Felldarre wird von Berthelsdorf nach Ebersbach umgesetzt
Seltene Felldarre erhält neue Perspektive in Ebersbach
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Umsetzung einer historischen Felldarre von Berthelsdorf nach Ebersbach mit 50.000 Euro. Das Fachwerkgebäude, in dem einst Tierfelle getrocknet und weiterverarbeitet wurden, soll in Berthelsdorf sorgfältig abgebaut, dokumentiert und anschließend in den Garten der Oststraße 30 transloziert werden. Dort wird der seltene Bau wiederaufgebaut und dauerhaft erhalten.
Die Mittel der Stiftung fließen in den Wiederaufbau in Ebersbach. Möglich wird die Förderung durch Spenden, Erträge aus Treuhandstiftungen sowie Mittel der Lotterie GlücksSpirale. Der Abbau und die Dokumentation am bisherigen Standort werden vom Land finanziert.
Historisches Handwerk im Fachwerkbau
Bei der Felldarre handelt es sich um einen Fachwerkbau in Geschossbauweise, der originale Elemente einer handwerklichen Produktionsstätte bewahrt. Als einzige bekannte freistehende Gerbdarre in Sachsen besitzt das Gebäude besondere Bedeutung für die regionale Bau- und Handwerksgeschichte. Die charakteristischen hölzernen Lüftungslamellen sind noch weitgehend original erhalten und verweisen direkt auf die einstige Nutzung.
Das äußere Erscheinungsbild wird von einem funktional geprägten Fachwerkgefüge bestimmt. Teile des Erdgeschosses wurden später ausgemauert, doch die verbliebene Holzkonstruktion weist inzwischen deutliche Schäden auf. Fachwerkständer sind instabil, die Dachkonstruktion ist auf der Wetterseite teilweise deformiert, und lose oder fehlende Biberschwanzziegel lassen Wasser eindringen.
Sanierung sichert die Konstruktion für die Zukunft
Im Zuge des Wiederaufbaus sollen geschädigte Fachwerkbauteile behutsam repariert und die historische Holzkonstruktion fachgerecht wiederhergestellt werden. Dazu gehören auch die Lüftungslamellen und die Dachdeckung mit handgestrichenen Biberschwanzziegeln in traditioneller Mörteldeckung. So soll die Konstruktion gesichert und in Ebersbach wieder erlebbar gemacht werden.
Der neue Standort passt gut zur Baukultur der Oberlausitz. Ebersbach-Neugersdorf ist stark von Umgebindehäusern geprägt, die Blockbau-, Fachwerk- und Massivbauweise verbinden. Das sogenannte Hugenottenhaus in Ebersbach, erbaut 1602, gilt als ältestes Umgebindehaus der Region und wird künftig die neue Heimat der Felldarre umgeben.
Einordnung in die Ortsgeschichte von Berthelsdorf
Hinweise zur Geschichte des Gebäudes reichen in die Ortsgeschichte Berthelsdorfs zurück. Eine genaue bauzeitliche Einordnung steht noch aus. Aufgrund der Lage in der historischen Ortsflur besteht ein möglicher Zusammenhang mit der früheren Gerberei „Seibtsche Gerberei“. Weitere Erkenntnisse könnten alte Grundbuchunterlagen liefern.
Mit der Förderung gehört die Felldarre zu den mehr als 880 Denkmalen, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bislang allein in Sachsen unterstützt hat.