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10 Millionen Euro nur an Zinsen: Der teure Streit um die neue Carolabrücke in Dresden

Blick von einer betonierten Plattform über einen Parkplatz am Terrassenufer und die Elbe in Dresden. Am gegenüberliegenden Ufer liegt das historische Gebäude der Staatskanzlei unter klarem blauem Himmel.
Streit um die neue Carolabrücke: Vor der Stadtratsentscheidung am 3. September rechnet die grüne Fraktion Zins-Mehrkosten von 10 Millionen Euro für vier Fahrspuren vor. Der Blick vom verbliebenen Brückenareal zeigt die Elbe und die Staatskanzlei. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Kurz vor der Stadtratsentscheidung zur neuen Carolabrücke legen die Grünen eine Rechnung vor. Allein die zwei zusätzlichen Autospuren kosten über die Kreditlaufzeit rund 10 Millionen Euro an Zinsen, und zwar auf Basis der Zahlen, die Oberbürgermeister Dirk Hilbert selbst geliefert hat.

Dresden. Wenige Tage vor der Stadtratsentscheidung zur Carolabrücke drehen die Grünen dem Oberbürgermeister seine eigenen Zahlen um. Aus der Kostenauskunft, die Dirk Hilbert der Fraktion auf Anfrage geschickt hat, rechnet ihr finanzpolitischer Sprecher Torsten Hans vor, dass die vier statt zwei Autospuren der geplanten Brücke über die Kreditlaufzeit rund 10 Millionen Euro allein an Zinsen kosten.

Was die Stadt bislang rechnet

In seiner Antwort nennt Hilbert eine Gesamtsumme von 138,2 Millionen Euro, festgelegt ist der Siegerentwurf dabei noch nicht. Finanziert werden soll der Bau über den Dresdner Brückenfonds, dafür will die Stadt zwischen 2027 und 2029 einen Kredit aufnehmen. Kalkuliert wird mit einem eher vorsichtig angesetzten Zinssatz von 3 Prozent und einer Laufzeit von rund 22 Jahren.

Weil das Darlehen in Tranchen abgerufen wird, fällt die höchste Zinslast nach Hilberts Angaben 2030 an, mit 2,64 Millionen Euro. Ab 2031 sinkt sie und liegt dann bei 2,49 Millionen Euro. Endgültig ist das alles noch nicht. Die Kreditaufnahme braucht einen Beschluss des Stadtrats und die Genehmigung der Rechtsaufsicht, mit Banken hat die Stadt noch nicht verhandelt. Für den ÖPNV-Anteil und die Gleise will Dresden Fördermittel des Bundes beantragen.

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Die Rechnung der Grünen

Torsten Hans setzt bei den zwei zusätzlichen Fahrspuren an. Die Grünen veranschlagen deren Mehrkosten auf 30 Millionen Euro. Bei 22 Jahren Laufzeit und 3 Prozent Zinsen kämen allein dafür rund 10 Millionen Euro an Zinsen zusammen. Dazu rechnet Hans die Wartung. Da die Unterhaltung einer Brücke im Schnitt 1 bis 1,5 Prozent der Bausumme koste, bringe die breitere Variante bis zu 300.000 bis 450.000 Euro zusätzlich pro Jahr.

Unter dem Strich seien es über 2 Millionen Euro im Jahr, die der Ergebnishaushalt zusätzlich tragen müsse, weil dort Zins, Tilgung und Unterhaltung erwirtschaftet werden. Das widerspreche „fundamental dem Grundsatz der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit", so Hans. Wer solche Mehrkosten erzeuge und zugleich Kürzungen bei Kultur, Sport und Jugendhilfe für unvermeidbar erkläre, handele „absolut unehrlich". Bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen wollen die Grünen das Thema immer wieder aufrufen.

Die beiden Seiten rechnen dabei sogar mit unterschiedlichen Kreditmodellen. Hilbert beschreibt ein Ratendarlehen mit sinkender Zinslast, die Grünen gehen in ihrer Mitteilung von einem Annuitätendarlehen aus. In beiden Fällen können sich die Konditionen noch ändern.

Worum es am 3. September geht

Über die Vierspurigkeit hat der Stadtrat im Grundsatz bereits im Juni 2025 entschieden, damals mit den Stimmen von AfD, CDU, Team Zastrow, FDP/FB und BSW. Am Donnerstag, 3. September, geht es um den nächsten Schritt. Der Rat wählt das Planungsteam, das den Entwurf weiter ausarbeitet. Das Begleitgremium empfiehlt mit 14 zu 12 Stimmen die Büros LAP und Knight Architects. Umstritten bleibt die Brücke trotzdem.

Die Fraktion aus Piraten, Volt und Die Partei will eine Querung ganz ohne Autospuren, nur für Fußgänger, Radfahrer und Straßenbahn. Hilbert wirbt seit dem Einsturz im September 2024 für einen schnellen Wiederaufbau der zentralen Verbindung.

Die Kostenfrage wollen die Grünen nun in die Haushaltsberatungen für 2027/2028 tragen.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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