Schluss mit Fässer wechseln: Watzke in Dresden feiert Bier-Premiere
Dresden. Wer im neuen Nebenzimmer des Watzke am Goldenen Reiter sitzt, hat 3,8 Meter über sich fünf Biertanks mit je 1.000 Litern hängen. Aus ihnen läuft das Bier über eine Leitung direkt ins Glas. Das Brauhaus an der Hauptstraße hat seit Februar 2026 umgebaut und dabei rund 1,4 Millionen Euro investiert, finanziert über Kredite der Hausbank. Für die Gäste lief der Umbau meist im Hintergrund, während nebenan weiter gezapft und serviert wurde.
Watzke steht seit mehr als 30 Jahren für hausgebrautes, unfiltriertes Stadtbier. Das Haus am Goldenen Reiter kam vor mehr als 20 Jahren hinzu und zählt wegen seiner Lage direkt am Neustädter Markt, am Fuß der Augustusbrücke, zu den gefragtesten Adressen der Brauerei.
Mehr Platz aus Leerstand
Angefangen hatte alles mit einem bescheideneren Ziel. Als der benachbarte Lederhandel auszog, wollte das Watzke vor allem seine Küche vergrößern. Dann kam eine zweite Fläche hinzu: Der frühere Raucherbereich wurde frei, seit die Raucher ohnehin nach draußen gehen. Beide Flächen gehören nun zum Restaurant. „Aufgrund der starken Kundenfrequenz auf der Hauptstraße freuten wir uns, dass wir die Fläche unserem Restaurant hinzufügen konnten”, sagt Geschäftsführerin Nicole Rothländer. Entstanden ist ein Nebenzimmer, das sich auch für Gruppen eignet.
Der Grund für die Tanks ist handfest. An einem guten Wochenende gehen im Watzke am Goldenen Reiter rund 3.000 Liter Bier über den Tresen. Bislang mussten die Kellner dafür etwa 60 Fässer wechseln. „Zeit, die für die Betreuung der Gäste fehlte”, sagt Restaurantleiter Mike Böhme. Jetzt füllt ein Tankmobil zwei- bis dreimal pro Woche vor der Öffnung die Tanks, ohne dass das Personal ran muss. Auch für die Brauerei ist das einfacher, wie Braumeister Jens Berndt erklärt: Tanks mit Schläuchen zu befüllen gehe schneller als die vielen Fässer. Nach Angaben des Tankherstellers ist das Watzke-Bier das erste unfiltrierte Bier, das auf diese Weise als Tankbier zum Gast kommt.
Acht Tonnen über einem Stück Stadtgeschichte
Technisch war der Einbau kein Selbstläufer. Voll bringen die fünf Tanks acht Tonnen auf die Waage, deshalb hängen sie an Metallbau-Stützen, die zugleich den Keller darunter schützen. Und der hat es in sich. Das Gewölbe entstand um 1750 zusammen mit dem Neustädter Rathaus, das 1945 zerstört und dessen Ruine 1950 gesprengt wurde. Erhalten blieb der Keller. Er wurde zum „Meißner Weinkeller”, später war er als „Silberstollen” bekannt, mit Erlebnisgastronomie rund um den erzgebirgischen Bergbau.
Seit der Flut 2002 stand das Gewölbe leer. Ganz vergessen war es in all den Jahren allerdings nicht: Im Herbst 2011 zeigten dort elf Galerien im Rahmen einer Ausstellung des Barockviertels zeitgenössische Kunst, von Malerei über Fotografie bis zur Plastik. Danach kehrte wieder Ruhe ein. Mit dem Umbau liegt nun das Watzke über dem alten Rathausgewölbe, und das Bier fließt dort, wo einst Wein lagerte.