Geboren im KZ Mauthausen: Zeitzeugin kommt zum Gedenken nach Freiberg
Freiberg. Die britische Zeitzeugin Eva Clarke und die Schriftstellerin Wendy Holden kommen am 9. November nach Freiberg. Eva Clarke ist im KZ Mauthausen zur Welt gekommen. Ihre Mutter musste schwanger als jüdische Gefangene in Freiberg Zwangsarbeit leisten. Die Stadt lädt im Rahmen ihrer Tacheles-Veranstaltungen zu einem Gedenkgang und einer Lesung ein.
Gedenken an der Gedenkwand im BSZ
Um 9.30 Uhr halten Clarke und Holden gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung an der Gedenkwand im Beruflichen Schulzentrum für Technik und Wirtschaft „Julius Weisbach“ inne. Schüler des BSZ haben sich mit dem Thema beschäftigt und stellen in einem kleinen Beitrag ihre Gedanken vor. Auch Bürgermeister Martin Seltmann wird dabei sein.
Anschließend geht es gemeinsam vom ehemaligen Barackenlager, einer Außenstelle des KZ Flossenbürg, zum heutigen Landratsamt an der Frauensteiner Straße. Dort ließ die Arado GmbH unter dem Tarnnamen „Freia GmbH“ Flugzeugteile herstellen. Landrat Sven Krüger verliest um 10.30 Uhr ein Grußwort und legt einen Kranz nieder. Marko Dorotsky begleitet das Gedenken auf der Gitarre. Bürgerinnen und Bürger sind ausdrücklich eingeladen, den Weg mitzugehen.
Tausend Frauen aus Auschwitz
Das Außenlager Freiberg bestand nach Angaben der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg vom 31. August 1944 bis zum 14. April 1945. In mehreren Transporten wurden rund 1.000 jüdische Frauen aus Auschwitz nach Freiberg gebracht, mehr als die Hälfte von ihnen aus Polen, dazu viele Tschechinnen, Slowakinnen und deutsche Jüdinnen. Sie arbeiteten an Flugzeugteilen für Arado und mussten zunächst in der ehemaligen Porzellanfabrik schlafen. Später wurden sie in ein rund zwei Kilometer entferntes Barackenlager mit sehr schlechten hygienischen Bedingungen verlegt.
Unter ihnen war Clarkes Mutter Anka Bergman aus Tschechien. Sie kam laut KZ-Gedenkstätte Mauthausen im Oktober 1944 nach wenigen Tagen in Auschwitz nach Freiberg, damals bereits schwanger. Im April 1945 wurde das Lager geräumt. In offenen Kohlewaggons waren die Frauen rund drei Wochen unterwegs nach Mauthausen. Dort brachte Anka Bergman am 29. April 1945 ihre Tochter Eva zur Welt. Wenige Tage später, am 5. Mai, befreiten amerikanische Truppen das Lager. 1948 emigrierte die Familie nach Großbritannien.
Lesung am Abend und Gespräche mit Schülern
Um 19 Uhr lesen Wendy Holden und Eva Clarke im BiB des Theaters Freiberg aus dem Buch „Schicksalskinder“. Am 10. und 11. November besuchen beide jeweils eine Schulklasse in der Freien Gemeinschaftlichen Schule „Maria Montessori“ und im BSZ, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.
Die Termine gehören zur Reihe Tacheles im Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen, das noch bis zum 12. Dezember läuft. Zur Reihe zählen außerdem eine szenische Lesung am 25. Oktober im Theater, das Konzert „Brücken des Lichts“ am 15. November im Dom sowie zwei Opern mit Musik von Viktor Ullmann am 19. und 21. November im Theater Freiberg.
Gedenken und Lesung mit Eva Clarke und Wendy Holden am Montag, 9. November 2026, in Freiberg: 9.30 Uhr Gedenken an der Gedenkwand im BSZ „Julius Weisbach“, anschließend Gedenkgang zum Landratsamt an der Frauensteiner Straße, dort um 10.30 Uhr Grußwort und Kranzniederlegung. Um 19 Uhr Lesung aus „Schicksalskinder“ im BiB (Theater Freiberg). Weitere Informationen unter www.freiberg.de/tacheles