Wunschwitz: Nossener Stadtrat stoppt Dorfgemeinschaftshaus erneut
Nossen. Der Jugendclub Wunschwitz bekommt vorerst kein Dorfgemeinschaftshaus. Der Nossener Stadtrat hat die Sanierung und den Umbau der ehemaligen Kegelbahn am Club erneut abgelehnt, obwohl ein Förderbescheid über 200.000 Euro vorliegt. Das geht aus der Niederschrift der Stadtratssitzung vom 10. September hervor, die die Stadt jetzt in ihrem Amtsblatt für November veröffentlicht hat. Sechs Räte stimmten dafür, zwölf dagegen.
Es war bereits der zweite Anlauf. Schon am 20. August hatte der Rat das Vorhaben mehrheitlich abgelehnt. Bürgermeister Christian Bartusch widersprach diesem Beschluss acht Tage später, weil er nachteilig für die Stadt sei. Nach der Sächsischen Gemeindeordnung musste der Rat deshalb noch einmal abstimmen.
Mehr als drei Viertel aus Fördergeld
Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 256.000 Euro, davon 206.000 Euro für den Bau und 50.000 Euro für die Planung. Über das Leader-Programm des Klosterbezirks Altzella sind 80 Prozent, höchstens 200.000 Euro, bewilligt. Den Förderbescheid des Landrats bekam die Stadt nach Angaben des Bürgermeisters kurz nach der Ablehnung im August. Den Eigenanteil der Stadt bezifferte Bartusch auf 56.000 Euro. Selbst ein Abriss würde mehr kosten, sagte er.
Geplant war, Dach und Entwässerung zu sanieren, einen barrierefreien Zugang zu schaffen und den vorhandenen Gemeinschaftsraum zu modernisieren. Im mittleren Teil sollte weiter Material für das Open Air Wunschwitz lagern, hinten eine Werkstatt für Kurse mit Kindern und Erwachsenen entstehen.
Wunschwitzer werben in der Sitzung
Zur Sitzung im Kloster Altzella waren viele Einwohner gekommen. In der Bürgerfragezeit warben mehrere Einwohnerinnen für das Projekt. Der Raum werde für Familienfeiern, Vereinstreffen und die Zusammenarbeit mit der Jugendfeuerwehr gebraucht, sagte ein Mitglied des Jugendclubs. Der Club wolle bei Malerarbeiten, Umbauten und der Pflege der Außenanlagen selbst mit anpacken und Spenden für den Eigenanteil sammeln. Auch die Dorfgemeinschaft wolle Geld aus ihrer Dorfkasse beisteuern.
Die Gegner im Rat überzeugte das nicht. Stadträtin Haas hielt die 256.000 Euro laut Protokoll nur für den Anfang, danach würden weitere Gelder gebraucht. Stadtrat Weinhold vermisste ein langfristiges Konzept für mindestens zehn Jahre. Stadtrat Horsch nannte das Gebäude ein „Fass ohne Boden“, ein Abriss sei für ihn noch immer die günstigste Lösung. Stadtrat Thiel warf der Verwaltung vor, mit den Bürgern und der Förderstelle Druck auf den Rat aufgebaut zu haben.
Für das Projekt sprachen sich unter anderem die Stadträte Röthling, Nowack und Schindler aus. Röthling nannte alles andere als den Umbau mit der Förderung laut Protokoll Steuerverschwendung. Bartusch verwies darauf, dass der Rat schon 2022 beschlossen habe, die Kegelbahn zu erhalten. Der Jugendclub bewirtschafte das Gelände, ohne dass die Stadt den Bauhof schicken müsse.
Info: Die Niederschrift steht im Amtsblatt der Stadt Nossen vom 2. November 2026 unter www.nossen.de. Die nächste Sitzung des Stadtrats ist am Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr im Ratssaal.