So plant Football-Champion Dresden Monarchs weiter
Eine Woche danach ist der Hype immer noch nicht abgeebbt. Der triumphale 27:19-Sieg im GFL-Bowl im Rudolf-Harbig-Stadion am vergangenen Samstag gegen die Potsdam Royals zieht für die American Footballer der Dresden Monarchs einige sehr erfreuliche Konsequenzen nach sich.
Das Team von Cheftrainer Greg Seamon konnte sich am Dienstag im Goldenen Buch der Stadt verewigen, zwei Tage vorher kamen sage und schreibe 1.200 Anhänger in das enge Stadion an der Bärnsdorfer Straße zum offiziellen Saisonausklang des frisch gebackenen deutschen Footballmeisters - und damit so viele wie noch nie bei diesem traditionellen Event. Zudem arbeitet der Verein mit Hilfe von Sponsoren fieberhaft an der Herstellung von Meister-Ringen - wie in der amerikanischen Profiliga NFL üblich.
Doch die Dresdner haben nach der perfekten Saison - 15 Siege in 15 Spielen - einige Fragen zu beantworten, die natürlich mit der näheren und perspektivischen Zukunft und Ausrichtung zu tun haben. Diesachsen.de beantwortet die drängendsten Fragen.
Bleibt Chefcoach Greg Seamon bei den Dresden Monarchs?
Alle Vorzeichen deuten darauf hin. Der 71-jährige US-Amerikaner hat sich in den drei Spielzeiten seiner Amtszeit zum erfolgreichsten Headcoach des Vereins entwickelt - zwei Vizemeisterschaften und nun der Titel. Der unaufgeregt agierende Football-Lehrer aus Indiana lässt keine Möglichkeit aus, die Rahmenbedingungen in Dresden zu loben. "Ich war noch nie Teil eines ungeschlagenen Teams. Ich will noch einen Titel gewinnen, ich möchte wieder hier sein", sagte Seamon ins Mikrofon des MDR.

Auch Präsident Sören Glöckner erklärt unmissverständlich: "Wir als Verein möchten gern mit ihm weitermachen, wir wollen uns ja weiterentwickeln. Wir werden jetzt erst mal Urlaub machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir für alle eine Lösung finden, die alle so wollen." Einen unterzeichneten Vertrag gibt es allerdings noch nicht.
Welchen Stellenwert hat der zweite Meistertitel nach 2021?
"Safe, das ist 100prozentig ein größerer Moment als 2021. In Dresden, volles Haus, heimische Kulisse. Das ist der Wahnsinn", schwärmt Offense-Liner Philipp Most. Der Meistertitel in der Nach-Corona-Saison war sportlich natürlich ebenbürtig. "Aber wir haben lange Anlauf nehmen müssen für diesen zweiten Titel, deshalb würde ich sagen, der ist noch ein Stück wertvoller als die erste Meisterschaft von damals", bestätigte Glöckner. Die Premieren-Meisterschaft ist zugleich auch eine Warnung. Denn in der Saison direkt danach stürzten die Sachsen ab, verpassten erstmals seit 2011 den Einzug in die Play-offs der besten acht Mannschaften in der German Football League. "Ohne dass ich das vorhersagen kann: Das wird uns nicht noch mal passieren. Eher im Gegenteil", betont der Vereinsboss.
Wird der GFL-Bowl im kommenden Jahr wieder in Dresden ausgetragen?
Ja, obwohl bislang weder der ausrichtenden Veranstalter, der American Football-Verband Deutschland (AFVD), noch die GFL das offiziell bestätigt haben. Allerdings werden auf der Internetseite gfl-bowl.de, die der AFVD redaktionell verantwortet, bereits Tickets für den GFL-Bowl 2027 am 25. September im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion verkauft und auch auf Instagram bereits dafür geworben.
"Alle Beteiligten haben sich committed, dass es nächstes Jahr wieder hier stattfindet. Man muss ganz ehrlich sagen: Die Stadt bekommt dieses Großereignis für Kleingeld, einen Zuschuss von 75.000 Euro. Im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen, die hier in Dresden laufen und die die Stadt unterstützt, sind das Peanuts", betonte Monarchs-Präsident Sören Glöckner.
