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Sparen am falschen Ende? Debatte um Zukunft der Dresdner Kiezlichter

Zwei Mitarbeiter der Kiezlichter im nächtlichen Außeneinsatz; im Vordergrund ist die Rückansicht einer Person in dunkelroter Kleidung mit der gelben Aufschrift „Nachtlichter“ zu sehen.
Projekt vor dem Aus? Die Kiezlichter - bis zum Frühjahr als Nachtschlichter unterwegs - sorgen in der Äußeren Neustadt für Deeskalation, doch im Doppelhaushalt 2027/2028 sind die Mittel gestrichen. Archivfoto: Arvid Müller/dpa
Prävention durch Dialogteams oder teurere Polizeieinsätze? Warum die Streichung der 170.000 Euro für Kontroversen sorgt.

Dresden. Die Kiezlichter gehören zum Sommer in der Äußeren Neustadt. Mit einem roten Lastenrad ziehen sie durchs Viertel, erreichbar per WhatsApp, und führten allein 2025 mehr als 1.200 Gespräche. Jetzt droht dem Projekt das Aus. Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2027/2028 ist das Geld gestrichen, 170.000 Euro im Jahr. Die SPD warnt davor. Sie will die Teams erhalten und zusätzlich in die Altstadt holen.

Die Dialogteams hießen bis zu diesem Jahr Nacht(sch)lichter und sind seit dem Frühjahr unter neuem Namen unterwegs. Rund 22 Leute gehören dazu. Sie arbeiten vorbeugend, sprechen Menschen an, bevor Streit entsteht, und helfen in schwierigen Situationen. Unterwegs sind sie in der Freiluftsaison im Alaunpark und im Viertel, ihre Anlaufstelle liegt am Martin-Luther-Platz. Das Konzept hatte Stadtbezirksamtsleiter André Barth mit Polizei und Ordnungsamt vorgestellt.

Erst gekürzt, nun ganz gestrichen

Günstig war die Lage schon vorher nicht. Für 2026 wurde das Projekt erstmals komplett aus dem Stadthaushalt bezahlt. Der Freistaat fiel mit rund 8.000 Euro weg, das Budget schrumpfte auf 170.000 Euro. Für den Doppelhaushalt 2027/2028 taucht es nun gar nicht mehr auf. Das hatte Barth Anfang Oktober in der öffentlichen Sitzung des Stadtbezirksbeirats Neustadt mitgeteilt, wie die SPD auf Anfrage erklärte.

Für den Nutzen verweist die SPD auf Bilanzen von Polizei und Ordnungsamt. Die Kriminalität in der Neustadt sei 2024 um zehn Prozent zurückgegangen, Gewalt- und Rohheitsdelikte hätten abgenommen, Besucher verteilten sich besser im Viertel. Auch das „Straßenbahnstreicheln” und der Dauerlärm durch Musikboxen seien seltener geworden. Im Vorjahr unterstützten die Kiezlichter nach eigenen Angaben in mehr als 60 Fällen Gewaltbetroffene und alarmierten mehrfach Rettungsdienste. Das sei nicht allein ihr Verdienst, räumt die SPD ein, aber ein wichtiger Beitrag.

SPD will erhalten und ausweiten

Würden die 170.000 Euro gestrichen, drohten an anderer Stelle höhere Kosten, argumentiert die SPD. Löse ein Gespräch der Kiezlichter einen Streit, müssten Polizei oder Ordnungsamt gar nicht erst anrücken, deren Einsatzstunden seien deutlich teurer. Die Partei betont allerdings selbst, dass dies eine politische Einschätzung sei und keine Berechnung. Co-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter Albrecht Pallas verweist zugleich auf wachsende Probleme rund um den Postplatz, die Polizei und Ordnungsamt allein nicht lösen könnten.

Deshalb will die SPD die Kiezlichter erhalten, zusätzlich in die Altstadt bringen und einen Altstadtkümmerer nach Neustädter Vorbild einsetzen. Was das kosten würde, hat die Partei nach eigenen Angaben noch nicht berechnet, die konkreten Anträge stimmt sie mit ihrer Stadtratsfraktion ab. Über den Doppelhaushalt entscheidet am Ende der Stadtrat. Wie sich die Lage am Postplatz bessern lässt, wollen die Landtagsabgeordneten Sophie Koch und Albrecht Pallas am 27. Oktober bei einem Rundgang mit Fachleuten besprechen.

Auch die CDU macht sich stark

Rückhalt bekommt die Forderung über Parteigrenzen hinweg. „Der Forderung nach dem Erhalt der Kiezlichter schließen wir uns klar an”, sagte der Neustädter CDU-Stadtrat Johannes Schwenk dem „Neustadt-Geflüster”. Man rede über 170.000 Euro im Jahr, dafür müsse und werde man eine Lösung im Stadthaushalt finden. Die Teams hätten sich längst bewährt, seien abends ansprechbar und griffen oft ein, bevor die Polizei nötig werde, gerade für junge Frauen seien sie wichtig. Auch Schwenk will prüfen lassen, ob sich das Konzept auf den Postplatz ausweiten lässt, wo sich die Lage am Abend mit zunehmender Kriminalität und wachsendem Unsicherheitsgefühl verschlechtert habe.