Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Menschen in Deutschland zu Gesprächsbereitschaft miteinander aufgerufen und vor Abschottung und Verharren in den eigenen Positionen gewarnt. In einer Gesellschaft, die so vielfältig wie die deutsche sei, werde es immer unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Resonanzräume geben, je nachdem, wo man lebe und aufgewachsen sei, sagte Steinmeier am Donnerstag in einer Rede auf der Leipziger Buchmesse nach dem vorab veröffentlichten Redemanuskript. «Nur eines darf nicht passieren: Dass diese unterschiedlichen Erfahrungswelten zu isolierten Rückzugsorten werden, um die herum Mauern hochgezogen werden.»
Unsere Gesellschaft brauche «Neugier statt Selbstbespiegelung, Offenheit statt Rückzug, Vertrauen statt Misstrauen, Vorschläge statt Vorwürfe», sagte Steinmeier. «Denn politische Kraft haben wir nur als Gemeinschaft und nicht, wenn wir uns in erster Linie als Opfer von Unterschieden sehen.» Nötig seien Tatkraft für die bevorstehenden großen Herausforderungen, Vertrauen in uns selbst und eine gemeinsame Erzählung unserer Demokratie. «Wir sind ein starkes Land, das auch in der Vergangenheit Krisen gemeistert hat - mit Tatkraft und Ideen. Vertrauen wir darauf, dass uns das auch in Zukunft gelingen wird.»