Wo einst „Naddl & Ronny“ leuchtete: Dresden bekommt neuen Edeka
Dresden. Tagelang ist Michaela Felsch durch die Hochhäuser rund um den Pirnaischen Platz gezogen und hat Briefkästen gezählt, um abzuschätzen, wie viele Kunden einmal zu ihr kommen könnten. Das erzählte die 34-Jährige der Sächsischen Zeitung schon im Januar. Bald wird sich zeigen, ob ihre Rechnung aufgeht. Am 12. November 2026 eröffnet Felsch im Erdgeschoss des sanierten Hochhauses am Pirnaischen Platz ihren ersten eigenen Edeka-Markt, wie der Händler mitteilte.
Wie der Laden aussehen soll, hatte sie genau im Kopf: schlicht und elegant, gerade Linien, dunkle Farben, womöglich eine Mooswand. Auf rund 1.500 Quadratmetern soll ein Vollsortiment mit 15.000 bis 20.000 Artikeln entstehen, dazu eine Fleischfrischetheke, ein Sushi-Stand und eine Bäckerei im Vorkassenbereich. Etwa 30 Prozent des Sortiments sollen perspektivisch aus der Region kommen. Der Händler kommt damit auf 15 Märkte in Dresden.
Wo einst der Sozialismus siegte
Der Ort hat Geschichte. Das 14-geschossige Hochhaus stammt aus den 1960er-Jahren, zu DDR-Zeiten leuchtete über ihm der Schriftzug „Der Sozialismus siegt", später war es vielen Dresdnern durch den Schriftzug „Naddl & Ronny" bekannt. Seit 2018 stand der Bau leer, Grund waren Mängel beim Brandschutz. Die Quarterback Immobilien AG aus Leipzig kaufte das Haus und richtete darin rund 170 Wohnungen ein. Im Erdgeschoss hatte über Jahre ein Lidl seinen Platz. Nach der Sanierung wurde die Fläche neu ausgeschrieben, 2025 setzte sich Felsch durch.

Mit dem Gebäude verbindet sie mehr, als ihr lange bewusst war. Als Kind habe sie dort mit ihrer Mutter sogar kurz selbst gewohnt, erzählte sie, Erinnerungen daran habe sie keine. Auch die Nachbarschaft ist gemischt. Im sanierten Haus werden rund 16 Euro Kaltmiete je Quadratmeter verlangt, ringsum wohnen aber ebenso Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen. Etwas für jeden Geldbeutel soll deshalb ins Regal.
Von der ersten Azubine zur eigenen Chefin
Bei Edeka ist Felsch groß geworden. 2014 fing sie bei der Marktleiterin Christina Zschabran als deren erste Auszubildende an und lernte Kauffrau im Einzelhandel. Stehenbleiben wollte sie nie, es sollte immer weitergehen. Nach eineinhalb Jahren in einem Edeka-Center in Crimmitschau kehrte sie nach Dresden zurück und übernahm 2020 die Leitung des Marktes am Nürnberger Platz, wo Studenten der TU ebenso einkaufen wie ältere Anwohner und Büroangestellte. Der durchschnittliche Einkauf liegt dort bei sieben bis acht Euro.
Aus der früheren Chefin wurde eine Mentorin. Felsch sei durchsetzungsstark und zugleich zugewandt, das mache sie zu einem besonderen Menschen, sagte Zschabran der Sächsischen Zeitung.

Bei den Summen bleibt Felsch gelassen. Den Ausbau, der zwischen 3,5 und 7 Millionen Euro kostet, trägt die Edeka-Zentrale. Auf sie selbst kommen die Löhne für 20 bis 25 Beschäftigte zu, darunter ein Metzger, rund 80.000 Euro im Monat. Sollte für sie am Ende wenig übrig bleiben, sei das eben so, sagte sie im Januar, privat komme sie mit Geld gut zurecht. Wichtiger ist ihr, dass die Kunden jemanden finden, der Zeit hat, sie zu beraten. Wünsche will sie in einem ausgelegten Buch sammeln.
Der Countdown läuft
Inzwischen nimmt der Markt Gestalt an. Am künftigen Standort an der Grunaer Straße hängt bereits das Plakat mit dem Namen der Betreiberin, die Kühltechnik ist eingebaut, die Regale werden bestückt. In den nächsten Wochen kommen die ersten Waren. Den Aufbau ihres Marktes, Edeka Felsch, begleitet sie Schritt für Schritt auf Instagram. „Jetzt beginnt für mich das bisher größte Kapitel", schreibt sie dort.

Rund 30 Menschen will Felsch beschäftigen, mehr als 25 habe sie schon gefunden. Weil ausgebildetes Fachpersonal fehle, sucht sie weiter, auch Quereinsteiger seien willkommen. „Ich freue mich riesig, dass alles nach Plan läuft", sagte Felsch.
Öffnen soll der Markt zunächst von 7 bis 21 Uhr. Das Weihnachtsgeschäft will Felsch auf jeden Fall mitnehmen.