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Verbrenner-Aus im Check: Schlagabtausch beim Forum Mobilität Dresden

Vier Männer (Andreas F. Rook, Jens Borken-Kleefeld, Dirk Vogel, Thomas Koch v.l.n.r.) sitzen auf einer Podiumsdiskussion auf Stühlen vor einer großen grünen Leinwand mit der Aufschrift „Verbrenner am Ende oder Verbrenner ohne Ende?“
Zukunft des Verbrenners: MDR-Journalist Andreas F. Rook moderierte das „Forum Mobilität“ im Verkehrsmuseum Dresden mit Prof. Dr. Jens Borken-Kleefeld, Dirk Vogel und Prof. Thomas Koch (v.l.n.r.). Foto: CdH
Elektro, Verbrenner oder beides? Im Verkehrsmuseum trafen drei Fachleute mit sehr unterschiedlichen Antworten aufeinander. Einig waren sie sich nur in einem Punkt.

Dresden. Soll Deutschland beim Auto voll auf Strom setzen, oder hat der Verbrennungsmotor noch eine Zukunft? Über diese Frage stritten am Donnerstagabend im Verkehrsmuseum beim "Forum Mobilität" drei Fachleute, moderiert von MDR-Journalist Andreas F. Rook. Rund 90 Minuten lang ging es um Effizienz, Arbeitsplätze, China und die Rolle der Politik. Am Ende waren sich alle drei nur in einem einig: Das ständige politische Hin und Her schadet.

Der Zeitpunkt passte. Die EU will von 2035 an keine neuen Autos mehr zulassen, die fossile Kraftstoffe verbrennen. Doch der Kurs wackelt. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einigten sich darauf, die CO2-Vorgaben zu lockern, zuletzt stimmte auch der Umweltausschuss des EU-Parlaments für eine weitere Aufweichung. Das Podium war die vierte und letzte Ausgabe des "Forums Mobilität Dresden" in diesem Jahr.

Verbrenner-Zukunft gegen Effizienz-Argument

Prof. Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) warb für Technologieoffenheit. Der Verbrennungsmotor habe weltweit eine Zukunft, nur Europa steige aus. China publiziere mehr Forschung zu Verbrennungsmotoren als die USA, Europa, Japan und Korea zusammen und baue die Produktion aus, während Deutschland zehn Jahre lang nur verwaltet habe. Die Politik solle keine Technologie vorschreiben, sondern strenge CO2-Grenzen setzen und den Kunden entscheiden lassen, so wie einst beim Wechsel von Nokia zum iPhone. Mit E-Fuels und Biokraftstoffen lasse sich der Verbrenner klimafreundlich betreiben. Das Verbrenner-Aus schade vor allem den Zulieferern und reiße ein Loch in die Staatskasse: Fielen die Verbrenner weg, fehlten nach Kochs Rechnung rund 50 Milliarden Euro Steuern im Jahr. Dass die EU so einseitig auf Elektro gesetzt habe, führte er auch auf Brüsseler Umweltverbände zurück, die mit Millionenbudgets jahrelang Einfluss genommen hätten.

Prof. Jens Borken-Kleefeld von der TU Dresden widersprach entschieden. Das Elektroauto sei schlicht effizienter. Ein Batterieantrieb nutze die Energie rund fünfmal besser als der Umweg über synthetische Kraftstoffe. E-Fuels herzustellen und dann zu verbrennen sei, „als wenn man Geld unter der Dusche verbrennt“, sagte der Verkehrsökologe. Erneuerbarer Strom bleibe auf Jahre knapp und müsse dort eingesetzt werden, wo er am meisten bringe. Den Verbrenner brauche es vor allem noch in Nischen wie Schiffen und Flugzeugen, im Pkw-Bereich solle die Politik endlich Ruhe geben. Kochs These vom übermächtigen Umwelt-Lobbyismus wies er zurück. Bei den Brüsseler Sitzungen, an denen er teilgenommen habe, seien mehr Vertreter der Auto- und Ölindustrie im Raum gewesen als von Umweltverbänden.

Die Zulieferer leiden unter dem Zickzack

Dirk Vogel, Geschäftsführer des RKW Sachsen und Kopf des Zuliefernetzwerks AMZ, brachte die Sicht der Betriebe ein. Die Verbraucher entschieden sich derzeit für „sowohl als auch“. Im September lagen nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts Hybride mit 38,5 Prozent der Neuzulassungen vorn, vor reinen E-Autos mit 34,5 Prozent und Verbrennern mit 26,4 Prozent. Für die Zulieferer sei gerade dieses Hin und Her das eigentliche Problem. Erst hätten sie in die Elektromobilität investiert, dann in Wasserstoff, nun stehe womöglich wieder der Verbrenner im Raum, und ausgegebenes Geld lasse sich nicht zurückholen. Beim Zulieferer Schaeffler stünden 3.600 Stellen auf der Kippe. Das Unternehmen hatte am Dienstag die Streichung tausender Stellen und die Schließung von vier deutschen Standorten angekündigt. Sachsens Werke könnten technisch beides bauen, doch die wechselnden Vorgaben raubten ihnen die Planungssicherheit.

So weit die Positionen auseinanderlagen, hier trafen sie sich: Das ständige politische Zickzack schade allen. Moderator Rook hatte zu Beginn betont, es gehe nicht darum, einen Sieger zu küren, sondern zu verstehen, warum Fachleute so unterschiedlich auf dieselbe Frage blicken. Genau so endete der Abend, ohne Gewinner, aber mit vielen offenen Fragen.