Willkommen in Schilda-Vorbrücke
Eine Glosse von Ulf Mallek
Die Schildbürger, so erzählt es das alte Volksbuch, trugen das Sonnenlicht in Säcken in ihr fensterloses Rathaus. Hätten sie Halteverbotsschilder gehabt, sie hätten die vermutlich auch aufgestellt. Viele. Sehr viele.
In Meißen hat Hans-Ulrich Schumann nachgezählt. In der Facebook-Gruppe „Meißen in Bildern – Gestern und Heute“ schreibt er: „Auf 300 Metern Ratsweinberg hat es das zuständige Amt geschafft ca. 20 absolute Halteverbotsschilder aufstellen zu lassen.“ Doch weit und breit kein Bagger, keine Baustelle. Sein Vorschlag: Niederfähre mit Vorbrücke in Schilda umbenennen.
Rechnen wir nach: alle 15 Meter ein rot umrandetes blaues Rund. Der Schilderwald am Ratsweinberg dürfte der einzige Wald Meißens sein, der ohne Aufforstungsprogramm wächst. Auf Schumanns Foto steht, das Verbot gilt „ab 10.09.2026 ab 7:00 h“. Ein Ende gibt es nicht. Wer hier nicht parken darf, darf es auf unbestimmte Zeit nicht.
Ein Anwohner glaubt unter dem Post zu wissen, worum es geht: um den sicheren Schulweg zum Franziskaneum und zur Freien Werkschule, um „Be- und Entladestationen“ für Elterntaxis. Gefragt habe die Anwohner niemand, und „es sieht so aus, als ob der ganze Ratsweinberg zur verkehrsberuhigten Zone/Spielstraße wird“. Die Aktenlage gibt ihm sogar etwas recht. Rund um die Schulen wird seit Monaten gebaut, die Zscheilaer Straße samt Abzweig Vorbrücker Straße wird zur verkehrsberuhigten Mischverkehrsfläche. Am Fuß des Berges entstehen zwei Hol- und Bringezonen, eine ist seit September fertig. Tempo 30 und eine morgendliche Schulstraße fanden in einer Bürgerwerkstatt große Zustimmung.
Gefragt wurde also durchaus: in zwei Werkstätten, einer Online-Umfrage und bei einer Vorstellung Ende September. Eine Spielstraße Ratsweinberg aber steht nirgends, ein Stadtratsbeschluss zur neuen Verkehrsführung gibt es auch noch nicht. Ob die Schilder überhaupt dazu gehören, ist offen. Die Spötter in der Nachbarschaft sind derweil schon weiter, Sie schlagen beheizte Wartehäuschen für Elterntaxis, ein Shuttlebus, ein Fußgängertunnel mit Aufzug vor. Das ist natürlich Anwohnerironie.
Die Schildbürger hatten sich der Legende nach absichtlich dumm gestellt, um in Ruhe gelassen zu werden. Vielleicht steckt am Ratsweinberg dieselbe List dahinter: Wo 20 Schilder stehen, parkt garantiert niemand. Ziel erreicht. Und kommt doch noch ein Bagger, findet er wenigstens einen freien Platz.