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Blessin und der Umgang mit Druck: «Habe Rasen gemäht»

Blessin und der Umgang mit Druck: «Habe Rasen gemäht»
Ist als Krisenmanager gefordert: St. Paulis Trainer Alexander Blessin. (Archivbild) / Foto: Frank Molter/dpa
Von: DieSachsen News
Alexander Blessin erlebt seine schwierigste Phase als Trainer des FC St. Pauli. Er will und muss im Abstiegskampf vorangehen. Ablenkung findet er im Garten.

Ganz ohne Rasen geht es bei Alexander Blessin auch in der trainingsfreien Zeit nicht. Um sich vom Druck und Stress des sportlichen Überlebenskampfes mit dem FC St. Pauli in der Fußball-Bundesliga abzulenken und um wieder Kraft zu schöpfen, arbeitet der Trainer unter anderem im Garten. «Ich habe schön Rasen gemäht. Das war gut. Und da kommt man auf Gedanken, die dann auch guttun», sagt der 52-Jährige. 

Es sei wichtig für ihn, die kurzen Phasen zu nutzen, «um wieder ein bisschen Klarheit in die Birne hereinzukriegen, mit dem Druck dann fertig zu werden. Und ja, das befreit dann teilweise», meint der mit seiner Familie in der Nähe von Stuttgart beheimatete Blessin. 

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FC St. Pauli rutscht auf direkten Abstiegsplatz

Seit er vor fast zwei Jahren bei den Hamburger begann, erlebt der Trainer den Dauerdruck des Abstiegskampfes. Doch so groß wie jetzt war dieser Druck noch nie seit der Bundesliga-Rückkehr des FC St. Pauli 2024. Zwei Spieltage vor dem Saisonende steht der Kiezclub auf einem direkten Abstiegsplatz. Die Erwartung, dass sich das am Samstag (15.30 Uhr/Sky) nach dem Spiel beim Champions-League-Kandidaten RB Leipzig ändert, ist eher gering. 

In der vergangenen Saison hatte sich der Club am vorletzten Spieltag durch ein 1:1 bei Eintracht Frankfurt praktisch gerettet nach einer überraschend stabilen Saison. Jetzt setzen Blessin und die Mannschaft darauf, dass es am letzten Spieltag im heimischen Millerntor-Stadion zu einem Finale gegen den VfL Wolfsburg um den Abstiegsrelegationsplatz kommt und damit um die letzte Chance auf den Klassenverbleib in der Saison-Verlängerung.

Blessin stimmt Kompany zu 

«Es ist noch mal eine Stufe mehr wahrscheinlich als letzte Saison», sagt Blessin über den aktuellen Druck. Er verweist auf die Aussage von Bayern Münchens Meister Trainer Vincent Kompany zu dessen Erfahrung mit dem Permanent-Abstiegskampf mit Burnley in der Premier League. «Dieser Druck ist nicht vergleichbar mit einem Champions-League-Halbfinale», hatte der Belgier gesagt. 

«Einen Abstiegskampf mitzuerleben, kostet extrem viel Kraft», meint Blessin. Letztes Jahr habe es ein sehr gutes Ende gegeben, «dieses Jahr wollen wir es genau in die richtige Richtung dann auch lenken». Natürlich tue die Situation auch weh, «da bin ich Mensch genug, um das dann auch zu erkennen». Letzten Endes bringe ihm das auch nichts, «ins Mitleid zu verfallen, sondern ich muss vorneweg gehen».

Unterstützung von Verantwortlichen und Spielern

Dass er noch vorneweg gehen darf, hat er auch Sportchef Andreas Bornemann und Präsident Oke Göttlich zu verdanken. Sie halten an ihm fest, sprachen ihm das Vertrauen im Herbst trotz der Serie neun Niederlagen und wachsender Zweifel. Und sie tun es auch jetzt nach acht sieglosen Partien. Vor allem nach den phasenweise erschreckend schwachen Vorstellungen beim 1. FC Heidenheim (0:2) und gegen den FSV Mainz 05 (1:2). 

Blessin selbst will nicht aufgeben. «Also ich werde jetzt den Bettel so nicht hinschmeißen. Also ich stehe dazu und ich bin davon überzeugt, dass wir das zusammen schaffen», hatte er vor einer Woche nach dem Spiel gegen Mainz 05 gesagt. 

Die Spieler stärkten ihm in jedem Fall den Rücken. «Auf keinen Fall!», antwortete Kapitän Jackson irvine auf die Frage nach einem Wechsel an der Seitenlinie. «Der einzige Weg, um rauszukommen, ist zusammen. Wir alle müssen eng zusammenstehen, uns gegenseitig unterstützen. Das ist der einzige Weg.» Auch Abwehrspielspieler Hauke Wahl machte klar: «Es ist zwei Spieltage vor Schluss. Da werden wir jetzt nicht anfangen, über den Trainer zu reden.»

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Klar ist aber auch, dass die Leistung vor allem in den vergangenen beiden Spielen die Hoffnung auf ein Happy End nicht gerade nähren. Die Abwehr - in der Saison zuvor noch das Prunkstück - steht längst nicht mehr so stabil. Der Angriff besteht in erster Linie aus Spielern, zu deren Kernkompetenzen Schnelligkeit gehört, aber nicht Torgefährlichkeit. 

In der Wintertransferperiode wurde nicht angemessen auf die Sturmmisere reagiert. Dazu kam das enorme Verletzungspech. Und Teile der Anhängerschaft stehen auch nicht mehr ohne Vorbehalte hinter der Mannschaft. 

Mit Lockerheit gegen den Abstieg

Doch zu diesem Zeitpunkt ist es müßig, über die Gründe für die enttäuschende Saison nachzudenken. Diese wird von den Verantwortlichen nach der Saison grundlegend analysiert. Auch die Frage, ob Blessin - unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit - noch ein drittes Jahr am Millerntor bleibt, wird erst dann geklärt. 

Jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist. Und das fordert Blessin voll und ganz. Er will das auf seine Art tun. «Wichtig ist einfach in dem Moment, dass man lacht, dass man eine gewisse Lockerheit hat.» Wenn alles zu schwer werde, dann werde keine Leistung dabei rauskommen. «Das ist sicherlich nicht förderlich.»

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