Betroffenen verursachen diese Veränderungen spürbare Beschwerden und schränken den Alltag dauerhaft ein.

Bislang wissen Ärzte kaum, wer besonders gefährdet ist und wie man diese Schäden verhindern kann. Genau hier setzt UncovRT an. Die Forschenden aus Dresden, Hamburg, Heidelberg, Essen und Dortmund bauen gemeinsam eine Datenbank auf. Darin werden klinische Daten, MRT-Aufnahmen und experimentelle Ergebnisse zusammengeführt. Sie sammeln auch Informationen aus Nachsorge-MRTs, die Monate oder Jahre nach der Behandlung gemacht werden.

Parallel dazu untersuchen die Forschenden in präklinischen Studien mit Mausmodellen, welche biologischen Prozesse die Strahlenschäden auslösen. Auch bereits zugelassene Medikamente werden daraufhin geprüft, ob sie solche Nebenwirkungen verhindern oder abschwächen können.

Patienten forschen mit

Ein besonderes Merkmal von UncovRT ist die enge Einbindung von Betroffenen. Ein Erwachsener, der selbst einen Hirntumor überlebt hat, und die Mutter eines erkrankten Kindes begleiten das Projekt aktiv. Sie bringen ihre Erfahrungen ein und helfen dabei, die Forschung aus Sicht der Betroffenen zu reflektieren und die Ergebnisse verständlich aufzubereiten – für andere Überlebende und für die Öffentlichkeit.

"Die Nationale Dekade gegen Krebs schafft den Rahmen, um die langfristigen Folgen einer Strahlentherapie mit einer bislang nicht erreichten Tiefe zu untersuchen", sagt Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus an der TUD. "Projekte wie UncovRT geben uns die Möglichkeit, neue wissenschaftliche Zusammenhänge aufzudecken und daraus Impulse für Therapien abzuleiten, die den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten besser gerecht werden."

Langfristig soll UncovRT die Grundlage für neue klinische Studien legen. Strahlentherapie soll künftig so präzise und schonend gestaltet werden, dass Betroffene nicht nur überleben, sondern auch langfristig eine gute Lebensqualität behalten.

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