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Warum Plauens Bürgermeister im Sommer sein Amt an Kinder weitergibt

Marius Fischer und Andreas Färber sitzen gemeinsam bei einem Kaffee im Kindercafé Mücke
Auf eine Tasse Kaffee: Marius Fischer von ehrensache.jetzt (li) mit Andreas Färber vom Kinderschutzbund Plauen e.V. (re) Foto: Marius Fischer | ehrensache.jetzt
Von: ehrensache.jetzt Bürgerstiftung Dresden
Seit über 30 Jahren brennt Andreas Färber für die Rechte und das Wohl der jüngsten Generation in Plauen. Als Mitbegründer des örtlichen Kinderschutzbundes füllt er das Ehrenamt mit unerschöpflicher Energie, immer neuen Visionen und einer Menge Herzblut. An einem Nachmittag zwischen fliegenden Bällen, gelebter Demokratie und einer Tasse Kaffee im Kindercafé zeigt er, was Ehrenamt für ihn ausmacht.

Es ist ein sonniger Dienstag-Nachmittag in Plauen, als in der Turnhalle der Astrid-Lindgren-Grundschule das wöchentliche „Power Kids“-Projekt ansteht. Mittendrin steht Andreas Färber, Vorstandsmitglied des örtlichen Kinderschutzbundes. Für die Schülerinnen und Schüler ist er der perfekte Anker nach einem anstrengenden Schulalltag: Hier bekommen sie spielerisch Werte vermittelt, tanken neue Energie und kriegen den Kopf nach einem langen Tag wieder frei. Was vor über drei Jahrzehnten als kleine, visionäre Initiative begann, ist heute, nicht zuletzt dank Färber eine tragende Säule der regionalen Kinder- und Jugendarbeit – der Kinderschutzbund Plauen e.V.

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Der Mann mit den Visionen

Das Engagement von Andreas Färber geht weit über die Grenzen dieser Turnhalle hinaus. Setzt man sich mit ihm zusammen, fängt er sofort und voller Begeisterung an, von seinen unzähligen Projekten zu erzählen. Das Portfolio reicht vom gegründeten Kindercafé Mücke über die Familienpflege bis hin zum Kinder- und Jugendtelefon, für das Färber einst eine eigene Spendenaktion ins Leben rief. Er sieht sich selbst als Ideengeber, als Anschieber, der den Projekten das Laufen beibringt, bis sie auf eigenen Füßen stehen können – ganz wie die Kinder, für die er all das tut.

Andreas Färber selbst beschreibt sich als jemanden, der selten stillstehen kann und mit ständig neuen Ideen den Drang verspürt, Dinge auszuprobieren. „Es braucht immer Menschen, die Visionen haben und an Dinge glauben“, betont er. Schon in seinen Jungen Jahren war er ein aufgeweckter Junge, der ständig unter Strom stand. Heute kanalisiert er diese Lebensenergie in seine persönliche Berufung: den Kinderschutzbund. Um den Anschluss an die Lebenswelt der heutigen Jugend nicht zu verlieren, investiert er fortlaufend Zeit in die persönliche Weiterbildung – Stillstand gibt es für ihn nicht.

Einst war er der jüngste Vorsitzende im Bund – über zwei Jahrzehnte später gehört er zu den ältesten Urgesteinen im Landesverband Sachsen und setzt sich auch hier als stellvertretender Vorsitz unermüdlich für Kinderrechte ein. Was als kleines, reines Ehrenamt begann, ist heute zu einer festen Institution mit rund 30 hauptamtlichen Mitarbeitenden in Plauen herangewachsen. Die Arbeit mit den Jüngsten ist dabei für ihn kein bloßer Zeitvertreib, sondern eine absolute Herzensangelegenheit, die ihn im Kern jung hält. 

Andreas Färber legt großen Wert darauf, all seine Projekte aus einer tief demokratischen und sozialen Perspektive heraus zu führen. Es ist das Fundament seiner Arbeit, den Kompass der Kinder frühzeitig auf ein demokratisches Miteinander auszurichten und ihnen im Alltag eine lebendige, weltoffene Alternative vorzuleben und sie für ein faires Miteinander starkzumachen.

