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Odol-Erbe in Gefahr? Die Linke Dresden rebelliert gegen Schloss-Verkauf

Zweigeteiltes Bild: Links Parteichef Florian Berndt am Rednerpult der Partei Die Linke. Rechts eine Luftaufnahme des historischen Lingnerschlosses in Dresden auf einem Hang mit Weinbergen und Außengastronomie.
Protest gegen Erbbaurecht-Übertragung: Parteichef Florian Berndt (l.) und Die Linke Dresden fordern vor der Stadtratsentscheidung am 3. September den Erhalt des Lingnerschlosses (r.) als öffentliches Gut im Sinne des Stifters Karl August Lingner. Fotos: Christopher Colditz, pixabay/Toni2001
Von: Cornelius de Haas
Vor der Stadtratsentscheidung positioniert sich Die Linke Dresden gegen den Verkauf des Lingnerschlosses. Ihr Parteitag stimmte einstimmig dagegen und unterstützt eine Petition, die sich auf Lingners Testament beruft.

Dresden. Karl August Lingner wollte „kein Etablissement nur für reiche Leute". Diese Bedingung schrieb der Odol-Fabrikant 1916 in sein Testament, als er sein Schloss der Stadt vermachte. Gut hundert Jahre später beruft sich Die Linke Dresden auf genau diesen Satz. Auf ihrem Stadtparteitag stimmte die Partei einstimmig gegen die Übertragung des Erbbaurechts an private Investoren und fordert den Stadtrat auf, am Donnerstag Nein zu sagen. Parteichef Florian Berndt nennt das Schloss „kein Tafelsilber, das Hilbert (Dresdens OB, d.Red.) einfach verscherbeln kann", ein Verkauf sei „politische Dummheit", solange die Rückübertragung an die Stadt nicht vom Tisch ist.

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Worum es am 3. September geht

Am 3. September stimmt der Stadtrat darüber ab, ob das Erbbaurecht am Lingnerschloss für 44 Jahre an die Unternehmer Thomas Bohn und Oliver Kreider übergeht. Den Notarvertrag über 1,65 Millionen Euro haben beide bereits unterschrieben, rechtskräftig wird er aber erst mit dem Ja des Rates. Eigentümerin des Grundstücks an der Bautzner Straße bleibt die Stadt. Juristisch ist das kein klassischer Verkauf, die Investoren bekämen aber eine eigentumsähnliche Stellung, Kritiker sprechen von einem Verkauf auf Zeit. Schon der Ausschuss für Allgemeine Verwaltung hatte am 25. August mit 6 zu 4 Stimmen empfohlen, den zugrunde liegenden Vergleich zu widerrufen.

Der Unternehmer Lingner, bekannt durch das Odol-Mundwasser und Gründer des Hygiene-Museums, vermachte sein Anwesen 1916 der Stadt, ausdrücklich „zum Besten der Bevölkerung von Dresden und Umgebung". Er verlangte freien Zugang zu Park und Schloss und eine Gastronomie zu niedrigsten Preisen. Aus Sicht der Partei widerspricht eine Vergabe an einen Investor diesem Willen. Zusagen, dass alles zugänglich bleibe, seien eine Absichtserklärung, aber keine Garantie für die kommenden Jahrzehnte.

Streit um die Rückübertragung

Auch auf die Gerichte verweist die Linke. Die Stadt hatte das Erbbaurecht 2003 an den Förderverein vergeben und es nach erheblichen Zahlungsrückständen 2023 im Wege des Heimfalls zurückgefordert. Das Landgericht Dresden entschied im August 2025, der Insolvenzverwalter müsse der Rückübertragung an die Stadt ohne Entschädigung zustimmen. Gegen das Urteil läuft eine Berufung. Für die Linke ist damit ein öffentlicher Weg möglich. Statt an einen Investor solle das Schloss dauerhaft der Allgemeinheit gesichert werden.

Der Parteitag unterstützt außerdem eine Petition mit dem Titel „Lingners Vermächtnis bewahren - kein Verkauf des Lingnerschlosses!". Sie fordert den Stadtrat auf, die Übertragung abzulehnen, und verlangt, das Haus müsse frei zugänglich bleiben, mit bezahlbarer Gastronomie.

Die Gegenseite warnt vor Millionenkosten

Gegen ein Nein steht die Warnung des Insolvenzverwalters Alexander Hartig. Scheitert der Vergleich, drohten der Stadt nach seiner Rechnung ein weiterer Rechtsstreit, Kosten in Millionenhöhe und eine erneute Schließung des Schlosses. Bohn und Kreider verweisen auf ihren Einsatz ohne städtisches Geld und wollen die öffentliche Nutzung zusätzlich schriftlich absichern. Als weitere Option liegt das Angebot der gemeinnützigen Fördergesellschaft Lingnerschloss gGmbH auf dem Tisch.

Der Stadtrat entscheidet am Donnerstag, 3. September.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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