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Neustädter Hafen: Dresden hat ein neues Stück Stadt - mit einem Schönheitsfehler

Blick auf die neu eröffnete Hafenpromenade der Hafencity Dresden bei Sonnenschein. Im Vordergrund liegen Boote an einer massiven Steinkaimauer im Hafenbecken. Auf der Promenade flanieren zahlreiche Besucher vorbei an Restaurant-Außenbereichen mit großen weißen Sonnenschirmen. Im Hintergrund erstreck
Finaler Lückenschluss am Elbufer: Mit der feierlichen Einweihung der 6.350 Quadratmeter großen Hafenpromenade am Sonntag ist das Großprojekt Hafencity Dresden nach 16 Jahren offiziell vollendet. Wo die USD Immobilien GmbH rund 152 Millionen Euro investiert hat, finden nun 950 Bewohner sowie Besucher einen neuen urbanen Stadtraum mit Gastronomie und hoher Aufenthaltsqualität direkt am Wasser. Foto: Anja Schneider/USD Immobilien GmbH
Von: Cornelius de Haas
Nach 16 Jahren ist die Hafencity Dresden fertig. 152 Millionen Euro Privatinvestition, eine neue Elb-Promenade, 341 Wohnungen. Aber nur 32 davon sind gefördert.

Dresden. Es hat lange gedauert. 2010 kaufte die USD Immobilien GmbH das frühere Industriegelände am Neustädter Hafen, 2016 kam die erste Baugenehmigung, 2019 der Baubeginn. Jetzt ist die Hafencity Dresden fertig - mit der Eröffnung der Hafenpromenade am Sonntag wurde das letzte große Puzzlestück gesetzt.

Was entstanden ist: 341 Wohnungen, rund 18.000 Quadratmeter Gewerbefläche, ein Hotel mit 183 Zimmern, Arztpraxen, Cafés, Restaurants. Rund 950 Menschen leben heute im Quartier. Und seit Sonntag ist die Promenade offiziell eröffnet - 6.350 Quadratmeter direkt an der Elbe, mit Spielplatz, Sitzbereichen und Gastronomie, offen für alle.

Vier Personen – Architekt Jörn Leschik, Sebastian Forkert von USD Immobilien, Anja Heckmann vom Stadtplanungsamt und Baubürgermeister Stephan Kühn – schneiden gemeinsam ein rotes Band zur Eröffnung der Hafenpromenade in der Dresdner Hafencity durch. Die Szene findet bei strahlendem Sonnenschein vor der Kulisse moderner Wohngebäude und Passanten statt.
Offizieller Startschuss für die neue Hafenpromenade: Sebastian Forkert (USD Immobilien), Baubürgermeister Stephan Kühn, Anja Heckmann (Amt für Stadtplanung und Mobilität) und Architekt Jörn Leschik  (v. l. n. r.) vollziehen den symbolischen Scherenschnitt zur Einweihung des 6.350 Quadratmeter großen Areals am Neustädter Hafen. Damit ist das 152 Millionen Euro teure Großprojekt Hafencity nach 16 Jahren Entwicklungszeit vollständig für die Öffentlichkeit zugänglich. Foto: Anja Schneider/USD Immobilien GmbH

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Baubürgermeister Stephan Kühn war sichtlich zufrieden bei der Einweihung: "Man sieht heute ein tolles, erfolgreiches Ergebnis." Dass das Quartier trotz Coronapandemie und Ukrainekrieg so geworden sei wie geplant, mache ihn stolz. Sein Urteil: "Es ist kein reines Wohngebiet, sondern ein urbaner Stadtraum mit Aufenthaltsqualität." Und auf die Zugänglichkeit angesprochen: "Wir haben in Dresden mehrere Hafenbecken, aber nur hier ist es offen für alle."

16 Jahre - und kein Cent Förderung

152 Millionen Euro, weitgehend ohne staatliche Förderung. USD-Projektleiter Sebastian Forkert verhehlt nicht, wie zäh das war: Zwischen Grundstückskauf und erster Baugenehmigung vergingen über fünf Jahre. "Bis zur Fertigstellung brauchte es Geduld und einen langen Atem." Dass die Anlage vergleichsweise wenig Grün hat, erklärt er mit der Industriegeschichte des Ortes - man habe den Hafencharakter bewusst erhalten wollen. Sein persönlicher Tipp für Besucher: "Genießen Sie die Sonnenuntergänge."

Die unbequeme Zahl: 32 von 341

Von 341 Wohnungen sind 32 gefördert. Neun Prozent. In einer Stadt, die diese Woche parallel kommuniziert hat, dass sie mit erheblichem Aufwand 10.000 Belegungsrechte für Geringverdiener bis 2036 gesichert hat, ist das eine Zahl, die man nicht übersehen sollte.

Die Hafencity war nie als Sozialprojekt geplant – das war nicht ihr Anspruch, und niemand hat das versprochen. Aber die Zahl sitzt trotzdem. Was USD der Allgemeinheit gibt, ist anderer Natur: 127 Bäume, ein Radweg durch das Areal seit 2024, 70 Vogelquartiere und 31 Fledermausquartiere – und eine Promenade, die jetzt allen gehört. Das ist mehr, als viele Investoren bereit sind zu geben.

Der Blick nach drüben

Kühn denkt bereits weiter. Auf der anderen Seite der Leipziger Straße liegt das nächste Potenzial: "Ich hoffe, dass wir es auch dort schaffen, an das hier Geschaffene anknüpfen zu können." Der Bebauungsplan sei in Vorbereitung. Und grundsätzlich sieht er in solchen Projekten eine Stärke der Stadt: "Es ist eine Besonderheit Dresdens, dass wir noch die Möglichkeiten haben, so zentrumsnah Quartiere entwickeln zu können."

Auch für die Restaurants, die sich auf der Promenade angesiedelt haben, findet er anerkennende Worte: "Es ist toll, dass sich Gastronomen trotz der derzeit schwierigen Lage trauen, hier an den Start zu gehen."

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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