Meißen: Abwasserbetrieb plant 2027 mit Fehlbetrag
Meißen. Der Eigenbetrieb Abwasserentsorgung legt dem Stadtrat den Wirtschaftsplan 2027 vor. Darin steht ein Jahresfehlbetrag von rund 290.000 Euro. Die Verwaltung sieht darin den Beleg, dass nach der Gebührenerhöhung von 2025 eine weitere Anpassung nötig wird.
Für 2027 sind Umsatzerlöse von gut 5,98 Millionen Euro veranschlagt, nach 5,81 Millionen im laufenden Jahr und 5,37 Millionen im Ergebnis 2025. Nach Fehlbeträgen in den Jahren 2023 und 2024 hatte die dritte Änderung der Abwasserbeseitigungssatzung die Gebühren zum 1. Januar 2025 angehoben. Seither gilt für die zentrale Entsorgung 3,72 Euro je Kubikmeter Abwasser. 2025 schloss der Eigenbetrieb mit einem Überschuss von rund 224.000 Euro ab. Für 2026 ist noch ein Plus von etwa 125.000 Euro geplant. Zum Ende der laufenden Kalkulationsperiode 2027 kippt die Rechnung wieder ins Minus.
Im Vorbericht heißt es wörtlich, der ausgewiesene Fehlbetrag „offenbart die Notwendigkeit einer weiteren Gebührenanpassung für die nachfolgende Kalkulationsperiode“. Eine neue Gebührenkalkulation ist für 2027 vorgesehen. Der Materialaufwand steigt auf rund 4,29 Millionen Euro. Davon entfallen knapp 2,6 Millionen Euro auf Entsorgungsentgelte an die Abwasserentsorgungsgesellschaft Meißner Land und 710.000 Euro auf die Aufwandsumlage an den Abwasserzweckverband Gemeinschaftskläranlage Meißen.
Millionen für Regenüberlaufbecken und Kanäle
Der Investitionsplan ist ambitioniert. Allein für Auszahlungen in das Sachanlagevermögen sind 2027 rund 7,51 Millionen Euro vorgesehen. Zusammen mit weiteren Posten summiert sich der Mittelabfluss aus der Investitionstätigkeit auf etwa 7,63 Millionen Euro. Schwerpunkt bleibt die Mischwasserkanalisation. Dabei geht es um die Anpassung der Mischwassereinleitungen an den Stand der Technik, also darum, dass bei Starkregen weniger verschmutztes Mischwasser in die Elbe gelangt.
Im Bau ist seit April 2026 das Großprojekt am rechten Elbufer zwischen Plangasse und Winterhafen mit Regenüberlaufbecken, Druckleitung und neuem Pumpwerk. Die Fertigstellung ist bis Ende 2027 vorgesehen. Für 2027 ist zudem das Regenüberlaufbecken mit Retentionsbodenfilter an der Mannfeldstraße veranschlagt. 2028 soll das Regenüberlaufbecken an der Wettinstraße folgen. Für diese drei Neubauten sind im Zeitraum 2026 bis 2028 mehr als 10 Millionen Euro eingeplant.
Dazu kommen Kanalsanierungen und Gemeinschaftsmaßnahmen mit Stadtbauamt und Meißener Stadtwerken, unter anderem an der Zscheilaer Straße und der Gustav-Graf-Straße. In den Sommerferien soll der Kanal im Schulhof der Pestalozzischule zwischen Melzerstraße und Bundesstraße 101 ausgewechselt werden. In der Leinewebergasse ist eine Sanierung im Inlinerverfahren geplant. Ab 2027 laufen weitere Erschließungsarbeiten in Korbitz. Für 2028 bereitet der Eigenbetrieb die Sanierung des Hauptsammlers zwischen Kleinmarkt und Leipziger Straße vor.
Kreditermächtigung von 5,7 Millionen Euro
Um die Liquidität zu sichern, plant der Eigenbetrieb neue Kreditaufnahmen von 3,8 Millionen Euro. Zusammen mit einer Übertragung von 1,9 Millionen Euro aus 2026 ergibt sich eine Gesamtkreditermächtigung von 5,7 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten steigen dem Plan zufolge von rund 3,31 Millionen Euro Ende 2025 auf etwa 11,34 Millionen Euro Ende 2027. Danach sollen sie bis Ende 2030 wieder auf rund 11,10 Millionen Euro sinken.
Fördermittel nach der Richtlinie Siedlungswasserwirtschaft 2016 wurden bei der Sächsischen Aufbaubank beantragt. Für das Elbufer-Projekt liegen den Angaben nach für alle drei Anträge Bewilligungsbescheide vor. Zuschüsse werden erst nach Fertigstellung und Verwendungsnachweis ausgezahlt. Bis dahin muss der Eigenbetrieb vorfinanzieren. Die Stadt Meißen zahlt 2027 zudem einen Straßenentwässerungskostenanteil von gut 1,26 Millionen Euro an den Betrieb, davon 470.750 Euro für Betriebskosten und 787.000 Euro für Investitionen.
Personal soll der Betrieb ebenfalls verstärken. Ab Jahresmitte 2027 ist eine zusätzliche Stelle mit 0,75 Vollzeitäquivalenten vorgesehen. Der Personalaufwand steigt damit auf rund 410.000 Euro. Begründung im Vorbericht: wachsende Anforderungen und die anstehende Verdopplung des Investitionsvolumens.
Info: Der Stadtrat berät den Wirtschaftsplan 2027 des Eigenbetriebs Abwasserentsorgung am Mittwoch, 4. November 2026, um 17 Uhr öffentlich im Großen Ratssitzungssaal, Markt 1.