Stromtrasse durch den Friedewald: Weinböhla wehrt sich gegen Korridor
Weinböhla. Die Gemeinde Weinböhla stellt sich gegen eine mögliche Trasse der geplanten 380-kV-Höchstspannungsleitung durch den Friedewald. „Die Gemeinde Weinböhla erhebt erhebliche umwelt-, natur- und landschaftsschutzfachliche Bedenken gegen die weitere Verfolgung der Trassenalternative E durch das Gemeindegebiet“, heißt es in ihrer Stellungnahme an die Landesdirektion Sachsen. Ein drohender Verlust des Titels „Staatlich anerkannter Erholungsort“ stelle „einen irreparablen, existenzgefährdenden Eingriff in die kommunale und wirtschaftliche Struktur der Gemeinde dar“.
Die Leitung plant der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Die sogenannte Elbe-Oberlausitz-Leitung soll vom Umspannwerk Streumen bei Wülknitz über den Raum Großenhain zum geplanten Umspannwerk Altwilschdorf im Dresdner Norden und weiter nach Schmölln führen. 50Hertz begründet sie mit dem wachsenden Strombedarf in Dresden, unter anderem durch Infineon und ESMC. Im Netzentwicklungsplan ist sie als Vorhaben P625 verzeichnet. Zuständig ist die Landesdirektion.
Diese hatte im Mai für den Abschnitt Großenhain–Altwilschdorf eine Kombination der Korridore A und D bevorzugt: um Großenhain herum Richtung Radeburg, dann entlang der A13. Korridor E verläuft dagegen westlich von Moritzburg entlang der S81 durch den Friedewald. Er geht auf einen Hinweis des Nabu aus der Bürgerbeteiligung zurück und war nicht Teil der geprüften Unterlagen. E umgehe das Vogelschutzgebiet Moritzburger Kleinkuppenlandschaft, quere aber „deutlich mehr Waldgebiete“, so 50Hertz-Sprecherin Lisa Wollny. Über den Korridor soll vermutlich im Frühjahr 2027 entschieden werden, das Planfeststellungsverfahren 2028 beginnen.
Weinböhla verweist auf zusammenhängende Waldflächen, das FFH-Gebiet „Teiche und Gründe im Friedewald“, Wohnhäuser am Auerweg und im Ortsteil Neuer Anbau, Wanderwege und ein geplantes Feriendorf. Die Gemeinde verlangt, alle Varianten gleich gründlich zu prüfen, und hält die Bündelung an der A13 für konfliktärmer.
Laut Pressemeldungen trafen sich am Dienstag die Bürgermeister Siegfried Zenker (Weinböhla), Katrin Sontag (Moritzburg), Thomas Schubert (Coswig) und Thomas Claus (Niederau) und unterschrieben Stellungnahmen an die Landesdirektion. Eine Online-Petition gegen Korridor E hatte am Donnerstagnachmittag knapp 1.900 Unterschriften. Nach Rechnung der Petenten müssten rund 88 Hektar Wald dauerhaft frei bleiben. Am Bau selbst hält 50Hertz fest.