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Vom Aspirin-Urvater zur Weltneuheit: 20 Jahre Menarini von Heyden in Dresden

Viergeteilte Collage: Logo-Schild auf dem Dach über Dresden, Live-Schaltung von Alberto Giovanni Aleotti auf Großbildleinwand, Nahaufnahme der Tablettenproduktion sowie Dresdens OB Dirk Hilbert am Rednerpult beim 20-jährigen Firmenjubiläum von Menarini.
20 Jahre Wachstum in Dresden: Menarini von Heyden feiert Jubiläum. Während OB Dirk Hilbert gratuliert und Alberto Giovanni Aleotti, Mitglied der Eigentümer-Familie und des Verwaltungsrats der Menarini-Gruppe, digital bessere Rahmenbedingungen fordert, läuft die Fertigung auf Hochtouren - bald auch für ein neues Cholesterin-Medikament. Fotos: MvH (2), Konrad Höferth (2)
Wo Ende des 19. Jahrhunderts die Basis für Aspirin gelegt wurde, blickt Menarini von Heyden heute auf 20 erfolgreiche Jahre zurück. Zum Jubiläum verkündet der Pharma-Gigant die Produktion eines völlig neuen Medikaments in Dresden.

Dresden. Während ein großes Pharmawerk der Stadt vor dem Aus steht, feiert ein anderes 20 Jahre Wachstum. Menarini von Heyden an der Leipziger Straße hat am Montag sein Jubiläum begangen, rund 400 Mitarbeitende kamen dafür auf dem Betriebsgelände zusammen. Die Bilanz, die Alberto Giovanni Aleotti aus der Eigentümerfamilie und dem Verwaltungsrat der Gruppe zog, kann sich sehen lassen: In zwei Jahrzehnten flossen mehr als 100 Millionen Euro in das Werk, die Zahl der Arbeitsplätze wuchs von 255 auf 419.

2006 hatte die italienische Menarini-Gruppe Teile des früheren Arzneimittelwerks Dresden übernommen, damals stand der Standort selbst vor dem Aus. Heute ist Dresden unter den 18 Produktionsstandorten der Gruppe der größte für feste Arzneiformen wie Tabletten. Rund 2.000 Tonnen Arzneimittel und 250 Millionen Blisterpackungen verlassen das Werk pro Jahr, geliefert wird in über 100 Länder, vor allem Mittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Schmerzen.

Cholesterinsenker ab 2027 aus Dresden

Einen Tag vor der Feier hatte die EU-Kommission ein neues Medikament zugelassen, das künftig in Dresden gefertigt wird. Es senkt den LDL-Cholesterinwert und richtet sich an Menschen mit zu hohem Cholesterin, denen bisherige Mittel nicht genug helfen. Der Wirkstoff Obicetrapib kommt allein unter dem Namen Ubeslo auf den Markt und als Kombination mit Ezetimib unter dem Namen Evlarco. Es ist die weltweit erste Zulassung dieses Wirkstoffs. Entwickelt hat ihn das Unternehmen NewAmsterdam Pharma, die europäischen Vermarktungsrechte liegen bei Menarini. Nach Angaben der Technikleitung sollen ab 2027 in Dresden die Produktion und die Verpackung anlaufen, von hier aus geht das Mittel in alle zugelassenen Märkte.

Aleotti fordert bessere Bedingungen für die Pharmaindustrie

Deutlich wurde Aleotti, digital aus Florenz zugeschaltet. Die Entscheidung für Dresden 2006 nannte er eine der weitsichtigsten der Firmengeschichte, in 20 Jahren habe man die Produktion verfünffacht. Zugleich richtete er einen Appell an die Bundesregierung. Die Pharmaindustrie sei einer der wenigen Hochtechnologiesektoren, der in Deutschland noch investiere, und dürfe angesichts von US-Zöllen und billiger asiatischer Konkurrenz nicht zur Zielscheibe werden. Er hoffe, dass die Regierung das Erstattungssystem überdenke und Investitionen vor Ort fördere.

Wie real dieser Druck ist, zeigt sich in Dresden selbst. Nur wenige Kilometer entfernt will der britische Konzern GlaxoSmithKline sein Impfstoffwerk, das frühere Sächsische Serumwerk, bis 2028 schließen, 641 Stellen stehen auf dem Spiel. Solche Nachrichten häufen sich, der Pharmastandort Deutschland gerät zunehmend unter Druck. Auch Hilbert sprach das Thema an und mahnte, für das Serumwerk müsse eine neue Perspektive gefunden werden.

Tief mit Dresden verbunden

Der Name Menarini von Heyden verweist auf eine lange Geschichte. Er erinnert an den Chemiker Friedrich von Heyden, der Ende des 19. Jahrhunderts in Radebeul und Dresden die industrielle Herstellung der Salicylsäure aufbaute, den Grundstoff des späteren Aspirins. Über Kaiserreich, DDR-Kombinat und Wende hinweg blieb die Leipziger Straße ein Pharmastandort. Wie sehr sich das Unternehmen mit der Stadt verbunden fühlt, zeigte sich gleich mehrfach: In diesem Jahr ließ es mit zwei Nachfolgefirmen von Heydens Grab auf einem Tolkewitzer Friedhof aufwendig sanieren, wofür Hilbert ausdrücklich dankte. Im Jubiläumsjahr unterstützt Menarini zudem die Ausstellung „Correggio" in der Gemäldegalerie Alte Meister, die einen Bogen zwischen dem Firmensitz Florenz und dem „Elbflorenz" Dresden schlägt.

„Menarini von Heyden zeigt eindrucksvoll, wie sich diese Tradition mit internationaler wirtschaftlicher Stärke verbindet", sagte Hilbert. 2028 feiern Florenz und Dresden 50 Jahre Städtepartnerschaft. Als Auftakt lud er die Familie Aleotti zum nächsten Semperopernball Anfang 2027 ein, zu dem auch die Florentiner Bürgermeisterin Sara Funaro und ihr Vorgänger, der heutige Europaabgeordnete Dario Nardella, kommen sollen.