Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Justiz

Prozess um Munitionsaffäre im LKA Sachsen ausgesetzt

Prozess um Munitionsaffäre im LKA Sachsen ausgesetzt
Das Gebäude des Justizzentrum Dresden. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Von: DieSachsen News

Im Prozess um einen Munitionsskandal im Landeskriminalamt Sachsen (LKA) ist die Hauptverhandlung ausgesetzt worden. Ein Neustart sei im November geplant, teilte das Gericht am Dienstag mit. Gründe wurden zunächst nicht bekannt. Auch der Zeitpunkt der Entscheidung blieb unklar. Zum Prozessauftakt Ende April war die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden - noch vor Verlesung der Anklage. Die Strafkammer kam damit den Anträgen zweier Verteidiger und auch der Generalstaatsanwaltschaft Dresden nach und sah selbst Sicherheitsbedenken. Das Gericht hatte bis November 42 Verhandlungstage angesetzt.

In dem Prozess müssen sich drei ehemalige Mitglieder des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) Dresden wegen Bestechlichkeit in Tateinheit mit Diebstahl sowie unerlaubtem Erwerb und Besitz von genehmigungspflichtiger Munition verantworten. Im Frühjahr 2021 war bekanntgeworden, dass ein Einsatzkommando des LKA im Herbst 2018 ohne Erlaubnis an einem Schießtraining auf einem privaten Schießplatz in Güstrow teilnahm und dafür mit mindestens 7000 Schuss Munition aus eigenen Beständen bezahlte. Weitere rund 7500 Schuss wurden entwendet, um das Schießtraining zu absolvieren. 17 Beamte waren betroffen. Die drei jetzt Angeklagten gelten als Hauptbeschuldigte und sind bis heute vom Dienst suspendiert. Der Rest wurde in andere Dienststellen versetzt. Das Kommando wurde aufgelöst und befindet sich im Neuaufbau.

Mehr aus dieser Kategorie

Auf Betreiben des Innenministeriums hatte den Fall damals eine Expertenkommission untersucht. Sie stellte gravierende Mängel in der Organisationsstruktur und der Dienstaufsicht fest, die die Sache begünstigten. Kontakte der Beamten zur rechtsextremen Szene bestätigten sich nicht. Die Schießanlage in Güstrow war bei Ermittlungen gegen die Gruppe «Nordkreuz» in den Fokus geraten - dahinter verbirgt sich eine mutmaßlich rechtsextreme Prepper-Gruppierung.

Die Munitionsaffäre sorgte damals für Schlagzeilen und führte zu personellen Konsequenzen. Der in der Fachwelt geschätzte LKA-Chef Petric Kleine und LKA-Abteilungsleiter Sven Mewes mussten ihren Hut nehmen und wurden versetzt. Die Summe an Affären führte letztlich auch dazu, dass der Druck auf Innenminister Roland Wöller (CDU) immer weiter wuchs und er im April 2022 entlassen wurde. Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass das MEK Dresden einen Skiurlaub in einem Vier-Sterne-Hotel als «Fortbildungsreise» deklariert haben soll. Eine weitere Affäre betraf Korruptionsvorwürfe bei der Polizei in Leipzig. Das MEK Leipzig geriet wegen eines verbotenen Aufnahmerituals in die Schlagzeilen.

Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Sachsen News
Artikel von

Sachsen News

Sachsen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media