Der Binnenhafen in Riesa steht seit dem Teileinsturz der Dresdner Carolabrücke vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. «Aus den sächsischen Häfen heraus haben sich die Transportkosten um circa 30 Prozent erhöht», sagt der Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO) Heiko Loroff. Das entspreche Mehrkosten für den ohnehin bereits stark ausgelasteten Hafen von bis zu 10.000 Euro pro Schiff. Um den Transport dennoch zu gewährleisten, müssten nun viele Container auf die Schiene verlagert und per Bahn weitertransportiert werden.
Wieso der Ausbau des Riesaer Hafens helfen soll
Der geplante Ausbau des Binnenhafens in Riesa soll helfen, Probleme besser zu bewältigen. Das im vergangenen Jahr genehmigte Terminal werde «das bisher vorhandene und völlig überlastete, verschlissene "alte" trimodale Terminal ersetzen». Es soll einfachere logistische Abläufe, kürzere Wege und schnellere Umschlagzeiten ermöglichen. Zudem würden die Kapazitäten für den Umschlag zwischen Binnenschiff, Bahn und Lastwägen deutlich erhöht.
Zukünftig sollen zwei elektrische Kräne anstelle der bisherigen Diesel- und Seilkräne eingesetzt werden. Zudem soll eine Hybridlok die bis zu sechs notwendigen Rangierfahrten mit Dieselloks pro Zug ersetzen. Ziel sei es, Transportlösungen schneller, umweltfreundlicher und effizienter zu gestalten.
Kritische Stimmen: Risiken in Zeiten des Klimawandels
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Sachsen sieht das Vorhaben jedoch kritisch. Mehrere Gutachten hätten bestätigt, dass die Elbe kaum noch schiffbar ist. Zudem sei der Hafen in Riesa hochwassergefährdet.
«Angesichts des Klimawandels ist mit einer Zunahme von Dürreperioden zu rechnen, wodurch die Elbe künftig noch weniger Wasser führen wird», warnt der Vorsitzende des sächsischen Landesverbands, Felix Ekardt. Der Gütertransport verlagere sich ohnehin zunehmend auf Schiene und Straße.
Die Landesdirektion Sachsen, die den Ausbau des Hafens im vergangenen Oktober genehmigt hat, sieht dies jedoch anders. Das neue Terminal behebe vor allem Defizite der Bahninfrastruktur des bisherigen Hafens, sagte eine Sprecherin. «Etwaige temporäre Beeinträchtigungen der Schiffbarkeit der Elbe ändern nichts daran, dass insbesondere die bahnseitigen Defizite des Bestandsterminals durch das Projekt behoben werden.»
Die SBO will mit dem neuen Terminal die rechnerische Kapazität für einen wirtschaftlichen Umschlag verdreifachen. Loroff rechnet damit, dass sich die Containerzahl in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird. Der Baustart ist für Ende 2026 geplant, die Fertigstellung für Ende 2027.