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Weltorganisation für Tourismus zeichnet Schloss Wackerbarth aus

Mann im Sakko hält eine Visualisierung eines Rebenfelds, dahinter Weinberge und das Belvedere von Schloss Wackerbarth
Vertriebs- und Marketingleiter Michael Thomas präsentiert das Führungskonzept ab Mai 2027, im Hintergrund das Belvedere von Schloss Wackerbarth. Foto: Norbert Millauer
Das Radebeuler Staatsweingut hat einen europäischen Innovationspreis der UN Tourism gewonnen – gegen mehr als 200 Bewerbungen aus 30 Ländern.

Radebeul. Schloss Wackerbarth hat bei der erstmals ausgetragenen „European Wine Tourism Innovation Challenge“ der Weltorganisation für Tourismus (UN Tourism) gewonnen. Das Sächsische Staatsweingut siegte in der Kategorie „Barrierefreiheit: Weintourismus-Erlebnisse für alle“. Das teilte Schloss Wackerbarth am Dienstag mit.

Aus mehr als 200 Bewerbungen aus 30 Ländern wählte eine elfköpfige internationale Jury mit Vertretern von UN Tourism, Ministerien, Hochschulen und Tourismusverbänden in drei Kategorien je einen Sieger aus. Neben Radebeul wurden laut UN Tourism das französische Projekt La Bulle Verte und der Weinzug im slowenischen Vipava-Tal ausgezeichnet. Die Sieger stellten ihre Projekte Anfang Oktober beim Fachtreffen Destination Vignobles im französischen Cognac vor.

Die Trophäe der „European Wine Tourism Innovation Challenge“ für Schloss Wackerbarth. Foto: Norbert Millauer

Live-Übersetzung per Smartphone

Überzeugt hat die Jury das Konzept für die neuen täglichen Wein- und Sektführungen. Kern ist eine KI-gestützte Live-Übersetzung: Internationale Gäste sollen die Erläuterungen des Gästeführers künftig direkt in ihrer eigenen Sprache verfolgen können. Dafür scannen sie einen QR-Code mit dem Smartphone, wählen die Sprache und hören über eigene Kopfhörer mit oder lesen Live-Untertitel. Eine App ist nicht nötig. Gäste mit eingeschränktem Hörvermögen sollen den Ton direkt auf ihr Hörgerät übertragen können. Anders als beim Audioguide bleibt die Gruppe zusammen. Die Daten sollen nach Angaben des Weinguts auf Servern in der Europäischen Union verarbeitet und nicht dauerhaft gespeichert werden.

„Schloss Wackerbarth ist als Erlebnisweingut ein Weingut zum Anfassen. Unsere täglichen Führungen sind das Herzstück dieser Idee“, sagt Geschäftsführer Andreas Stuhl. „Bei der Weiterentwicklung unserer Führungen setzen wir auf innovative Ideen, um künftig noch mehr Menschen zu erreichen – unabhängig davon, welche Sprache sie sprechen.“ Die Auszeichnung rücke „Sachsen als Wein- und Reiseregion noch stärker in den internationalen Fokus“.

1,5 Millionen Euro für das Jubiläumsjahr

Die neuen Führungen starten im Mai 2027, pünktlich zum Jubiläumsjahr „300 Jahre Schloss Wackerbarth“. Graf Christoph August von Wackerbarth hatte sich das Schloss 1727 bis 1729 vom Landbaumeister Johann Christoph Knöffel als Altersruhesitz in den Weinbergen errichten lassen, wie die Denkmalliste des Freistaats festhält. Rund 1,5 Millionen Euro aus eigenen Mitteln investiert das Weingut in die Modernisierung. Die Stationen innen und außen hat es gemeinsam mit den Dresdner Agenturen queo und neongrau neu konzipiert. Auch das Schaurebenfeld bekommt ein neues Konzept: Statt zahlreicher internationaler Rebsorten sollen dort künftig die für Wackerbarth und Sachsen prägenden Sorten stehen.

Seit 2002 ist Schloss Wackerbarth als Erlebnisweingut geöffnet. Jedes Jahr kommen mehr als 240.000 Gäste nach Radebeul. Laut dem „Global Wine Tourism Report 2025“ der Hochschule Geisenheim gehört Wackerbarth damit zu den meistbesuchten Weingütern der Welt.