Die Band Keimzeit ist seit Jahrzehnten eine feste Größe im Musikgeschäft und veröffentlicht jetzt mit «Ach, die Menschen» ihr 14. Album. Im Interview erzählt Sänger Norbert Leisegang (65), warum er keinen Gedanken ans Aufhören verschwendet und ob er nach mehr als 30 Jahren den erfolgreichsten Song der Band überhaupt noch spielen mag.
Frage: Keimzeit hat das 14. Album veröffentlicht. Wie würden Sie es beschreiben?
Antwort: Musik zu beschreiben ist natürlich immer ein bisschen hinderlich. Aber wenn ich den Versuch starten sollte, einiges darüber zu sagen, dann würde ich sagen: Auch das 14. Album ist grundsätzlich unsere Handschrift, die Handschrift von Keimzeit. Wir beleuchten Themen textlich, die so nicht in der ersten Reihe stehen, wenig politisch und wenig gesellschaftskritisch sind, sondern einfach die Dinge, die unter ganz normalen Menschen täglich stattfinden.
Frage: Sich politisch oder gesellschaftskritisch zu äußern, sehen Sie nicht als Aufgabe von Künstlern?
Antwort: Ich kann nur für mich sprechen. Wenn man im gesellschaftlichen oder im philosophischen oder auch im politischen Leben kein Grundwissen hat, dann gibt man sehr oft Unsinn von sich. Und das möchte ich natürlich vermeiden. Das sollten Künstler grundsätzlich vermeiden. Außerdem finde ich Dinge, die um mich herum passieren, und die zum großen Teil unpolitisch sind, hochinteressant – und auch interessanter als alles, was ich mir aneignen könnte.