Getrennt und wiedervereint: Die Dresdner Sinfoniker laden am Tag der Deutschen Einheit zu einer Zeitreise in die Hofer Freiheitshalle ein. Unter dem Titel «Drüben» soll die lange Teilung des Landes musikalisch erfahrbar werden. Zu Beginn trennt eine Mauer Saal, Orchester und Zuhörer. Ob man seinen Platz in der Ost- oder Westhälfte bekommt, entscheidet der Zufall. Denn für den ersten Teil des Konzertes werden die Sitzplätze verlost. Uniformierte Grenzer patrouillieren am Bühnenrand, Dirigent Jonathan Stockhammer steht auf einem Wachturm.
Zwei Auftragswerke der Sinfoniker im Programm
Das Konzert beginnt mit dem Lieder-Arrangement «Hüben und Drüben». Pop- und Rocksongs aus Ost und West zeigen, dass es systembedingte Unterschiede gab, aber auch große Gemeinsamkeiten. Danach folgt ein Werk des Münchener Komponisten Markus Lehmann-Horn, der in seinen «Utopian Melodies - yelling at Me!» auch Tonmaterial aus verschiedenen Hymnen und Liedern zitiert. Nach der Pause sind bei dem Stück «Landmark» der britischen Komponistin Charlotte Bray alle Musiker wieder vereint. Das Konzert für Klavier und Bläser von Igor Strawinsky rundet das Programm ab.
«Der Blick zurück auf die Zeit der Wiedervereinigung Deutschlands zeigt, dass es Menschen braucht, die Chancen für sich und andere nutzen und mutige Entscheidungen treffen», sagt Rindt. Charlotte Bray sieht im Zusammenschluss von Ost- und Westdeutschland einen monumentalen Moment und richtet den Blick zugleich über die Grenzen Deutschlands hinaus: «Während die deutsche Gesellschaft zusammenwächst und sich stetig konsolidiert, wird unsere Welt leider von einer unterschwelligen Traurigkeit heimgesucht, beruhend auf einer zunehmenden Spaltung und Entfremdung.»