„Liebe ist verzichten“: Samuel Koch rührt bei Auftritt in Dresden zu Tränen
Dresden. Samuel Kochs Verbindung zu Dresden beginnt bei seiner Großmutter. 1930 kam sie hier zur Welt und wohnte an der Bürgerwiese. Am Sonntag war ihr Enkel selbst in der Stadt zu Gast. Auf Schloss Albrechtsberg nahm der Schauspieler, Autor und Redner den 27. Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden entgegen. Ausgezeichnet wurde er für sein öffentliches Eintreten für ein respektvolles Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung und für seinen Mut, der andere in schwierigen Lebenslagen inspiriert.
Laudatio von Bischöfin Kirsten Fehrs
Die Laudatio hielt Kirsten Fehrs, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie würdigte den Preis als Auszeichnung für Kochs „Haltung der Aufrichtigkeit, die andere aufrichtet". Koch spreche über Hoffnung, ohne die Wirklichkeit schönzureden. Tobias Wolf, Co-Vorsitzender des Presseclubs, sagte, Koch stehe für Teilhabe, Mut und gelebte Inklusion, also für die Werte, die der Verein seit über drei Jahrzehnten mit dem Preis würdige.
Seit 2010 gelähmt, zurück im Beruf
Koch ist seit seinem Unfall bei einer "Wetten, dass..."-Sendung im Jahr 2010 vom Hals abwärts gelähmt. Sein Schauspielstudium schloss er 2014 mit Diplom ab und arbeitet seitdem in dem Beruf. „Die Auszeichnung mit dem Erich-Kästner-Preis hat mich freudig überrascht", erklärte Koch. Er wolle den Schmerz anderer sehen, und dass der Presseclub das nun seinerseits sehe, tue gut.
Preisgeld für ein neues inklusives Ensemble
Wie alle Preisträger gibt Koch das Preisgeld von 10.000 Euro weiter. Eine Hälfte geht an den Dresdner Verein farbwerk, der seit 20 Jahren Menschen mit und ohne Behinderung Zugang zu Kunst verschafft. farbwerk baut im Jubiläumsjahr das erste professionelle Ensemble in Sachsen für Darstellerinnen und Darsteller mit Lernschwierigkeiten auf. Mindestens zwölf von ihnen sollen dort einen festen Arbeitsplatz bekommen, bislang arbeiten viele in Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Die andere Hälfte fließt an Kochs eigenen Verein „Samuel Koch und Freunde", den er 2019 gründete. Der Verein unterstützt Menschen, die anderen in Notlagen beistehen und sich dabei selbst verausgaben, Koch nennt das „Hilfe für Helfer". Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine hilft der Verein außerdem, Menschen mit Behinderung zu evakuieren, unterzubringen und zu betreuen. Viele der Geflüchteten holte Kochs Mutter Marion Koch mit Helfern in Bussen selbst aus einer umkämpften Region.
Ein Preis mit prominenter Geschichte
Den Erich-Kästner-Preis vergibt der Presseclub seit 1994 an Menschen, die sich um Toleranz, Humanität und Völkerverständigung verdient gemacht haben. Die Mitglieder wählen die Preisträger alle zwei Jahre. Zur Auszeichnung gehören eine Skulptur des Bildhauers Vinzenz Wanitschke und die 10.000 Euro. Den ersten Preis erhielt 1994 Ignatz Bubis, später wurden unter anderem Marion Gräfin Dönhoff, Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher und Dieter Hildebrandt geehrt. 2024 ging der Preis an Natalija Bock, Mitgründerin des Ukrainischen Zentrums in Dresden. Der Presseclub Dresden besteht seit 1991 und hat rund 140 Mitglieder.

Koch verband die Ehrung mit einem Appell: „Viele fragen, was ihnen das Leben bieten kann. Dabei sollten wir fragen, was wir dem Leben bieten können." Auch auf die Gesellschaft insgesamt blickte er: „In der Demokratie ist es wichtig, dass man nicht nur seine Rechte, sondern auch seine Pflichten wahrnimmt. Liebe ist, wenn man auch mal auf seine Rechte verzichtet." Damit rührte er so manch Anwesenden zu Tränen.