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Wie hunderte Leipziger spontan ihre Stadt retteten

Einsatz an den Leipziger Gleisen | Foto: Leipziger Gruppe
Einsatz an den Leipziger Gleisen | Foto: Leipziger Gruppe
Von: ehrensache.jetzt Bürgerstiftung Dresden
Wenn extreme Hitze Schienen blockiert und eine Großstadt plötzlich stillsteht, ist Kreativität gefragt. Ende Juni legte eine Hitzewelle den gesamten Leipziger Straßenbahnverkehr kurzerhand lahm, weil aufgeweichte Asphaltmasse die Gleise unbefahrbar machte. Was für viele anfangs eine Herausforderung bedeutete, entwickelte sich jedoch rasant zu einem Großeinsatz in ganz Leipzig, bei dem hunderte Ehrenamtliche mit Spachteln und purer Kraft halfen, den Nahverkehr wieder ins Rollen zu bringen.

Die extremen Hitzerekorde machten in den vergangenen Sommertagen auch vielen Ehrenamtlichen das Leben schwer. Während Sportvereine ihre Spiele absagten und Pflegeeinrichtungen versuchten, die Räume für ihre Bewohner kühl zu halten, passierte in Leipzig etwas Unerwartetes: Ausgerechnet die Hitzewelle brachte eine der größten Freiwilligenaktionen Sachsens seit der Corona-Pandemie in Bewegung.

In der Messestadt sorgten die Rekordtemperaturen für einen Ausnahmezustand der besonderen Art. Die Hitze ließ die Fugenmasse von Asphalt und Beton aufweichen. Die vorbeifahrenden Straßenbahnen drückten diese zähe Masse direkt auf die Schienen und in die Weichen. Die Folge: Antrieb und Bremsen der Straßenbahnen verklebten, die Schienen konnten den Strom nicht ordentlich leiten und auch die Weichen funktionerten nicht mehr. Der Straßenbahnverkehr in Leipzig wurde daraufhin am Samstag Abend den 27.06. eingestellt.

Von der ersten Stunde an kämpften rund 50 Mitarbeitende gegen die überlaufende Bitumenschicht an den Gleisen und reinigten circa 60 verklebte Triebwagen. Die körperlich sehr anstrengende Arbeit verlangte den Mitarbeitenden viel Kraft ab, sodass Hauptamtliche aus verschiedenen Bereichen der Verkehrsbetriebe, Stadt- und Wasserwerke aushalfen und im Einsatz auf den Gleisen waren.

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Doch angesichts der vielen Schäden war eines schnell klar: Weil es zu Beginn kein technisches Verfahren gab, um die klebrige Masse von den Schienen zu lösen, war reine Handarbeit gefragt. Mit den bestehenden Kapazitäten hätten sich die Reparaturen deutlich in die Länge strecken können. Fast 48 Stunden stand die Tram in der sächsischen Großstadt bereits still, als den Verantwortlichen die rettende Idee kam.

Die Lösung: Ein öffentlicher Aufruf zum gemeinsamen Schienenputz. Weil die bisherigen Methoden und Kapazitäten zur Schienenreinigung nicht ausreichten, baten die Verkehrsbetriebe um Unterstützung. Nach dem Teilen mehrer Bilder in den Medien reagierte die Bevölkerung mit einer großen Welle an freiwilliger Hilfsbereitschaft. In den sozialen Medien schrieb das Unternehmen schließlich: “Leipzig hält zusammen. Jetzt brauchen wir euch!” Die Reaktion war überwältigend. Schon am ersten Tag folgten dutzende Freiwillige dem Ruf.

Die Mitarbeitenden der Leipziger Gruppe und viele Ehrenamtliche reparieren die Gleise der Leipziger Straßenbahnen
Großeinsatz auf Leipzigs Gleisbetten | Foto: Leipziger Gruppe

Die ehrenamtliche Beteiligung war enorm und schien immer weiter zu wachsen. Allein am darauffolgenden Samstag standen insgesamt über 300 Leipziger an den verschiedenen Einsatzstellen auf den Straßen, um das Schienennetz wieder intakt zu bringen. Über Medien- und Presseverteiler wurden insgesamt vier zeitlich begrenzte öffentliche Arbeitseinsätze organisiert. Dank der großen Reinigungsaktionen, die in der betroffenen Woche am Dienstag, Mittwoch, Samstag und Sonntag stattfanden, rollen die Bahnen inzwischen wieder reibungslos.

„30 Kilometer verunreinigtes Gleis sind gesäubert und 150 Weichen instandgesetzt worden. Ein enormer Kraftakt, den rund 1.500 Mitarbeiter der LVB und der Leipziger Gruppe sowie 550 freiwillige Helfer in gemeinsamer Anstrengung gestemmt haben. Wir wissen das Engagement sehr zu schätzen und bedanken uns herzlich. Das war gelebtes Leipziger Team-Play“, betont Simone Bartsch - Pressesprecherin der Leipziger Gruppe. Mit Spachteln, Gasbrennern und viel Ausdauer arbeiteten die Leipziger Bürgerinnen und Bürger zusammen, um das Schienennetz möglichst schnell wieder intakt zu bringen.

So bedankt sich Leipzig bei seinen Helfern

„Die Helfer*innenaktion zur Reinigung der Straßenbahngleise in Leipzig zeigt, wie viel gemeinsames Engagement für unsere Stadt bewirken kann. Solche Einsätze stärken den Zusammenhalt und machen sichtbar, welchen Unterschied freiwilliges Engagement im Alltag macht“, freut sich Judith Heese, Projektkoordinatorin aus der Leipziger Freiwilligenagentur. „Wir sind beeindruckt, wie viele Menschen sich kurzfristig zur Hilfsaktion der Verkehrsbetriebe angeboten haben und danken allen, die mit angepackt haben!”.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe bedankten sich öffentlich für das Verständnis und den tatkräftigen Einsatz. Neben der kostenlosen Nutzung der Nextbike-Leihräder während der Bahnausfälle hat das Unternehmen nun eine „Zwei-für-eins-Aktion“ gestartet: Wer ein gültiges Ticket, eine Dauerkarte oder ein Abo besitzt, darf eine weitere Person eine Woche lang kostenlos mitnehmen. Tag und Nacht standen Mitarbeitende und Ehrenamtliche gemeinsam auf den Straßen und gaben alles für die Wiederaufnahme des Verkehrs - ein Ehrenamtseinsatz der ganz besonderen Art. 

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