Denn es gibt genügend Argumente für eine Final-Fortsetzung in Dresden. Der übertragende Spartensender DF1 erreichte mit seiner kostenfreien Übertragung 741.000 Netto-Haushalte und damit 11,8 Prozent mehr als im Vorjahr - und schon das war ein Rekordwert. DF1 erreichte damit mehr Haushalte als die durchschnittliche Übertragung der Freitagspiele der 2. Fußball-Bundesliga der Vorjahressaison (726.000).
Mit der Stadion-Kulisse von offiziell 25.016 Zuschauern geht das "Finale daheeme 2.0" der Dresden Monarchs als das am zweitbesten besuchte GFL-Finale der Endspiel-Geschichte seit 1979 ein. Nur 1999 kamen beim Duell der Braunschweig Lions gegen die Hamburg Blue Devils noch mehr Besucher ins Hamburger Volksparkstadion (30.400).
Kann der Verein den Erfolg nachhaltig nutzen?
Darauf deutet alles hin. Die Dresden Monarchs sind mit etwas mehr als 1.300 Mitgliedern der größte Football-Verein Europas, der Saisonetat war mit knapp unter zwei Millionen Euro für den Gesamtverein der so groß wie nie zuvor. Sehr wahrscheinlich, dass diese Entwicklung weiter voranschreitet.
"Ich denke, dass wir hier in Dresden überhaupt einer der Standorte sind, der die meisten Zuschauer generiert, der die beste Stimmung hat", sagte Glöckner. Mit durchschnittlich 5700 Stadion-Besuchern - das GFL-Finale ausgeklammert - sind die Elbestädter der Krösus - und zwar im gesamten europäischen Football.
"Das haben wir uns über lange, lange Jahre erarbeitet. Ich freue mich für die Mannschaft, für die vielen Ehrenamtlichen, die das überhaupt möglich gemacht haben", lobte der Klubchef.

Doch auch strukturell muss es Veränderungen geben. Der Nachwuchs boomt nach wie vor. Das Trainingszentrum an der Bärnsdorfer Straße platzt in jeder Woche der Football-Saison aus allen Nähten. "Wir haben noch genügend Ziele, wollen zum Beispiel in der U20 zur absoluten Spitze aufschließen, wo unser Team erstmals im Halbfinale stand", sagt Sören Glöckner.
Der Klub will über öffentliche Mittel am bisherigen Standort einen zweiten Kunstrasen bauen - dafür ist hinter dem Stadionoval noch Platz, denn dort befindet sich ein altes Fußballfeld auf Naturrasen, das aber nicht mehr genutzt wird. "Das ist zwingend, weil wir sonst gar nicht wissen, wie wir das Mitgliederwachstum kanalisieren können", betont der Präsident.
Bleibt die Meister-Mannschaft zusammen?
Weitestgehend mit Sicherheit. Das Kernteam des deutschen Spieler-Kaders dürfte sich nur geringfügig verändern, wenngleich einige altgediente Haudegen aus der Region den GFL-Bowl 2026 als absolutes Karriere-Highlight einstufen und damit zu der Erkenntnis gelangen könnten: Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist.
Ob die US-Profis um Star-Quarterback Rocky Lombardi und Receiver Montigo Moss zurückkehren, hängt von deren Karriere-Möglichkeiten in ihrer Heimat ab. Sollte es dort an sportlichen und finanziellen Alternativen fehlen, hätten die Monarchs wohl die besten Argumente als neuerlicher Brötchengeber.
Gleiches gilt auch für die Import-Spieler aus Europa, wie beispielsweise den Österreicher Sebastian Huber. "Das war das größte und beste Spiel meiner Karriere", schwärmte der Abwehrspezialist. Die Chancen auf eine Rückkehr nach Dresden stehen günstig, zumal die auf Franchise-Basis angelegten europäischen Konkurrenzligen EFA und AFLE erstens zerstritten sind und zweitens finanziell auf wackeligen Beinen stehen.