Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Wetter

«So krass war es noch nie» - Elbfähre auf dem Trockenen

«So krass war es noch nie» - Elbfähre auf dem Trockenen
Das Seil und der Seilträger müssten eigentlich im Wasser schwimmen. / Foto: Sebastian Willnow/dpa
Von: DieSachsen News
Die Elbfähre Belgern steht seit Wochen wegen des extremen Niedrigwassers still. Zwar hat es zuletzt geregnet. Doch das bedeutet noch lange keine Normalität.

Zweieinhalb Minuten. So lange dauert es normalerweise ungefähr, um mit der Fähre vom nordsächsischen Belgern auf die ostelbische Seite überzusetzen. Fährmann Enrico Schmidt (67) zuckt mit den Schultern und zeigt auf das ausgedörrte, steinige Ufer der Elbe: «Wenn die Fähre nicht fast auf dem Trockenen sitzt», sagt er. 

Derzeit herrscht extremes Niedrigwasser. Seit Wochen schon steht die Fähre still. Statt zweieinhalb Minuten über den Fluss müssen die Menschen 30 Kilometer Umweg über die nächste Brücke in Torgau in Kauf nehmen. «So krass wie jetzt war es noch nie», sagt Schmidt.

Mehr aus dieser Kategorie

«So weit unten waren wir noch nie»

Der Fährmann muss es wissen. 30 Jahre lang, so erzählt er es, hat er schon Fußgänger, Radfahrer und Autos über die Elbe geschippert. Jetzt liegt die Fähre unbeweglich auf der ostelbischen Seite. 

Der schmal gewordene Fluss erinnert beim besten Willen nicht an einen mächtigen Strom. Mitte August werden am Pegel Torgau kaum noch 30 Zentimeter gemessen. «Uns fehlen 50 Zentimeter, um wieder freizukommen», sagt Schmidt. Das Seil und der Seilträger der Gierseilfähre liegen komplett im Trockenen. Eigentlich müssten sie im Wasser schwimmen. «So weit unten waren wir noch nie, und auch nicht über eine so lange Zeit.»

Schmidt veranschaulicht, wie groß das Problem ist: Von der Wasserkante geht er die Böschung 15 Schritte oder etwa 15 Meter hinauf. «Hier liegen wir normalerweise», sagt er und zeigt zu seinen Füßen auf die Stelle, an der Passagiere unter regulären Umständen über die Rampe auf die Fähre kommen. Rund 15 Meter, die normalerweise mit Wasser bedeckt sind - und die auch auf der anderen Seite des Flusses fehlen.

Dort drüben stehen zwei Radfahrer in sportlichen Outfits, Fahrradtaschen an den Gepäckträgern. Der beliebte Elberadweg führt an Belgern vorbei. «Da hätten wir vielleicht zwei Radfahrer, die Interesse an einer Fahrt hätten. Aber na ja», sagt Schmidts Kollege Gerd Schulte (65). Stattdessen schauen die Radler einem Bagger zu, der Steine und Schlick ausgräbt. Die Stadt Belgern-Schildau nutzt die Zwangspause der Elbfähre, um den Anleger auszubauen.

Lage angespannter als im Trockenjahr 2018

Dass die Niedrigwassersituation an Sachsens Flüssen außergewöhnlich ist, bestätigt das Landeshochwasserzentrum. «Die Niedrigwasserlage im Sommer 2026 ist mit den extremen Trockenjahren 2018 oder 2022 vergleichbar, doch die Daten deuten auf eine noch angespanntere Situation hin», teilt Sprecherin Karin Bernhardt mit. 

Fehlende Niederschläge, gesunkenes Grundwasser und Hitze hingen dabei zusammen: Seit Jahren habe sich ein Niederschlagsdefizit aufgebaut. Das habe die Grundwasserstände stark absinken lassen. Wenn es dann wie in diesem Frühjahr und Sommer kaum regne, speisten sich die Fließgewässer aus dem - niedrigen - Grundwasser. Zusätzlich habe die starke Hitze Wasser aus den Flüssen verdunsten lassen. Der Wasserstand der Elbe hängt noch dazu davon ab, wie im Nachbarland Tschechien das Wasser reguliert wird.

Streichen statt Fähre fahren

Die Elbfähre Belgern ist schon seit dem 13. Juli außer Betrieb. Was macht man als Fährmann, wenn man nicht fahren kann? Schmidt zeigt auf das Geländer der Fähre, das in einem frischen Rot erstrahlt. Das Deck leuchtet grün, dazu neue sattgelbe Markierungen auf dem Boden. Die beiden Fährmänner haben Rost entfernt und die Fähre frisch gestrichen. «Die geht erst in zwei Jahren wieder in die Werft. So lange sollte sie schon noch halten», sagt Schulte.

Die beiden Männer sind eigentlich schon im Ruhestand. Nachdem jedoch der letzte Pächter der Fähre aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben hat, sind Schmidt und Schulte auf Bitten des Bürgermeisters von Belgern-Schildau eingesprungen. Sie bilden auch zwei neue Fährmänner aus, die künftig für die Gemeinde den Fährbetrieb sichern sollen. 

Fährfahrten wieder im September?

Doch bevor es wieder losgehen kann, muss erstmal wieder mehr Wasser her. Schmidt hofft, dass es spätestens am 19. September wieder so weit sein könnte. Dann steht im nahe gelegenen Lehr- und Versuchsgut Köllitsch eine Bundesmeisterschaft im Leistungspflügen an. Das wäre ein Event, bei dem die Elbfähre gefragt wäre. «Man hofft ja, dass bis dahin ein paar Tropfen gekommen sind», sagt der 67-Jährige. 

Die Fähre in Belgern ist nicht die einzige, die in diesem Sommer eine Zwangspause einlegen musste. Auch der Betrieb in Dresden war gestört. Nach Angaben der Dresdner Verkehrsbetriebe konnten mehrere Fähren nicht fahren. Das gleiche Bild gab es auch in Bad Schandau. Zuletzt sorgte dort Regen auch im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe für etwas Entspannung. 

Rückkehr zur Normalität wird dauern

Laut Landeshochwasserzentrum wird der aktuelle Anstieg der Wasserführung aber nur von kurzer Zeit sein. «Mit einer schnellen Rückkehr zur Normalität ist nicht zu rechnen», erklärte Bernhardt. «Eine längere nassere Episode kann die Grundwasserdürre nicht kurzfristig beenden.» Am Pegel Torgau soll der Wasserstand der Elbe nach einem vorübergehenden Anstieg ab Freitag wieder zurückgehen.

Auch die erfahrenen Fährmänner in Belgern wissen, dass nichts schnell gehen wird. «Mit drei Tagen Regen ist es nicht getan», sagt Schmidt. Währenddessen beobachtet sein Kollege Schulte, wie oberhalb des Fähranlegers ein weißes Auto wendet. «Das wäre ein Kunde gewesen», sagt er.

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Sachsen News
Artikel von

Sachsen News

Sachsen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media