Auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking erinnert heute nichts an den blutigen Militäreinsatz vom 4. Juni 1989 mit Hunderten Toten. Am 30. Jahrestag des Massakers wird es vollkommen still sein. Öffentliches Gedenken wird in China im Keim erstickt. Angehörige der Opfer sind seit Tagen unter besonders strenger Beobachtung. Hausarreste wurden verhängt, manche müssen mit Staatssicherheitsagenten aus Peking weg «in die Ferien». Die Zensur im Internet läuft auf Hochtouren. Software filtert alle Hinweise auf das Blutbad, mit dem die Studentenproteste erstickt wurden.
Das Jahr 1989 ist in China bis heute ein Synonym für Unterdrückung und Blutvergießen. In Deutschland dagegen steht die Jahreszahl für Freiheit und Einheit. Fünf Monate nach dem brutalen chinesischen Militäreinsatz fiel in der DDR vor 30 Jahren am 9. November die Mauer zwischen Ost und West.
Der einstige DDR-Bürgerrechtler und Mitgründer der Ost-SPD, Stephan Hilsberg, meint zu den «dramatischen Vorfällen» von einst, er habe mit den Studenten und Jugendlichen in Peking gefühlt, die für Freiheit und Demokratie eintraten. «Das waren ja auch meine Ziele», sagt der 63-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Zu der Zeit habe man in der DDR deutlich gespürt, wie der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) die Macht aus den Händen rann sowie Widersprüche und Unzufriedenheit im Land immer größer wurden.