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Tschechien exhumiert Jan Masaryk – Mordverdacht nach 77 Jahren

Tschechien exhumiert Jan Masaryk – Mordverdacht nach 77 Jahren
Auf dem Friedhof in Lány wurde die Familiengrabstätte der Masaryks für die Exhumierung von Jan Masaryks Überresten geöffnet – die Ermittler hoffen auf neue Erkenntnisse zu den Todesumständen von 1948. Foto: Ministerstvo zahraničních věci
Von: News aus Tschechien
Polizeiexperten haben auf dem Friedhof in Lány bei Kladno die Überreste des ehemaligen Außenministers Jan Masaryk exhumiert. Die Untersuchung soll zur Klärung der Todesumstände vom März 1948 beitragen.

Polizeiexperten haben auf dem Friedhof im mittelböhmischen Lány die Überreste des ehemaligen tschechoslowakischen Außenministers Jan Masaryk exhumiert. Das teilte Polizeipressesprecher Jakub Vinčálek der Nachrichtenagentur ČTK mit. Dutzende Spezialisten nahmen an der Aktion teil, der Friedhof wurde für zwei Tage für die Öffentlichkeit gesperrt und von Beamten bewacht. „Ziel ist es unter anderem, verschiedene Spekulationen auszuräumen, die mit diesem Fall verbunden sind. Wir glauben, dass uns die heutigen Maßnahmen der Klärung der Todesumstände von Jan Masaryk näherbringen", sagte Vinčálek.

Jan Masaryk, Sohn des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk, starb im März 1948 – knapp einen Monat nach dem kommunistischen Staatsstreich vom Februar. Nach der offiziellen damaligen Darstellung nahm er sich durch einen Sprung aus dem Fenster seiner Dienstwohnung im Prager Černín-Palast das Leben. Das Amt für Dokumentation und Untersuchung kommunistischer Verbrechen (ÚDV) prüft jedoch den Verdacht eines Mordes.

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Die unter Denkmalschutz stehende Familiengrabstätte der Masaryks, flankiert von zwei Linden, befindet sich im hinteren Teil des Friedhofs. Neben Jan Masaryka ruhen dort sein Vater, seine Mutter Charlotte und seine Schwester Alice. Jan Trnečka, Leiter des Ermittlungsteams beim ÚDV, wollte zunächst keine Details zu Methode und Ablauf der Exhumierung kommentieren. Endgültige Ergebnisse der Untersuchung werden laut Polizei voraussichtlich erst in einigen Monaten vorliegen.

Den Fall beaufsichtigt die Stadtstaatsanwaltschaft Prag. Deren Sprecher Aleš Cimbala erklärte, die Maßnahmen sollten zur Klärung des Sachverhalts sowie zur Bestätigung oder Widerlegung neuer Erkenntnisse und Theorien beitragen. In den vergangenen Jahren erhielt das ÚDV unter anderem Übersetzungen von Dokumenten aus den Diplomatischen Archiven Frankreichs, der USA und Großbritanniens. Der Fall war mehrfach wiedereröffnet worden – auf Grundlage von Forschererkenntnissen, neuen Schriftbeweisen und gutachterlichen Untersuchungen.

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