Prag verzeichnet aktuell 756 registrierte Pkw pro 1.000 Einwohner – rund 300 mehr als noch vor 30 Jahren. Das geht aus aktuellen Verkehrsdaten hervor. Obwohl die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge nach einem Höchststand im Jahr 2021 kurzzeitig zurückging, steigt sie seitdem wieder an. Rund eine Million Parkplätze auf öffentlichen Straßen stehen einer Stadt mit 1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern gegenüber – viele Viertel gleichen laut Experten inzwischen offenen Parkhäusern.
Erschwerend kommt hinzu, dass Prag täglich weit mehr Menschen versorgen muss als offiziell gemeldet sind. Laut anonymisierten Mobilitätsdaten des Unternehmens O2 Dataclair reisen an einem typischen Werktag rund 460.000 zusätzliche Menschen in die Stadt ein. Die tatsächliche Tagesbevölkerung wächst damit an Werktagen um rund ein Drittel – was den Druck auf das Straßennetz erheblich verstärkt.
Mitverantwortlich für das Problem sind jahrzehntelange Planungsentscheidungen. Die Stadt schreibt für Neubauten nach wie vor Mindestparkplatzzahlen vor – in der Regel mindestens ein Stellplatz je 85 Quadratmeter Bruttogrundfläche, mit Abweichungen je nach Stadtlage. Die Revoluční-Straße gilt als anschauliches Beispiel: Seit der Eröffnung des Parkhauses im Palladium-Einkaufszentrum mit rund 900 Stellplätzen im Jahr 2007 fährt rund ein Drittel der Fahrzeuge auf dieser Straße direkt in das Parkhaus. „Wenn diese Parkplätze nicht existieren würden, würden viele Fahrer gar nicht erst kommen. Dieses Muster haben wir wiederholt in Städten im Ausland beobachtet", sagte Václav Novotný, Leiter des Verkehrsinfrastrukturbüros.