Droht André Heinisch das Aus als Trainer der DSC-Kicker?
Die nackte Statistik liest sich desaströs. Zehn Spiele, neun Niederlagen, nur ein Sieg, drei Punkte, 9:40 Tore. Die Männer des Dresdner SC sind in der Fußball-Sachsenliga logischerweise das Schlusslicht, liegt aber mit fünf Punkten Rückstand immer noch in Schlagweite der Nichtabstiegsplätze.
Obwohl die Truppe von Trainer André Heinisch in der Vorsaison nur mit zwei Zählern Vorsprung den Fall in die Landesklasse verhindert hatte, war man bei den Rot-Schwarzen mit anderen Vorstellungen in die Saison gestartet. Mehr als unbefriedigend ist die Lage allemal.
Da sich die Mechanismen des Profifußballs immer weiter in die tieferen Spielklassen graben, stellt sich die Frage auch bei DSC: Braucht der deutsche Meister von 1943 und 1944 einen anderen Coach? Wechsel auf der Trainerbank in der sechstklassigen Landesliga, der nächstfolgenden Landesklasse oder gar den Stadtoberligen aus rein sportlichen Gründen sind längst keine Ausnahme mehr.
Greift also auch der DSC nach diesem Strohhalm? „Ich bin jetzt seit 20 Jahren der Abteilungsleiter Fußball beim DSC und habe in dieser Zeit noch nie einen Trainer entlassen. Ich bleibe mir da treu, das ist mir zu komisch in diesen Spielklassen“, sagt Marcus Zillich. Wobei Entlassung dafür ohnehin ein viel zu gewichtiges Wort ist.
Punkte-Plan bis zur Winterpause
Kein Cheftrainer in der Fußball-Sachsenliga ist bei seinem Verein hauptamtlich als solcher angestellt, sondern verdient seinen Lebensunterhalt anderweitig und arbeiten etwa auf Minijob-Basis nebenbei als Fußballtrainer.
Zillich betont aber: „Ja, wir haben uns logischerweise in der Abteilungsleitung schon mal Gedanken gemacht. Aber wir werden uns mit Heino hinsetzen mit der Maßgabe: Wenn wir in der Winterpause so viele Punkte haben wie Spiele, dann können wir uns immer noch überlegen, wie wir weiter verfahren“, erklärt der 55-Jährige. Der 16. Spieltag am 12. Dezember ist der letzte dieses Jahres. Mithin hätte man zu diesem Zeitpunkt gern 16 Zähler auf dem Konto.
Denn der Abteilungsboss betont: „Ansonsten würde er vielleicht auch von selbst sagen: Mein Latein ist am Ende. Dann müssten wir reagieren. Aber wir in der Abteilung haben uns auch darauf verständigt: Dann ist es halt Landesklasse. Dass wir jetzt anfangen, in der Winterpause Geld in die Hand zu nehmen und irgendwelche dubiosen Spieler zu rekrutieren oder Sonstiges, da ist mein Verlangen gleich null. Wir reden trotzdem noch von Freizeitfußball“, unterstreicht Zillich.
DSC zieht die meisten Zuschauer in der Landesliga
Immerhin redet man bei den DSC-Fußballern mit- und nicht übereinander. Weil sich die Erkenntnisse zum jetzigen Zeitpunkt auch ähneln. Die Gründe für die derzeitige Talfahrt sind vielschichtig, komplex. Der Kader wurde nach fünf, sechs Abgängen nur unzureichend verstärkt. Unter anderem auch deshalb, weil die DSC-Abteilung im Unterschied zu vielen Sechstliga-Kontrahenten auf jedwede Prämien- oder Leistungszahlungen an Spielern verzichtet, sondern beim Werben um Spieler auf andere Attribute zählt.
„Wo kannst du in dieser Klasse in einem modernen Stadion mit Flutlicht spielen und Minimum immer 200 bis 500 Zuschauer anziehen? Da kann man sogar in der Oberliga gucken. Oder ob du dich im Stadion umziehen, ob du auf Kunstrasen trainieren kannst“. Zählt Zillich auf. In der Tat hat der Dresdner SC mit der Spielstätte Steyer-Stadion den höchsten Heimbesucherschnitt der Liga (316) – weit vor der BSG Stahl Riesa (259) und dem Rest des Feldes. Zum Sachsenpokalspiel gegen den Chemnitzer FC (0:7) kamen sogar 1908 Fans in die modernisierte Mehrzweck-Arena.
„Aber“, bringt es Zillich ernüchtert auf den Punkt, „solche Argumente interessieren auch niemanden mehr.“ Insofern muss der Verein auf junge und logischerweise unerfahrene Spieler setzen. Elf Kicker des 23-köpfigen Kaders der ersten Männermannschaft sind 22 Jahre und jünger. Zu allem Überfluss wechselte Torjäger und Kapitan Dzenan Hot nach dem 3. Spieltag zum Oberligisten Budissa Bautzen.

Bei der knappen 3:5-Niederlage bei Spitzenreiter SG Taucha saßen aufgrund enormer Verletzungsprobleme zwei 18-jährige A-Jugendspieler auf der Wechselbank – und Trainer André Heinisch, der nach wie vor auch einen Spielerpass besitzt.
Bei einem Abstieg in die Landesklasse würde der DSC wohl nur noch zu ausgewählten Partien – zu Stadtderby etwa – im Steyer-Stadion spielen. „Das rechnet sich dann einfach nicht mehr. Eine Klasse tiefer bringt uns das nichts, jedes Spiel im Stadion zu machen. Wir brauchen 250 Zuschauer, dass wir grobgerechnet Plus-Minus-Null rausgehen. Das schaffen wir. Nicht mehr und nicht weniger“, verdeutlicht er.
„Wir geben uns Mühe, geben Gas. Uns fehlt aber vorn auch ein bisschen Durchsetzungsvermögen, ein Ticken Qualität beispielsweise beim entscheidenden Pass“, sagt Heinisch, der im engen Austausch mit der Abteilungsspitze steht.
Der 42-Jährige schließt einen Rücktritt aus eigenem Antrieb derzeit völlig aus. „Wenn ich das Gefühl hätte, dass die Mannschaft nicht 100 Prozent geben würde oder man die Mannschaft nicht erreicht, dann würde ich auch von mir aus sagen: Okay, das wars! Aber es zeigt sich grundsätzlich, dass der Einsatz und das taktische Verständnis da sind, dass die Jungs alle geben, um aus der Situation rauszukommen.“
Der Ehrgeiz des Ex-Profis, der für kurzzeitig für Dynamo Dresden in der 3. Liga, für Plauen, sowie für die griechischen Drittligisten Ethnikos Filippiada und Agia Paraskevi FC kickte, ist ungebrochen.
„Ich habe 100 Prozent Bock drauf, auch wenn es schwer ist, immer wieder positive Worte zu finden. Man sieht, wie die Truppe will. Und Fakt ist, dass wir mit zwei Siegen auch wieder ran wären und in Kontakt nach oben bleiben. Das ist die Priorität in den nächsten Spielen“, sagt der gelernte Sport-und Fitnesskaufmann.