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Nach der Gewalt beim Dorffest: Beicha unter Schock

Nach der Gewalt beim Dorffest: Beicha unter Schock
Der Schauplatz des Geschehens in Bleicha. Foto: privat
Neun Verletzte, sechs davon im Krankenhaus: Die Oktoberparty im Döbelner Ortsteil Beicha endete in einem Gewaltausbruch. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Von Festnahmen ist bislang nichts bekannt.

Ein Bericht von Ulf Mallek

Gefeiert wird in Beicha gemeinsam. Immer dreimal im Jahr. Am Sonnabend, 26. September, hatten die Freiwillige Feuerwehr und der Freizeit- und Sportverein zur traditionellen Oktoberparty eingeladen. Die Vorbereitungen liefen völlig normal ab. Die Einwohner freuten sich auf ein schönes Fest. Das Bierzelt stand neben dem Spielplatz. Nach allen Seiten offen. So wie immer. Einige kamen sogar im Dirndl und besonders schön angezogen. In dem Ort leben 128 Menschen. Beicha gehört zur Ortschaft Mochau der Stadt Döbeln im Landkreis Mittelsachsen und liegt an der Grenze zum Landkreis Meißen, nicht weit von Lommatzsch. Doch das schöne Fest endete in einem Ausbruch an Gewalt. Ein ganzes Dorf steht unter Schock.

Was die Polizei bestätigt

Die Polizeidirektion Chemnitz meldete am Sonntagmorgen eine „körperliche Auseinandersetzung mit mehreren Beteiligten“ bei einer Festveranstaltung in Beicha. Bekannt wurde der Polizei der Vorfall gegen 1 Uhr. Die Beamten fanden vor Ort neun Verletzte, einige davon schwer: eine Frau und acht Männer im Alter von 17 bis 48 Jahren. Rettungskräfte brachten sechs von ihnen in umliegende Krankenhäuser.

Nach Angaben der Polizei fuhren weitere Beteiligte mit einem Auto davon. Bei der Fahndung rund um den Tatort fanden Einsatzkräfte den beschriebenen Wagen später in Döbeln und kontrollierten die Insassen. Ob diese Personen etwas mit der Tat zu tun haben, werde im Zuge der Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung geprüft. Ermittelt werde zum Geschehen, zu den Hintergründen und dazu, wer welchen Anteil an der Tat hatte. Von Festnahmen, Untersuchungshaft oder einem Zeugenaufruf ist in den bisher veröffentlichten Polizeimeldungen keine Rede.

Was Augenzeugen schildern

Nach den Schilderungen von Dorfbewohnern gab es schon im Laufe des Abends eine kleine Rangelei mit einem Feuerwehrmitglied. Die auswärtigen Festbesucher - vermutlich nichtdeutscher Herkunft - seien da zunächst nur zu fünft gewesen. Später sei die Lage erneut eskaliert, nach Angaben der Zeitung OAZ gegen 0.30 Uhr. Einige aus der Gruppe hätten auf einem Privatgrundstück ihre Notdurft verrichtet, obwohl die Toilettenwagen nur wenige Meter entfernt standen. Als man sie darauf hinwies, hätten sie zugeschlagen. Festbesucher sprachen dann plötzlich von bis zu 20 Männern, die mit vier Autos als Verstärkung für die fünf gekommen sein sollen. Unter den Angegriffenen seien auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr gewesen.

Weitere Augenzeugen schildern den Ablauf ähnlich. Ein Streit habe begonnen, weil sich ein Gast angestarrt fühlte. Dann hätten Männer einer Gruppe auf ein Privatgrundstück uriniert. Ein Anwohner habe sie auf den Toilettenwagen gegenüber hingewiesen und sei daraufhin angegriffen worden. Etwa sechs Männer hätten auf einen Mann eingetreten, der am Boden lag. Eine Frau, die dazwischenging, sei ins Gesicht geschlagen worden. Die Angreifer hätten Bierkrüge (vermutlich aber eher Bierflaschen) auf dem Boden zerschlagen und mit den Resten weitergeprügelt. „Es war wie im Film“, heißt es in einen der Schilderungen. Überall sei Blut gewesen. Am nächsten Tag habe man noch Blut von der Kinderwippe gewischt, heißt es weiter.

Der Vorsitzende des veranstaltenden Freizeitvereins, Michael Schwenzer, spricht laut OAZ von einer „unglaublichen Brutalität“. Flaschenhälse seien abgeschlagen und die Opfer mit den Scherben bedroht worden. Bierkrüge sollen über Köpfe geschlagen worden sein. Die Betroffenen hätten sehr viel Blut verloren.

Die Verletzten

Die Polizei hat bisher nicht mitgeteilt, wie schwer die einzelnen Menschen verletzt wurden. Laut OAZ wurden Verletzte in der Neurologie in Meißen, im Krankenhaus Riesa und im Universitätsklinikum Dresden behandelt. Ein Großteil sei inzwischen wieder zu Hause. Dorfbewohner berichten von Kopfverletzungen, Schnittverletzungen, ausgeschlagene Zähne und eine Platzwunde. Einige Verletzte hätten die Nacht auch im Krankenhaus Döbeln verbracht. Den Verletzten gehe es den Umständen entsprechend, heißt es dort. Ob auch Messer im Spiel waren, wie einige Dorfbewohner sagen, ist unklar.

Ein Dorf unter Schock

„Das in unserem kleinen Beicha“, heißt es in einem der Beiträge. Am Sonntag sei das Zelt abgebaut worden, Scherben und blutige Kompressen seien weggeräumt. Die Stimmung im Ort ist dennoch gedrückt. Ein Anwohner sagt der Zeitung sinngemäß, man gehe sich jetzt erst einmal aus dem Weg und versuche zu verstehen, was passiert ist. Angeblich soll ein Teil der Angreifer am Sonntag noch einmal in Beicha gewesen sein und gedroht haben: „Wenn ihr redet, brennen wir Eure Häuser ab.“ Die Polizei hat diese Drohung bislang nicht bestätigt. 

Was ist mit der Polizei?

Für viele im Ort ist das die drängendste Frage. Bäckermeister Gunther Merzdorf ist seit vielen Jahren aktiver Feuerwehrmann in Beicha. Er stellt in der OAZ zudem eine weitere Frage zum Einsatz in jener Nacht: „Warum hat die Polizei nach ihrer Alarmierung keinen Massenanfall von Verletzten ausgerufen? Dann wäre wenigstens ein Kriseninterventionsteam vor Ort gewesen.“ 

In einem Beitrag in sozialen Netzwerken heißt es, im Dorf frage sich jeder, warum nach so einer Gewalttat niemand in Haft sitze, nicht einmal in Untersuchungshaft. „Was will man den Leuten im Dorf sagen, ich weiß es nicht.“ Es herrscht Ratlosigkeit. Kann uns der Staat überhaupt noch schützen? Manche in Beicha bezweifeln das inzwischen.