Das Geheimnis der Power Kids

Wie lebendig dieses Ehrenamt nach wie vor ist, zeigt sich pünktlich in der Sporthalle. Bevor der erste Ball rollt, gilt eine ungeschriebene, aber eiserne Regel: Zehn Liegestütze für jeden, der die Halle betritt. Was nach Drill klingen mag, ist in Wahrheit ein Ventil für angestaute Energie nach einem langen, reizüberfluteten Schulalltag. Die Kinder fackeln nicht lange; instinktiv und mit lautem Lachen werfen sie sich auf den Boden und pumpen die erste Power in den Hallenboden. Andreas Färber beobachtet das bunte Treiben mit einem breiten Lächeln. 

Nach dem Power-Start nimmt Färber mit den Kindern auf einigen Bänken Platz. Er hat einen Projektor aufgebaut, um eine Diashow der Kanutour aus der vergangenen Woche zu zeigen. Gemeinsam schauen sie sich die Bilder an, lachen über wackelige Momente auf dem Wasser, und Färber lässt den Ausflug gemeinsam mit allen Kindern Revue passieren. 

Andreas Färber ist mit den Kindern in der Sporthalle und schaut sich Fotos auf einer Leinwand an.
Andreas Färber zeigt den Power Kids die Bilder der Kanutour. Foto: Marius Fischer | ehrensache.jetzt

Bei den „Power Kids“, die vor 15 Jahren als reine „Power Jungs“ begannen und nach Protesten der Mädchen schnell umbenannt wurden, schlägt das Herz für Gleichberechtigung und Vielfalt. Es geht um Zusammenhalt, praktische Skills und echte Erlebnisse bei Ausflügen in der Natur. In der Sporthalle lernen sie sich richtig abzustützen und bei einem Sturz abzufangen, bevor dann im Sommer eine Höhlentour im Vogtland ansteht. Zum Abschluss der Stunde wird Zweifelderball gespielt – ein absolutes Highlight, das die Kinder sehr lieben und bei dem die ganze Halle bebt.

Plauen in Kinderhand

Nach der turbulenten Sportstunde ist noch Zeit für eine ruhige Kaffeetasse. Wenige Minuten nach dem Abpfiff in der Halle bietet der gemütliche Kindercafé „Mücke“ den perfekten Raum, um die Eindrücke des Tages zu sammeln und tiefer in die Geschichten des Vereins einzutauchen. Auf der Terrasse reflektiert der einstige Gründer den weiten Weg, den der Ortsverband hinter sich hat, und kommt auf sein zweites, riesiges Herzensprojekt zu sprechen: die „Kinderstadt Plauen“. 

Vor sechs Jahren hat er dieses Ferienprojekt ins Leben gerufen, um Kindern im Grundschulalter ein echtes Gespür für Gemeinschaft, Politik und Demokratie zu vermitteln. In dieser einen Sommerwoche schrumpft die Welt der Erwachsenen auf Kindergröße. Die Kids erhalten eigene Bürgerausweise und wählen einen Stadtrat inklusive Amtsdirektor. Dieser wird traditionell vom echten Oberbürgermeister der Stadt Plauen in sein Amt eingesetzt. Der Wahlkampf wird mit großem Ernst und selbst designten Plakaten ausgetragen, und die feierliche Ernennung besiegelt das demokratische Erlebnis. 

Aus einer kleinen Idee ist über die Jahre eine logistische Meisterleistung gewachsen, deren Planung bereits im November beginnt. Im letzten Jahr nahmen über 300 Kinder teil, tatkräftig unterstützt von rund 100 erwachsenen Helfenden im Hintergrund. Ob Omis, die den Kindern das Nähen beibringen, oder die örtliche Feuerwehr – alle ziehen an einem Strang. Am meisten bedeutet es ihm, zu sehen, wie viele Menschen bei einem solchen Projekt zusammenarbeiten und was durch diese Gemeinschaft möglich wird. Viel mehr als Auszeichnungen und Anerkennung wiegt für ihn das Vertrauen, welches ihm die Ehrenamtlichen und alle Beteiligten schenken. Es ist diese Gemeinschaft, die ihn ganz besonders erfüllt.

Wenn man Andreas Färber auf diesen riesigen Erfolg anspricht, wiegelt er gewohnt bescheiden ab. Er betont „Das hat nichts mit dem Färber zu tun. Sondern es entwickeln sich die Dinge und wachsen aus dieser Situation heraus“. Es ist dieser tiefe Stolz auf die Gemeinschaft und das verlässliche Netzwerk aus Ehrenamtlichen, der aus jedem seiner Worte und aus jedem Blick bei dieser Tasse Kaffee spricht. 

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