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Verkehrs-Streit in Dresden: Warum 300 Meter Radweg die Gemüter erhitzen

Blick vom Seidnitzer Weg über die mehrspurige Kreuzung der Mügelner Straße zur Gamigstraße. Rechts wartet eine Radfahrerin bei Rot an der Ampel.
Umstrittener Umbau ab 1. September: An der Kreuzung Mügelner Straße/Gamigstraße entstehen neue Radspuren und barrierefreie Wege. Während die CDU von Geldverschwendung spricht, betont die Stadt den Sicherheitsgewinn für Radler. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Ab Dienstag baut Dresden die Mügelner Straße in Reick für Radfahrer um. Noch vor dem ersten Bautag nennt die CDU das Vorhaben Symbolpolitik, die Verwaltung verteidigt es mit Sicherheitsargumenten und einer Verkehrssimulation.

Dresden. Kurz vor dem Baustart auf der Mügelner Straße in Reick ist über das Projekt ein Streit entbrannt. CDU-Stadtrat Mario Schmidt hält den geplanten Radweg-Abschnitt für Symbolpolitik und wirft Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) „Flickenteppich-Politik" vor. Die Stadtverwaltung weist die Kritik zurück und begründet in mehreren Punkten, warum sie auf gut 300 Metern zwischen Gamigstraße und Altreick baut.

Das ist ab 1. September geplant

Von Dienstag, 1. September, an bekommt die Mügelner Straße rot markierte Radspuren und eine umgerüstete Ampel an der Kreuzung Gamigstraße. Die Bautrupps arbeiten sich abschnittsweise bis zur Haltestelle Altreick vor, fertig sein soll alles bis Ende Oktober. Rechtsabbiegende Autos und geradeaus fahrende Radler sollen sich seltener in die Quere kommen, die Überwege werden barrierefrei.

Perspektive aus der Windschutzscheibe eines Autos auf die Mügelner Straße in Dresden-Reick mit Straßenbahngleisen. Die Sonne steht tief über der asphaltierten Fahrbahn in Richtung Altreick.
Freie Fahrt auf der Mügelner Straße Richtung Altreick: Auf gut 300 Metern lässt die Stadt ab 1. September neue Radfahrstreifen markieren. Der geplante Zuschnitt sorgt kurz vor Baustart für politischen Streit. Foto: CdH

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Für Autofahrer bleibt die Straße in beide Richtungen befahrbar, zeitweise wird an der Kreuzung eine Fahrtrichtung gesperrt. Das Vorhaben gehört zur Maßnahme 633 aus dem Radverkehrskonzept. Die Stadt beziffert die Gesamtkosten auf rund 300.000 Euro, bis zur Hälfte kann der Bund über eine Klimaschutz-Förderung übernehmen.

CDU: „Geldverschwendung" auf 300 Metern

Mario Schmidt, CDU-Stadtrat für den Wahlkreis Prohlis, kritisiert genau diesen Zuschnitt. Radverkehrsmaßnahmen auf rund 300 Metern lösten kein Problem, das Geld dafür sei „pure Geldverschwendung". Schmidt spricht von 200.000 Euro. Wegen des Straßenquerschnitts würden Autos wieder auf die Straßenbahngleise gedrängt, was den Vorrang der Bahn ausbremse. Sinnvoller wäre aus seiner Sicht ein überfahrbarer Radschutzstreifen, und zwar durchgehend statt nur auf einem kurzen Stück.

Warum die Stadt nur diesen Abschnitt baut

Die Verwaltung führt den Zuschnitt auf die Technik zurück. Der gesamte Streckenzug gehört zur Maßnahme 633, doch die Knoten an der Lohrmann- und der Tornaer Straße ließen sich nicht sofort umbauen. Dafür wäre unter anderem eine Sperrung der Straßenbahngleise nötig. Deshalb zog die Stadt den Abschnitt an Altreick vor. Vor allem die Arbeiten im Ampelbereich verbesserten die Sicherheit dauerhaft, auch wenn dieser Teil für sich steht. Ein durchgehender Ausbau bis zum Moränenende bräuchte einen kompletten Umbau in voller Breite. Dafür fehlten bisher Geld und Personal, andere Vorhaben hatten Vorrang.

Ampel, LED und barrierefreie Wege: die Rechnung der Stadt

Die rund 300.000 Euro fließen nach Angaben der Stadt nicht allein in Radspuren. Im Kreuzungsbereich entstehen barrierefreie Querungen für Fußgänger. Das veraltete Steuergerät der Ampel wird ersetzt, was vor allem Störungen für die Straßenbahn verringert. Alle Leuchtmittel der Anlage wechseln von Glühbirnen auf LED, ohnehin fällig und jetzt gleich miterledigt. Zusätzlich bessert die Stadt schadhafte Stellen der Fahrbahn aus. Die Wirtschaftlichkeit prüfe man an Vergleichs- und Einheitspreisen ähnlicher Projekte.

Schutzstreifen gegen Radfahrstreifen, und die Sorge um den ÖPNV

Schmidts Vorschlag eines Schutzstreifens hat die Verwaltung nach eigener Darstellung schon in der Vorplanung geprüft und verworfen. Bei den Verkehrsmengen auf der Strecke, gerade beim Schwerverkehr, lasse das Regelwerk nur eine getrennte Führung von Rad und Auto zu, also einen eigenen Radfahrstreifen. Ein Schutzstreifen bringe keinen Sicherheitsgewinn und verleite Autofahrer eher dazu, Straßenbahnen zu überholen, während daneben Radler fahren. Zwischen Cäcilienstraße und Rudolf-Bergander-Ring sei ein solcher Radfahrstreifen längst markiert und habe sich bewährt.

Die Sorge um den Nahverkehr teilt die Stadt nicht. Eine Verkehrssimulation über den mehr als 2,5 Kilometer langen Zug bis zur Cäcilienstraße habe die Qualität für den ÖPNV bestätigt, die DVB seien von Anfang an beteiligt gewesen.

Der Umbau beginnt am 1. September, fertig sein soll der Abschnitt bis zum 30. Oktober.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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