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Warum am Blauen Wunder in Dresden scheinbar oft niemand arbeitet

Bauingenieur Christoph Nollau und Projektleiter Robert Bauch halten gemeinsam einen hellblauen Ganzkörper-Schutzanzug vor einem Baucontainer hoch. Beide tragen Warnjacken und lächeln in die Kamera.
Wie Astronauten gegen Feinstaub: Bauingenieur Christoph Nollau (l.) und Projektleiter Robert Bauch zeigen den luftdichten Einmal-Schutzanzug. Beim Strahlen der alten Beschichtung am Blauen Wunder ist die 7 Euro teure Schutzkleidung Pflicht. Foto: CdH
Viele Dresdner wundern sich über leere Fahrbahnen am Wochenende. Doch hinter den dichten Zeltplanen läuft ein extrem gefährlicher Job auf Hochtouren.

Dresden. Ein lautes Zischen, weiße Planen, dahinter Arbeiter in luftdichten Anzügen: Wer das Blaue Wunder in diesen Wochen überquert, erlebt eine Baustelle, die sich hinter Verhüllungen versteckt. Von diesem Freitagabend an geht hier nichts mehr mit dem Auto. Von 21 Uhr bis Dienstag, 20. Oktober, 4 Uhr sperrt die Stadt die Loschwitzer Brücke für den motorisierten Verkehr, damit auf der Blasewitzer Seite das Gerüst aufgebaut werden kann. Fußgänger und Radfahrer kommen weiter über die Brücke, Autos und Busse werden über die Waldschlösschenbrücke umgeleitet.

Vier Personen stehen nebeneinander am Elbufer vor der stählernen Fachwerksbrücke Blaues Wunder in Dresden, die teilweise eingerüstet ist. Im Hintergrund fließt die Elbe unter blauem Himmel.
Vor dem Blauen Wunder: Projektleiter Robert Bauch, Amtsleiterin Simone Prüfer, Bauleiterin Franziska von Dreusche und Baubürgermeister Stephan Kühn (v.l.). Wegen Gerüstbau steht der Brücke ab Freitag eine Vollsperrung bevor. Foto: CdH

Seit Mai 2025 arbeitet die Firma Leonhard Weiss aus Langen an der Loschwitzer Hälfte, jetzt kommt die Blasewitzer Seite hinzu. Das Abstrahlen und Streichen läuft neben dem Verkehr, dafür ist die Brücke von drei auf zwei Spuren verengt. Beim Aufbau des Gerüsts reicht das nicht. Dann werden große Gerüstträger quer über die Fahrbahn bewegt und schwere Bauteile per Lkw angeliefert, und das über die volle Breite. In dieser Phase geht nichts neben dem Verkehr, die Brücke muss komplett gesperrt werden. Die elf Tage liegen bewusst in den Herbstferien, wenn weniger Verkehr rollt. Der Auftrag für den neuen Abschnitt liegt bei rund 17,5 Millionen Euro, fertig werden soll die Blasewitzer Seite voraussichtlich 2031.

Arbeiter wie Astronauten

Wie aufwendig die Sanierung ist, machte beim Termin Projektleiter Robert Bauch vom Straßen- und Tiefbauamt deutlich. Morgens steigen die Beschäftigten in einen Container, ziehen weiße, luftdichte Schutzanzüge an und setzen einen Helm auf, bis sie aussehen wie Astronauten. Rund zwei Stunden strahlen sie dann in staubdichten Einhausungen die alte Beschichtung mit scharfkantiger Hochofenschlacke vom Stahl, danach müssen sie raus und unter die Dusche. Der feine Staub sei gefährlich, erklärt Bauch. Es handele sich aber nicht um Giftmüll, sondern um belasteten Abfall. Knapp 100 Tonnen davon sind nach seinen Angaben bisher zusammengekommen.

Vier Schichten, jede in einer anderen Farbe

Was danach kommt, ist Millimeterarbeit. Nicht mehr tragfähige Stahlteile werden ersetzt, dann folgen vier Schichten Korrosionsschutz, jede in einer anderen Farbe, damit die Fachleute sehen, wo schon gearbeitet wurde. Zuoberst liegt dann das namengebende Blau, es soll rund 30 Jahre halten. Von 14 Teilabschnitten sind bisher zwei eingehaust. Im Frühjahr 2027 soll das Gerüst auf der Loschwitzer Seite umgesetzt werden, dann wird der frische Anstrich erstmals sichtbar, im Originalfarbton von 1893.

Warum an manchen Wochenenden niemand zu sehen ist

Besonders die Wochenendsperrungen sorgen für Unmut. Mancher Autofahrer fragt sich, warum er sogar sonntags draußen bleiben muss, obwohl auf der Brücke oft niemand zu arbeiten scheint, während Radfahrer weiter dürfen. Gearbeitet werde sehr wohl, hielten die Bauleute beim Termin dagegen, samstags wie sonntags und oft mit mehreren Trupps, nur spiele sich vieles hinter den Einhausungen ab. Vollständig gesperrt werde ohnehin nur, wenn es nicht anders gehe. Man baue sonst „unter laufendem Verkehr, damit Sperrungen und Einschränkungen für die Dresdnerinnen und Dresdner so gering wie möglich bleiben", sagte Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne).

Weitere Sperrungen bis in den November

Ganz ohne Vollsperrung geht es dennoch nicht weiter. Mit dem Baufortschritt wandert das Gerüst Stück für Stück über die Brücke, und jedes Mal, wenn die schweren Träger dafür über die ganze Fahrbahn gehoben werden, muss sie frei sein. Diese Schritte legt die Firma auf vier Wochenenden, um den dichteren Verkehr unter der Woche zu verschonen, jeweils von Freitag, 21 Uhr, bis Montag, 4 Uhr, damit am Stück gearbeitet werden kann. Dabei setzen die Bauleute auch Trägerstützen, mit denen sich spätere Sperrungen verkürzen lassen.

Blick unter ein Baugerüst am Blauen Wunder: Stapel von Paletten, große weiße Big Bags mit Baumaterial sowie zwei aufeinandergestapelte Plastik-Wassertanks stehen auf dem gepflasterten Boden.
Baustellenlogistik am Blauen Wunder: Unter den Einhausungen lagern Big Bags mit abgetragener Hochofenschlacke. Knapp 100 Tonnen belasteter Abfall sind bei den Strahlarbeiten an der Brücke bereits zusammengekommen. Foto: CdH

Gesperrt wird vom 30. Oktober bis 2. November, vom 6. bis 9. November, vom 13. bis 16. November und vom 20. bis 23. November. In der letzten Oktoberwoche will das Stadtbezirksamt Gewerbetreibende und Anwohner einladen, um über den Ablauf zu informieren. Fußgänger und Radfahrer können die Brücke die ganze Zeit über nutzen.