Wasser-Sonar & Knick-Gelenk: Dresdens Feuerwehr rüstet für Millionen auf
Dresden. Die Elbe führt an diesem Mittwoch wenig Wasser, die Septembersonne liegt über der Slipstelle am Neudorfer Werder, wo die Feuerwehr ihre Boote zu Wasser lässt. Hier stellt die Feuerwehr Dresden sieben neue Fahrzeuge und Boote in Dienst. Sicherheitsbürgermeister Jan Pratzka und Amtsleiter Michael Katzsch übergaben drei Rettungsboote, zwei Drehleitern und zwei Tanklöschfahrzeuge an die Berufs- und Stadtteilfeuerwehren, wie die Stadt mitteilte. „Mit dieser Investition stärken wir Berufsfeuerwehr und Stadtteilfeuerwehren gleichermaßen", sagte Pratzka. Die Landeshauptstadt zahlte rund 3,67 Millionen Euro, der Freistaat Sachsen förderte die Beschaffung mit rund 1,56 Millionen Euro.
Die drei Rettungsboote gehen an die Feuer- und Rettungswachen Albertstadt, Übigau und Striesen. Die beiden Drehleitern übernehmen die Wachen Löbtau und Altstadt, die Stadtteilfeuerwehren Weißig und Langebrück erhalten je ein Tanklöschfahrzeug. Es handelt sich durchweg um Ersatzbeschaffungen. Die alten Fahrzeuge gehen außer Dienst, weil sie ihre Nutzungsdauer erreicht haben und Ersatzteile schwerer zu bekommen sind. Zugleich hätten sich die Anforderungen verändert, sagte Pratzka und verwies auf die verwinkelte Innenstadt sowie auf Hochwasser und Niedrigwasser der Elbe.
Neue Boote für die Elbe mit ihren Extremen
„Jede dieser Beschaffungen löst ein ganz konkretes taktisches Erfordernis", sagte Einsatzabteilungsleiter Jan Wolf. Die drei Rettungsboote ersetzen Mehrzweckboote, die kurz nach dem Hochwasser 2002 angeschafft wurden und inzwischen mehr als 20 Jahre alt sind. Für sie gebe es kaum noch Ersatzteile, die Wartung sei teuer geworden oder gar nicht mehr möglich, so Wolf. Zudem seien die alten Boote der Strömung der Elbe nicht mehr gewachsen gewesen, was bei der Rettung von Menschen aus dem Wasser Zeit gekostet habe.
Die neuen Boote vom Typ Pioner Multi III sind 5,30 Meter lang und haben einen 70-PS-Außenbordmotor. Eine abklappbare Bugklappe erleichtert das Bergen von Personen. An Bord sind ein fernsteuerbarer Suchscheinwerfer und ein Kartenplotter mit Sonar, das den Bereich unter dem Boot abtastet und so auch Menschen unter der Wasseroberfläche aufspüren kann. Verteilt auf die drei Standorte ist auf jeder Elbseite ein Boot verfügbar. Fällt eines wegen Wartung aus, kann ein anderes umgesetzt werden. Sofort im Einsatz sind die Boote allerdings nicht. Zunächst müssen die Einsatzkräfte am neuen Modell geschult werden, und dafür muss auch der Pegel der Elbe mitspielen.
Drehleitern mit Knickgelenk für enge Stellen
Die beiden Drehleitern lösen 19 Jahre alte Fahrzeuge ab, die das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben. Sie erreichen eine Rettungshöhe von 23 Metern, bei günstigem Stand ragt der Leiterpark über 30 Meter. Neu ist ein Gelenk am vorderen Leiterstück. Damit können die Einsatzkräfte auch zurückgesetzte Fassaden, schwer erreichbare Dächer und enge Stellen anfahren, die vorher nicht zu erreichen waren. Der Rettungskorb trägt bis zu 500 Kilogramm. Mit den beiden Fahrzeugen hat die Berufsfeuerwehr nun fünf baugleiche Drehleitern im Bestand, drei Schwesterfahrzeuge sind bereits im Einsatz.
Die beiden Tanklöschfahrzeuge vom Typ TLF 4000 führen je 4000 Liter Löschwasser und 500 Liter Schaummittel mit. Sie sind allradgetrieben, haben 360 PS und bieten in einer Staffelkabine Platz für sechs Einsatzkräfte. Gedacht sind sie vor allem für Randlagen und Autobahnabschnitte, wo Hydranten fehlen, außerdem für Wald- und Vegetationsbrände sowie für Unwetterlagen wie Sturm und Starkregen. „Bei einer solchen Beschaffung geht es nicht darum, alte Technik einfach eins zu eins durch neue zu ersetzen", sagte Katzsch. Die Feuerwehr nutze den Generationswechsel, um Erfahrungen aus vielen Jahren Einsatzdienst einzuarbeiten.
Technik allein reicht nicht
Für Wolf steht am Ende nicht das Alter der Geräte im Vordergrund. „Entscheidend ist für uns nicht allein, dass die Technik neuer ist. Sie muss unsere Einsatzkräfte dabei unterstützen, ihre Aufgaben sicherer, schneller und wirkungsvoller zu erfüllen", sagte er. Von der Gesamtsumme entfallen rund 2,03 Millionen Euro auf die beiden Drehleitern, 1,40 Millionen Euro auf die Tanklöschfahrzeuge und 235.000 Euro auf die drei Boote samt Trailer.