Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Sport

Dresdner Dreifach-Olympiasieger feiert Comeback im Gold-Vierer

Dresdner Dreifach-Olympiasieger feiert Comeback im Gold-Vierer
So macht auch die Fliegerei wieder mehr Spaß. Tom Liebscher-Lucz auf dem Weg zum ersten Saison-Weltcup mit dem deutschen Kajak-Vierer. Foto: privat
Von: Alexander Hiller
Tom Liebscher-Lucz verpasste im Vorjahr den Sprung ins deutsche Paradeboot, blieb deshalb erstmals seit 2012 ohne internationale Medaille. Doch der 32-Jährige ist nun wieder obenauf, absolviert die Weltcups in "seinem" Erfolgsboot. Das Geheimnis seiner nicht unbedingt erwartbaren Rückkehr liegt auch an seiner Familie.

Bei der Online-Pressekonferenz sitzt Tom Liebscher-Lucz vor dem Bildschirm und entschuldigt sich erstmal dafür, dass er ein Basecap trägt. "Das macht man eigentlich nicht, dass ist sehr unhöflich. Aber ich muss dann einfach mal zum Friseur in Szeged, das ist einfach günstiger als in Deutschland - halber Preis", sagt der Weltklasse-Kanute. 

Der fährt natürlich primär nicht zum Haareschneiden nach Ungarn, sondern verkündet bei der besagten Pressekonferenz sein Comeback im deutschen Kajak-Vierer. Das Großboot ist das Aushängeschild des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) und räumt seit 2016 jeweils Olympia-Gold ab. Tom Liebscher-Lucz war in Rio, Tokio und Paris jeweils mit an Bord, erkämpfte auch vier seiner sieben Weltmeistertitel im schnellsten aller Rennsport-Kanus. 

Im Vorjahr konnte sich der 32-Jährige in der nationalen Qualifikation jedoch nicht durchsetzen und musste stattdessen international im Einer paddeln. Als WM-Fünfter blieb er deshalb erstmals seit 2012 ohne internationale Medaille. 

Das dürfte sich nun wieder ändern. Der Vierer, im Vorjahr enttäuschend nur WM-Vierter, setzt sich jetzt wieder in der Olympia-Formation von Paris zusammen: mit Jacob Schopf, Max Rendschmidt, Max Lemke und Tom Liebscher-Lucz. Der Dresdner drängte sich bei der deutschen Qualifikation im April durch herausragende individuelle Ergebnisse auf. „Ich habe den ganzen Winter noch mehr investiert, habe ein bisschen was umgestellt“, sagt der zweifache Familienvater. 

Mehr aus dieser Kategorie

Mehr Regeneration ist ein Key-Fact

Der Lohn dafür ist die Rückkehr in den Gold-Vierer. „Nach 365 Tagen sportlich berechtigt, nicht in diesem Boot zu sitzen, hat es sich anders und viel intensiver angefühlt, wieder zurückzukehren“, erklärt der neunfache Dresdner Sportler des Jahres. 

„Man schätzt das anders, als wenn man da neun Jahre am Stück drin sitzt und es eigentlich jedes Jahr so weitergeht“, betont er weiter. Soll heißen, Liebscher-Lucz hat diese Degradierung aus dem Vorjahr aufgerüttelt, sich neu zu erfinden, neu zu motivieren, neu aufzustellen. 

"Wir absolvieren in der Vorbereitung 20 Einheiten in der Woche - an vier Tagen vier Einheiten, an zwei Tagen nur zwei", sagt Liebscher-Lucz. Der Sonntag war jeweils zum Ausspannen gedacht. "Manchmal habe ich die eine oder andere Einheit weglassen können, weil ich sagen konnte: Mir reicht das von der Qualität, das ist absolut ausreichend und ich muss nicht mehr auf das Maximum gehen. Das hat mir vielleicht die eine oder andere Stunde Regeneration mehr gebracht und nicht mehr so die Hast. Das war ein Key-Fact", erklärt der zweifache Familienvater, der im August 33 Jahre alt wird und mithin etwas genauer in seinen Körper hineinhorchen muss. 


Tom Liebscher-Lucz präsentierte sich in der deutschen Qualifikation für die internationale Saison so stark wie lange nicht. Foto: privat

Allerdings hat er vor dem Mehr an Regeneration auch noch mehr investiert als sonst, im Winter durchtrainiert. "Natürlich habe ich mich vor der Qualifikation ein bisschen mehr angespitzt, bin auch mehr Intensitäten gefahren, was mir sonst immer vor mir hergeschoben habe, weil es einfach wehtut und es keinen Spaß macht am Anfang der Saison, wo man sich reinquälen muss", sagt er. 

Liebscher-Lucz wird beim ersten Weltcup am kommenden Wochenende in Szeged allerdings auch im Einer über 500 starten. „Das wird sich nicht behindern, weil erst komplett die drei Vierer-Rennen stattfinden, danach die Einer.“ 

Der Rückkehrer glaubt, auch neue Qualitäten ins Boot einbringen zu können. „Man wirkt da auch ein bisschen als Ruhepol und kann Lebenserfahrung abseits des Bootes beisteuern“, sagt Liebscher-Lucz. Der angesichts der erfolgsverwöhnten Besatzung natürlich auch hohe Ziele formuliert. „Wir gehen mit breiter Brust hin und freuen uns auf die Rennen. Ich habe da ein echt gutes Gefühl. Ein Selbstläufer wird das nicht“, warnt er. 

"Da habe ich richtig Bock drauf"

Landet der Vierer in Ungarn unter den Top drei, wäre das gleichbedeutend mit der WM‑Qualifikation. „Aber trotzdem bin ich da mutig genug, zu sagen: Wenn ich da drin sitze, soll es auf jeden Fall eine Medaille zur WM werden. Da habe ich richtig Bock drauf.“

Denn auch für das Danach - also nach dem Saisonhöhepunkt, der Weltmeisterschaft in Poznan, setzt der Routinier andere Prioritäten. Ganz private. "Ja, man ist in so einer Saison viel unterwegs, verdammt viel. Deshalb haben wir als Familie beschlossen: Es gibt keine deutsche Meisterschaft mehr nach der WM, die ist der Schlussstrich - und dann wird der Urlaub gebucht, egal wer kommt und wer fragt. Das ist schon gesetzt." Liebscher-Lucz will gezielt mehr Zeit mit seinen Töchtern Zoey (3) und Kira (1) sowie Ehefrau Dora verbringt. Denn auch das bringt Effekte, Glücksmomente. Augenblicke, die für immer bleiben.

"Wenn ich jetzt drei Wochen am Stück Zuhause bin, nehme ich mir die erste Woche einfach entspannter als sonst, eine gezielte Familienwoche. Weil mir das genauso viel bringt wie die 13. bis 16. Einheit", sagt der Dreifach-Olympiasieger, der sich nun natürlich wieder auf dem besten Weg zu seinen vierten Olympischen Spielen wähnt.  

Alexander Hiller
Artikel von

Alexander Hiller

Alexander Hiller ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media

METIS