Mittwochvormittag im Seniorenzentrum «Herbstsonne» in Dresden. Wohnbereichsleiter Marc Ulbricht ist unterwegs mit Hausarzt Antonio Kantchew-Haustein. Der Dresdner Allgemeinmediziner soll einen Blick auf Irene Weise werfen. Die 80-Jährige erwartet den Arzt in ihrem Rollstuhl. Seit einem Schlaganfall ist ihre linke Körperhälfte gelähmt – an ihrem Arm hat sich ein Bluterguss gebildet, da ihr häufig die Lehne ihres Rollstuhls in die Quere kommt, berichtet sie. «Zeigen Sie mal das kleine Wehwehchen her», so der 49-jährige Mediziner. Er verschreibt der Dame eine Salbe.
Soweit wirkt es wie ein ganz normaler Hausbesuch – doch Kantchew-Haustein ist gar nicht im Raum. Für seine Patientin erscheint er nur als Gesicht auf einem Tablet, das Ulbricht vor ihr platziert hat. Es sei schon ungewohnt, ihrem Arzt nicht persönlich gegenüberzusitzen, findet Irene Weise. «Aber so geht es auch gut.»
Nächster Besuch: Dem 64-jährigen Lutz Kiesewalter musste der große Zeh amputiert werden. Ulbricht nutzt das Tablet als Kamera. Der zugeschaltete Arzt kontrolliert die Wunde und entscheidet, wie viele Fäden vorerst entfernt werden sollen. Für das Pflegeheim ist das inzwischen Routine.