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Marek Špalek: Goldmedaille statt Menge-Menge-Menge

Weinberg
Marek Špalek mit seinem Goldmedaillen-Grauburgunder (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Von: Ulrich van Stipriaan
Familienweingut Vinařství Špalek in Mähren: biodynamische Arbeit auf dem Kravi Hora (Kuhberg), präzise Rieslinge, Stockinger-Fässer, 2024 Grand Or und Export vor allem nach Sachsen.

 

Marek Špalek ist einer der profilierten Winzer Südmährens, der gemeinsam mit seiner Familie das Vinařství Špalek (Weingut Špalek) in Nový Šaldorf-Sedlešovice bei Znojmo führt. Das familiengeführte Bio-Weingut bewirtschaftet heute rund 12 Hektar Weinberge – ausschließlich auf der berühmten Lage Kravi Hora (Kuhberg), einer südostexponierten Ried auf bis zu 340 m Höhe mit Lehmboden über Granit-Urgestein. Die Weine des Hauses stehen für präzise, frische und terroirbetonte Stilistik – und das in einer Region, die im Sozialismus lange vom Mengendenken geprägt war.

Die Geschichte des Weinguts beginnt eigentlich schon in den 1970er Jahren, als František Špalek (Vater von Marek) mit dem Weinbau begann. Nach der samtenen Revolution 1989/90 erhielten viele Familien ihre Böden zurück – nicht so der Vater von Marek, der als jüngstes von sieben Kindern leer ausging. Dennoch wagten die Brüder 1992 zusammen mit dem Vater den Schritt: Zunächst kelterten sie Wein aus zugekauften Trauben, doch der Traum waren eigene Weinberge. Marek und sein Bruder hatten beide Weinbau studiert bzw. in staatlichen Betrieben gearbeitet; nach der Wende sammelten sie entscheidende Erfahrung in Österreich, u. a. neun Jahre lang beim renommierten Schlossgut Hardegg. Dort lernten sie nicht nur Qualitätsweinbau kennen, sondern auch wie Familienbetriebe funktionieren – und sie verdienten gutes Geld, das sie in den eigenen Start investierten.

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Eigene Weinberge seit 1987

Der erste eigene Weinberg wurde 1997 auf Kraví Hora gepflanzt. Auf den 12 ha stehen heute zehn Rebsorten – sieben weiße und drei rote. Die mit Abstand wichtigste Sorte ist Riesling (mit ca. 2,5 ha hat sie den größten Anteil), gefolgt von Grüner Veltliner (Veltlínské zelené), Sauvignon Blanc, Grauburgunder (Rulandské šedé), Gewürztraminer und roten Sorten wie Zweigelt (bei ihm meistangebaute rote Rebe) und Spätburgunder. Warum so viel Riesling? „Weil der Klimawandel sich bei uns auch bemerkbar macht: heiße Jahrgänge führen bei Veltliner und Sauvignon zu weniger Frische und zu hohem Alkohol. Riesling dagegen zeigt sich anpassungsfähig und behält seine belebende Säure!“

Seit 2015 ist das Weingut bio-zertifiziert, seit etwa acht Jahren biodynamisch orientiert. Die Demeter-Präparate 500 Hornmist und 501 Hornkiesel werden dynamisiert und ausgebracht (lesbare Literatur). Marek betont: Die Biodynamie helfe spürbar – die Trauben seien gesünder und schöner. Im Gespräch räumt Marek ein, dass man ohne direkten Vergleich (weil sie ja alles biodynamisch bewirtschaften) nicht wissenschaftlich beweisen könne, woran es genau liegt.

Stahl und Stockinger-Holzfässer im Keller

Im Keller nutzt das Weingut Špalek Edelstahl für fruchtbetonte Weine und Stockinger-Eichenfässer (u. a. vier 2.000-Liter-Fässer) für die gereifteren Partien – mit Spontangärung bei den Weinen im Holz und Reinzuchthefen bei denen im Stahl. Keine Amphoren, kein Beton. Ein Paradebeispiel ist der 2021 Rulandské šedé (Grauburgunder): 14 % Alkohol, aber geschmeidig, mit elsässischem Touch – Brot, Butter, Honig, total trocken (0,1 g Restzucker). Dieser Wein gewann 2024 Gold (Grand Or) bei den Sélections Mondiales des Vins in Montreal und landete unter den Top 50 des gesamten Wettbewerbs – der größte Erfolg der letzten 33 Jahre. Neben Stillweinen produziert Špalek einen Schaumwein (extra brut, traditionelle Flaschengärung, Cuvée aus Veltliner, Sauvignon und Riesling, ca. 2.500 Flaschen/Jahr). Die Preise der Weine bewegen sich zwischen ca. 8 und 20 € – „nicht billig, nicht teuer“. Zweimal (2014 und 2024) wurde das Weingut zum besten kleinen Weingut Tschechiens gekürt.

94 % der Produktion bleiben im Inland; nur etwa 6 % gehen in den Export – vor allem nach Sachsen. Dort ist Gustav Müller seit über zehn Jahren sein Partner; die Weine finden sich in Restaurants in Dresden, Pirna und der Sächsischen Schweiz. Marek Špalek spricht übrigens ausgezeichnet Deutsch – seine Mutter ist zur Hälfte sudetendeutscher Herkunft, zudem lernte er gezielt Deutsch in einer Sprachschule.

Info

Vinařství Špalek
Sklepní č.ev. 104
671 81 Nový Šaldorf-Sedlešovice-Znojmo 5
Tschechien

Tel. +420 515 243 802
spalek.bio

[Aufgenommen am 6. März 2026 vor dem böhmisch-mährischen Abend im Restaurant Alte Meister]

Ulrich van Stipriaan
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Ulrich van Stipriaan

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