Dresden. Karl August Lingner wollte „kein Etablissement nur für reiche Leute". Diese Bedingung schrieb der Odol-Fabrikant 1916 in sein Testament, als er sein Schloss der Stadt vermachte. Gut hundert Jahre später beruft sich Die Linke Dresden auf genau diesen Satz. Auf ihrem Stadtparteitag stimmte die Partei einstimmig gegen die Übertragung des Erbbaurechts an private Investoren und fordert den Stadtrat auf, am Donnerstag Nein zu sagen. Parteichef Florian Berndt nennt das Schloss „kein Tafelsilber, das Hilbert (Dresdens OB, d.Red.) einfach verscherbeln kann", ein Verkauf sei „politische Dummheit", solange die Rückübertragung an die Stadt nicht vom Tisch ist.
Der Unternehmer Lingner, bekannt durch das Odol-Mundwasser und Gründer des Hygiene-Museums, vermachte sein Anwesen 1916 der Stadt, ausdrücklich „zum Besten der Bevölkerung von Dresden und Umgebung". Er verlangte freien Zugang zu Park und Schloss und eine Gastronomie zu niedrigsten Preisen. Aus Sicht der Partei widerspricht eine Vergabe an einen Investor diesem Willen. Zusagen, dass alles zugänglich bleibe, seien eine Absichtserklärung, aber keine Garantie für die kommenden Jahrzehnte.
Streit um die Rückübertragung
Auch auf die Gerichte verweist die Linke. Die Stadt hatte das Erbbaurecht 2003 an den Förderverein vergeben und es nach erheblichen Zahlungsrückständen 2023 im Wege des Heimfalls zurückgefordert. Das Landgericht Dresden entschied im August 2025, der Insolvenzverwalter müsse der Rückübertragung an die Stadt ohne Entschädigung zustimmen. Gegen das Urteil läuft eine Berufung. Für die Linke ist damit ein öffentlicher Weg möglich. Statt an einen Investor solle das Schloss dauerhaft der Allgemeinheit gesichert werden.
Der Parteitag unterstützt außerdem eine Petition mit dem Titel „Lingners Vermächtnis bewahren - kein Verkauf des Lingnerschlosses!". Sie fordert den Stadtrat auf, die Übertragung abzulehnen, und verlangt, das Haus müsse frei zugänglich bleiben, mit bezahlbarer Gastronomie.